Meerbusch: Pianistin der "Toten Hosen"
VON HEIKE SCHOOG - zuletzt aktualisiert: 04.02.2011Düsseldorf (RPO). Die 33-jährige Koreanerin Esther Kim lebt seit 25 Jahren in Deutschland. Ihre musikalischen Grundlagen hat die Pianistin in ihrer Heimatstadt Seoul erworben. Studiert hat sie an der Folkwang-Schule in Essen.
Ihr Onkel ist Geigenlehrer, die Tante eine bekannte Pianistin. "Die Familie meiner Mutter ist sehr musikalisch", sagt Esther Kim (33), die vor 25 Jahren mit ihren Eltern aus Seoul (Südkorea) nach Deutschland gekommen ist. "Mein Vater hat hier als evangelischer Pfarrer für seine Landsleute gearbeitet", sagt Kim, die ihre neue Heimat liebt.
"Vieles von dem, was ich heute mache, wäre in Korea kaum denkbar", sagt sie. Zwar verdankt sie der Selbstverständlichkeit, mit der Kinder dort ein Instrument lernen, ihre musikalischen Grundlagen. Aber die strenge Disziplin, mit der dies in ihrer alten Heimat verbunden ist, vermisst sie nicht. "Außerdem wäre ich in Seoul bestimmt schon verheiratet." So zumindest würden es die Traditionen vorsehen.
Esther Kim
Geboren 1977 in Seoul
Umzug von Südkorea nach Deutschland mit acht Jahren
Klavierunterricht ab dem sechsten Lebensjahr
Studium an der Folkwang-Schule
2005 Sie begleitet die "Toten Hosen" bei "Nur zu Besuch: Unplugged am Wiener Burgtheater" und geht mit ihnen auf Tournee
In Düsseldorf lebt die 33-Jährige allein. "Ich nähere mich gerade der Jazzmusik", sagt die in Klassik ausgebildete Pianistin. "Das ist sehr spannend und ein bisschen wie Neuland für mich." An einer privaten Jazz-Akademie in Dortmund lernt sie die Rhythmen und Phrasen der groovigen Musik kennen.
"Bis zu einem bestimmten Alter dachte ich immer, nur Klassik sei echte Musik." Das habe sich geändert, als Jochen Hülder, Manager der "Toten Hosen" sie in der Düsseldorfer Discothek MK2, entdeckte. Seither begleitet sie Interpreten wie Lionel Richie oder Zucchero am Klavier, wenn diese für kurze TV-Auftritte eine Piano-Begleitung benötigen. Etliche Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sie auch mit den "Toten Hosen" absolviert. "Das hat riesigen Spaß gemacht. Die Jungs sind schwer in Ordnung. Wer zur Familie gehört, ist nicht mehr allein", sagt sie.
In Meerbusch hat sie für sich noch ein weiteres Netzwerk gefunden. Sie ist Mitglied bei dem noch jungen Soroptimist-Club. "Dort habe ich viele tolle Frauen getroffen", sagt Esther Kim. "Sehr unterschiedliche und gerade deshalb interessante." Der Kontakt sei über Ruth Herzog (aktuelle Präsidentin des neuen Clubs) entstanden. "Ich habe ihren Kindern Klavierunterricht geben", sagt Esther Kim, der das Unterrichten viel Freude bereitet. "Es macht Spaß zu sehen, welche Fortschritte Kinder machen", findet sie. "So bekommt man immer etwas zurück."
Ihr größter Wunsch ist es, einmal Jazz zu unterrichten.
"In meiner alten Heimat ist diese Musikrichtung noch nicht so sehr in Mode", weiß sie. Ein Grund mehr, diese dort zu etablieren. "Doch so weit bin ich noch nicht", sagt Esther Kim. Im nächsten Jahr möchte sie erst noch mit den "Toten Hosen" das 30-jährige Bestehen der Band feiern.
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