Meerbusch: Polizei befreit Bussarde
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2009Düsseldorf (RPO). Büdericher erstattet Anzeige. Kreisveterinäramt bittet um Amtshilfe. Chefermittler des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums verfolgt die Vorgänge in Meerbusch mit Interesse.
Thomas Nachtigal lässt nicht locker. Der Büdericher drängte zuletzt die Behörden, zahlreiche Verstöße gegen die Jagdvorschriften in Meerbusch zur Kenntnis zu nehmen und zu verfolgen (RP berichtete exklusiv). Inzwischen hat er prominente Unterstützung bekommen. Jürgen Hinzmann, Leiter der Stabsstelle Umweltkriminalität im nordrhein-westfälischen Ministerium in Düsseldorf, interessierte sich gestern für die Beschlagnahme von zwei Bussarden, die rechtswidrig in einem Verschlag an der Stadtgrenze Büderich und Neuss gefangen gehalten worden waren.
"Das Kreisveterinäramt hat die Tiere in einer Aktion gestern kurz nach Mittag befreit", bestätigte Hans-Willi Arnold, Sprecher der Kreispolizeibehörde, der Rheinischen Post. Der Verantwortliche habe gegen das Tierschutzgesetz verstoßen und eine Straftat begangen, erklärte er. Der Verursacher sei noch unbekannt. Die Beamten seien ihm aber auf der Spur. Bei dem Nutzer der Holzhütte, in der auch Ampullen mit Medikamenten zu finden waren, handelt es sich um den Untermieter des Grundstückspächters. "Für uns ist ein solcher Fall auch nicht alltäglich", räumte Arnold ein.
Mäusebussard
Der Mäusebussard gilt als nicht gefährdet. Er unterliegt in Deutschland dem Jagdrecht, hat aber eine ganzjährige Schonzeit gemäß EU-Vogelschutzrichtlinie. Abschüsse und Nachstellung kommen besonders in Durchzugs- und Überwinterungsgebieten vor.
Nachdem der 37-jährige Büdericher den Fall angezeigt hatte, war zunächst nicht direkt klar, wer sich für die Sicherstellung der Beweise und das Befreien der geschwächten Tiere zuständig fühlt. Die Zuständigkeiten wurden – so scheint es – hin und her geschoben. "Ich glaube, die haben nicht begriffen, dass Bussarde keine Kanarienvögel sind", meint Nachtigal. Das Kreisveterinäramt habe die Polizei letztlich um Amtshilfe gebeten, informierte Arnold.
Nachtigal hatte die gesetzeswidrig eingesperrten Greifvögel bei einem Spaziergang mit seinen Hunden entdeckt. "Ich habe bemerkt, dass die Bussarde panisch flatterten", berichtet er. Anschließend sei er über den Zaun gestiegen und habe die Tiere zur Dokumentation durch ein Gitter hindurch fotografiert. In der Polizeiwache sei ihm dann zunächst mal ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch in Aussicht gestellt worden. Nachtigal erzählt, dass auf der 200 Quadratmeter großen Fläche auch Hühner und Tauben gehalten würden. Einen Frischwasseranschluss und Strom gebe es dort nicht.
Nachtigals Aufmerksamkeit in Tierschutzfragen findet nicht nur in der Bevölkerung Anerkennung. Wilhelm Deitermann, Sprecher des Umweltministeriums, sagte gestern: "Solche Aktivitäten fördern das Bewusstsein für den Tierschutz, und das ist gut so und in unserem Sinne." Die Vorfälle in Meerbusch seien in Düsseldorf bekannt, und sicherlich werde Jürgen Hinzmann sich von den Behörden informieren lassen.
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