Meerbusch: Potenziale nutzen
VON HEIKE SCHOOG - zuletzt aktualisiert: 22.01.2011Düsseldorf (RPO). Jella Benner-Heinacher ist 50 Jahre alt. Ihr Büro liegt in der fünften Etage eines Geschäftshauses direkt am Düsseldorfer Flughafen. Von dort vertritt sie als Geschäftsführerin des DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) die Interessen von Kleinaktionären.
Außerdem ist sie Präsidentin der Euroshareholder in Brüssel und London. "Ich wollte schon immer gern ins Ausland", sagt die 50-jährige Juristin, die in Bochum geboren ist und über Hamburg, Berlin und Washington DC nach Düsseldorf gelangt und schließlich in Meerbusch gelandet ist. "Meinen Mann habe ich in San Diego kennengelernt", sagt Benner-Heinacher.
In der Aktienwelt ist die Mutter eines Sohnes eher eine Exotin. "Die Finanzindustrie ist noch immer stark von Männern dominiert", weiß sie. Diese verfügen über eine völlig andere Art der Selbstvermarktung: Power-Point hier, Vorträge da und sehr viel Selbstlob, hat sie erfahren. Glücklicherweise hatte Benner-Heinacher einen prominenten Förderer.
DSW
DSW Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz Gegründet im Jahr 1947 Präsident Dr. Eckhart John von Freyend Sitz Düsseldorf Landesverbände acht Ziel Setzt sich für private Anleger gegenüber Aktiengesellschaften und Banken ein
"Otto Graf Lambsdorff hat mich einmal zur Seite genommen und mich ermuntert, es den männlichen Kollegen gleichzutun", erinnert sie sich. Und Benner-Heinacher griff zum Beamer, hielt Vorträge und machte sich bekannt. Dass sie als Juristin im Aktiengeschäft gelandet ist, sei eher Zufall. Doch der kam ihr entgegen, zumal die Aufgaben mit vielen Auslandsaufenthalten verbundenen sind.
In ihrer Arbeitswelt helfen Frauennetzwerke noch nicht. "Die könnte die nächste Generation möglicherweise für sich einsetzen." Dennoch hat sich die Juristin, die Ende der achtziger Jahre mit ihrem Mann von Oberkassel nach Meerbusch gezogen ist, dort dem international tätigen Frauennetzwerk Soroptimist angeschlossen. "Dort treffen sich interessante Frauen", sagt die Büdericherin. "Ich habe andere, spannende Welten kennengelernt", berichtet sie. Vor allem die kreativen Frauen haben sie beeindruckt.
"Ich selbst bin sehr analytisch ausgerichtet", beschreibt sie sich. Besonders schätzt sie, dass es bei Soroptimist nicht beim Kaffeeklatsch bleibt, sondern professionell an den Zielen der Organisation gearbeitet wird. Wir wollen etwas für die Jugend tun, Mentoring-Programme sind geplant. Dazu kann jede Frau etwas beitragen", schätzt sie das Engagement. "Wir können damit Vorbildfunktion übernehmen." Wie wichtig Vorbilder sind, hat sie selbst erfahren. "Mein Vater ist früh gestorben. Und meine Mutter hat mir immer wieder eingeprägt, wie wichtig es ist, auf eigenen Füßen zu stehen", berichtet sie. Das hat sie mit ihrer zielstrebigen Art umgesetzt.
Sehr schade findet sie es deshalb, wenn Menschen ihre Potenziale nicht nutzen.
In Meerbusch fühlt sie sich zuhause. "Die rheinische Mentalität macht es mir als Zugezogener leicht", findet sie. Und für Familien sei die Infrastruktur in Meerbusch ideal.
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