Meerbusch: Protest gegen "Erwin-Brücke"
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 15.01.2009Düsseldorf (RPO). Gegen die von Verkehrsminister Wittke initiierte Benennung der Flughafenbrücke nach dem verstorbenen Düsseldorfer OB regt sich breiter Widerstand in Meerbusch. Demnächst kommt das Thema in den Hauptausschuss.
"Streitet Euch nicht um eine Straße oder eine Hausnummer für mich". Der letzte Wunsch von Joachim Erwin wird sich nicht erfüllen. Mit der Entscheidung, die Flughafenbrücke nach dem verstorbenen Düsseldorfer Oberbürgermeister zu benennen, hat Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) nicht nur SPD, FDP und Grüne, sondern auch weite Teile der Meerbuscher Bevölkerung gegen sich aufgebracht.
Beim "Heißen Draht" der Rheinischen Post klingelten gestern stundenlang die Telefone. Mehr als 60 Anrufe und Mails gingen ein. Die Ablehnung des neuen Namens durch die Bürger war fast einhellig, die Wut auf den Minister groß. Die Mehrheit der Anrufer würde schon eine Umbenennung der Rheinquerung begrüßen: in "Niederrheinbrücke", wie es 2002 eine Mehrheit gefordert hatte.
Thema im Ausschuss
Anträge FDP und Grüne haben im Hauptausschuss Anträge gegen die "Joachim-Erwin-Brücke" eingereicht.
Termin Die öffentliche Sitzung, bei der das Thema diskutiert wird, findet am Donnerstag, 29. Januar, 17 Uhr im Sitzungsraum, Dr.-Franz-Schütz-Platz, erster Stock, in Büderich statt.
Hans-Ulrich Dischner (Lank-Latum) wirft dem Minister "Handeln nach Gutsherrenart" vor. Nach Erwin sollte besser eine Straße oder ein Platz in Düsseldorf benannt werden. Genug Raum sei ja in der Landeshauptstadt vorhanden, sekundiert Margret Göttel aus Büderich. Karl Miegel aus Strümp schlägt vor, doch gleich die neuen Düsseldorf-Arkaden in Bilk nach Erwin zu bennen.
"Man muss auch an Ortsfremde denken, denen der Name ,Erwin-Brücke' überhaupt nichts sagen würde", meinen Annette Koustas aus Köln und Helma Schnorbusch aus Osterath. Sunnhild Schulz (Ilverich) forderte, dass Brücken nur nach Personen mit "überregionaler Bedeutung" benannt würden. Ansonsten wäre sie für Niederrheinbrücke. Karin Köhler (Büderich) und Selma Winkes (Lank) erinnerten an die Kosten, die durch neue Straßenkarten und Schilder entstehen würden. Reiner Platz (Lank) wünscht sich eine "neutrale Bezeichnung". Ruth Zimmer (Osterath) findet es gar nicht gut, dass das Thema bereits wenige Monate nach Erwins Tod (Mai 2008) diskutiert wird. Gerda Langner aus Lank weist darauf hin, dass die Meerbuscher sich doch inzwischen an den ungeliebten Namen Flughafenbrücke gewöhnt hätten. Ulrich Coers schlug vor, den Spieß umzudrehen und einfach eine Benennung in "Meerbuschbrücke" zu verlangen.
Viele Anrufer forderten die Düsseldorfer auf, den toten OB doch besser durch Neubenennung der innerstädtisch gelegenen Knie- oder Oberkasseler Brücke zu verewigen.
Hans Faßbender (Strümp) hat sich mit seiner Kritik bereits schriftlich an das Bundesverkehrsministerium gewandt und bekam immerhin am 8. Januar die Auskunft: "Eine Entscheidung über die Umbenennung ist noch nicht gefallen".
Henning Pattenberg (Strümp) sieht den neuen Namen dagegen positiv: OB Erwin habe gezeigt, "wie man sparsam verwaltet und dennoch etwas schafft". Unterstützung bekommt Minister Wittke auch von Landrat Dieter Patt (CDU), der eine "Joachim-Erwin-Brücke" begrüßen würde.
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