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Meerbusch: Provokation mit Priestern

VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 08.05.2010

Düsseldorf (RPO). Die Stadt stellt ab morgen Arbeiten des Meisterschülers Arandus in Lank-Latum in der Mühle aus: Seine künstlerischen Themen sind Machtmissbrauch und Doppelmoral in Kirche und Gesellschaft.

Machtmissbrauch und Doppelmoral in Kirche und Gesellschaft, das sind die Themen, die den Künstler Arandus beschäftigen. Seine Schwerpunkte sind nicht der Aktualität geschuldet, der in Montenegro geborene 46-Jährige hat seine Serien mit Priestermotiven und Finanzkrise schon vor rund zehn Jahren begonnen und bis in die Gegenwart erweitert. "Wir gehen das Risiko ein und rechnen auch damit, Kritik zu ernten. An den künstlerischen Arbeiten kann man sich reiben, und das wollen wir auch", sagte Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westerlage gestern beim Rundgang durch die Teloy-Mühle in Lank-Latum an der Kemperallee. Als die Stadt Arandus zu Beginn des Jahres 2009 für eine Ausstellung verpflichtet hat, seien die Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester noch nicht in dem Maße öffentlich gewesen wie jetzt, berichtet Mielke-Westerlage.

Arandus sieht die Dinge entspannt, betrachtet das Spannungsfeld wenig emotional und vom intellektuellen Standpunkt aus. Dazu hat er seine eigene Bildsprache entwickelt. Dunkle Sonnenbrillen machen die Gehirne von Priestern und Bänkern gleichermaßen zur Blackbox, in der alle Informationen zu finden seien. Doch wer kann schon in die Köpfe der Menschen hineinsehen und das Material auswerten, um Erklärungen für deren Handeln zu finden? "Die Sonnenbrillen sind für mich auch ein Symbol des Versteckens", sagt Arandus, der an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Professor Michael Buthe als Meisterschüler abschloss. Seine Intention bestehe unter anderem darin, Fassaden einzureißen, hinter die Kulissen zu schauen und dem Betrachter eine Perspektive anzubieten. Dabei sind die Arbeiten allerdings nicht so offen, wie es der Künstler selbst vorgibt. Die Priester sind durch Mimik und dunkle Sonnenbrillengläser stigmatisiert. Hier schaut den Betrachter kein freundlicher Hirte an, entsteht kein Gefühl der Herzenswärme. Die Bilder sind eine Anklage und treffen damit den Zeitgeist. Aufmerksamkeit garantiert.

Davon profitiert Arandus auch bei seiner "Kopfgeldserie". Auf Geldsäcken der Landeszentralbank als Medium beschäftigt sich der 46-Jährige nach dem gleichen Muster mit der Erotik des Geldes, mit Verführbarkeit und sexueller Ausbeutung. "Solche Themen verfolgen mich", gesteht Arandus. Und sie animieren das Publikum "zu reden", ergänzt er.

Für die Ausstellung in der Mühle hat er einige ganz neue Bilder geschaffen. "Ich habe wieder Hunger auf Farbe", beschreibt Arandus den Unterschied zu älteren Bildern. Farbreduktion fördere das Nachdenken, meint der Künstler, Farbe sorge für Emotionen. Letztere sind schon wegen des Themas gewiss. "Ich habe die Arbeiten schon in Kirchen und Klöstern gezeigt, ohne dass daran Anstoß genommen worden wäre", berichtet der Meisterschüler versöhnlich.

Quelle: RP

 
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