Meerbusch: Regen-Loch in den Kassen
VON CHRISTOPH BAUMEISTER - zuletzt aktualisiert: 05.07.2007Düsseldorf (RPO). Bislang fiel der Sommer buchstäblich ins Wasser. Die Auswirkungen bekommen vor allem Gastwirte, Bauern und Getränkehändler zu spüren. Die RP fragte nach.
Der Frühling begann mit dem sonnigen April so schön. Doch bereits im Mai ging‘s mit den Temperaturen abwärts. Der Juni brachte laut meteorologischer Statistik doppelt so viel Regen wie üblich – und auch der Juli präsentiert sich bislang grau in grau. Während sich die Daheimgebliebenen über das schlechte Wetter ärgern, stellt das momentane Klima für manche Berufsgruppen ein echtes Problem dar:
„Wir haben im Mai und Juni rund 140.000 Euro Minus gemacht“, stöhnt Marcus Weniger, Inhaber des Bösinger Hofs. Bei schönem Wetter tummeln sich in der Regel unter der Woche etwa 400, am Wochenende bis zu 1000 Menschen in dem Biergarten. Seit Wochen ist er wie leer gefegt. „Zum Glück habe ich mir mit dem Route 66 ein zweites Standbein aufgebaut, sonst hätte ich den Außenbereich längst schließen müssen“, sagt der 41-Jährige.
Bauern-Regeln
- Muß im Juli man nicht schwitzen, tut die Jahresplag nichts nützen.
- Was der Juli verbricht, rettet der September nicht.
- Ein tüchtiges Juligewitter ist gut für Winzer und Schnitter
- Auf einen nassen Sommer fürwahr, folgt Teuerung im nächsten Jahr.
Auch im Langster Fährhaus sind die Auswirkungen des reichen Regens zu spüren. „Tagsüber ist es deutlich ruhiger, von den Umsätzen des letzten Jahres sind wir weit entfernt“, sagt Inhaber Clemens Lutz. Er habe jedoch das Gefühl, dass sich viele für den Urlaub im Land entschieden haben. „Da ihnen scheinbar bei dem Wetter langweilig ist, gehen sie abends essen.“
Heinz Davids, Landwirt aus Lank-Latum, besitzt einen Futterbau-Betrieb mit mehr als 90 Milchkühen. „Die Tiere sind stinksauer, weil sie seit Wochen nur sporadisch auf die Weide können. Aber bei der nass-kalten Witterung ist es für ihre Gesundheit einfach besser, sie im Stall zu lassen. Leider kann ich ja keinen riesigen Regenschirm über den Acker spannen“, sagt der 40-Jährige mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Neben den missgestimmten Kühen bereitet ihm auch die Getreideernte Sorge. „Die Gerste ist seit über einem Monat fällig. Einige Ähren brechen schon ab. Aber wir müssen warten, bis es trocken ist“, erklärt Davids. Berufsgenosse Andreas Hoppe aus Osterath, der auf seinen Feldern Getreide und Kartoffeln anbaut, pflichtet ihm bei: „Man wird derzeit vom Wetter stark ausgebremst. Das Heu können wir nur noch entsorgen. Für die Hafer- und Gerstenernte bräuchten wir mal ein bis zwei Tage Trockenheit.“
2007 ist ein Albtraum
Von den heißen Temperaturen im Juni und Juli des vergangenen Jahres profitieren insbesondere die Getränkehändler. Sie machten während der Fußball-WM ein dickes Plus. In diesem Sommer nun das genaue Gegenteil. „2006 war traumhaft, 2007 ist bisher ein Albtraum. Wir machen etwa 30 Prozent weniger Umsatz als sonst“, erzählt Gerd Liebisch vom gleichnamigen Getränke-Betrieb in Lank-Latum. Vor allem Wasser und Fassbier gingen äußerst schlecht. Ins gleiche Horn stößt sein Kollege Wolfgang Better, Geschäftsführer bei Trink & Co in Osterath: „Bislang ist es sehr mau. In unseren Märkten ist der Umsatz bis zu 20 Prozent geringer. Limo, Wasser, Apfelschorle werden eben wesentlich mehr getrunken, wenn es heiß ist. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, rechne mit einem schönen August.“
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