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Meerbusch: Roma-Lager: Stadt setzt Frist

VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 29.08.2012
Mit Polizeiunterstützung rückte das Ordnungsamt gestern Mittag am Park- und Ride-Platz Haus Meer an. Auf etwa einem Drittel der Parkplatzfläche stehen Campingmobile der Roma-Familien.  Foto:  Jan Popp-Sewing
Mit Polizeiunterstützung rückte das Ordnungsamt gestern Mittag am Park- und Ride-Platz Haus Meer an. Auf etwa einem Drittel der Parkplatzfläche stehen Campingmobile der Roma-Familien. Foto: Jan Popp-Sewing

Meerbusch (RP). Eine Gruppe Sinti und Roma mit 15 Wohnmobilen hat ein Drittel des Park & Ride-Platzes Haus Meer mit Beschlag belegt. Das Ordnungsamt setzte ihnen eine 48-Stunden-Frist, um weiter zu ziehen. Sie endet morgen Mittag.

Unterstützt von mehreren Streifenwagen-Besatzungen ist das städtische Ordnungsamt gestern Mittag bei einem Roma-Lager vorgefahren, das sich seit dem Wochenende auf dem Park- & Ride-Platz Haus Meer in Büderich befindet. Heiko Bechert, städtischer Fachbereichleiter Sicherheit und Ordnung, redete mit dem Familienoberhaupt der Roma und setzte eine Frist zum Abzug.

"Bis Donnerstag Mittag sollen die Familien den Platz geräumt haben und ihn gereinigt zurücklassen", sagt Stadtsprecher Michael Gorgs auf RP-Anfrage. Die Atmosphäre des Gesprächs beschreibt Gorgs als entspannt. Eigentlich habe der Familienchef noch ein paar Tage länger bleiben wollen, der Lösung dann aber bereitwillig zugestimmt. Die Stadt kündigte an, morgen Mittag nachzusehen, ob sich die Familien an die Abmachung gehalten haben.

Info

Sinti und Roma

Roma leben vor allem in Südosteuropa und einigen mitteleuropäischen Staaten, sowie in Spanien und Frankreich.

Während der NS-Zeit war die Minderheit schweren Verfolgungen ausgesetzt.

Zurzeit haben die Roma rund ein Drittel des Parkplatzes durch ihre etwa 15 in weitem Abstand voneinander abgestellten Camper und die Oberklasse-Zugfahrzeuge mit Beschlag belegt. Dazwischen haben die Familien Camping-Tische und -Stühle aufgestellt und genießen das Spätsommerwetter.

Nach RP-Informationen sind die Familien bereits seit einigen Tagen in Büderich. Zuvor machten sie auf einer Schotterfläche bei Haus Meer Station, die sie besenrein hinterließen.

"Unerlaubte Sondernutzung"

Rechtlich hätte die Stadt die Roma gestern auch zur sofortigen Räumung des Platzes auffordern können. Denn Campen auf dem Pendler-Parkplatz gilt als "unerlaubte Sondernutzung", erläutert Stadtsprecher Gorgs. Man habe jedoch bewusst deeskalierend wirken wollen und zunächst das Gespräch gesucht. Zudem seien trotz der parkenden Campingwagen noch genug Parkplätze für Pendler vorhanden, so dass kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Die Roma gaben an, auch gar nicht sofort weiterziehen zu können, da gerade ein Auto in der Werkstatt sei.

Der Büdericher Parkplatz ist nicht für Übernachtungsgäste ausgelegt. Es gibt weder Toiletten noch Wasser- oder Stromanschlüsse oder größere Abfallbehälter. Die nächsten Supermärkte befinden sich im Ortskern von Büderich oder in Strümp. Die Roma nannten gegenüber der Stadt Berlin als ihr nächstes Reiseziel. Dort finde ein Treffen statt, an dem sie teilnehmen wollten.

Büdericher erinnern sich, dass die Roma bereits im vergangenen Jahr einige Tage lang auf dem Platz Station gemacht haben. Beschwerden darüber wurden nicht bekannt.

In einer der städtischen "Schlichtwohnungen" wohnt eine Roma-Familie, die seit Jahren von einer sozialpädagogischen Fachkraft begleitet wird.

Quelle: RP/rl/jco


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