Meerbusch: Rosthals Weg zur Kunst
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 04.02.2010Düsseldorf (RPO). Helga und Karl-Heinz Rosthal betreiben in Büderich seit 1973 ein Auktionshaus. Die Leidenschaft entflammte bei einem Urlaub in Worpswede. Die beiden fühlen sich in Meerbusch sehr wohl und engagieren sich für ihre Stadt.
Als Helga Rosthal mit drei Kindern, zwei Pferden, einem Hund und einem Mann von Flingern nach Büderich in die alte Mühle an die Kanzlei zog, ahnte sie noch nicht, dass sie sich einmal der Kunst verschreiben würde. "Wir haben uns baulich ausgetobt und ein Schlösschen gebaut", erzählt die überzeugte Meerbuscherin. Seit 1973 betreibt sie dort mit ihrem Mann Karl-Heinz ein Auktionshaus. Dabei kommen beide beruflich aus der Industrie. Helga Rosthal war 24 Jahre bei Rheinstahl in Essen als Kauffrau beschäftigt, und ihr Mann in der Mineralölbranche tätig.
Die Leidenschaft für Kunst entflammte, als das Ehepaar sich von Baustelle, Kindern und Arbeit in Worpswede bei einem Urlaub erholen wollte. Dort lernten sie Christian Modersohn kennen und schätzen. Der Sohn des Gründers der Künstlerkolonie Worpswede, Otto Modersohn, imponierte mit seinen Landschaftsaquarellen. "Wir haben die Bilder gekauft und in Büderich sofort eine Galerie eröffnet", erzählt Helga Rosthal. Im heutigen Kopierstudio Krabbe zeigt die umtriebige Geschäftsfrau die Werke. "Eine Offenbarung", schwärmt sie noch heute.
Nachdem ihr immer mehr Nachlässe und Einlieferungen von Künstlern und Privatleuten angeboten wurden, eröffnete das Ehepaar sein Auktionshaus für Antiquitäten, Schmuck, Möbel und Kunst und vieles mehr. Das notwendige Wissen haben sie sich Schritt für Schritt angeeignet. Inzwischen umfasst ihre Fachbibliothek mehr als 3000 Bände. "Damals konnte man noch nicht so einfach im Internet recherchieren", sagt Helga Rosthal. Mit englischem Silberschmuck in der Tasche machte sie sich damals schon einmal nach Düsseldorf auf, um sich von der promovierten Kunsthistorikerin Irene Markowitz beraten zu lassen. Die Expertin aus Kunst- und später Stadtmuseum, langjährige Kustodin am Schloss Benrath wusste was die so genannten Punzen (Stempel auf Gold oder Silber) bedeuteten. "Da macht es Sinn, ein kleines Büchlein in der Tasche zu haben, denn merken kann man sich das alles nicht", sagt Helga Rosthal bescheiden und beweist sofort das Gegenteil, in dem sie auf die Bedeutung unterschiedlicher Punzenmotive hinweist.
Die Büdericherin ist überzeugte Meerbuscherin. Nachdem der Verfassungsgerichtshof in Münster in den 70er Jahren die Auflösung der noch jungen Stadt für rechtsunwirksam erklärt hatte, jubelte sie gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Ernst Handschumacher auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz über den Erhalt Meerbuschs. Helga Rosthal nimmt ihre Verantwortung für die Kommune immer noch ernst. Sie mischt sich ein. Nach 40 Jahren CDU-Zugehörigkeit nicht unbedingt zur Freude ihrer Partei. Die Büdericherin war im vergangenen Jahr der Motor des Bürgerbegehrens gegen das Fällen der Platanen an der Moerser Straße. "Ich habe unsere Hilfskräfte mit 4000 Unterschriftenlisten losgeschickt", erzählt sie. Nun – die Platanen blieben stehen.
"Wir benötigen so etwas wie Dorfsheriffs für alle Stadtteile", sagt sie. Personen, die die Entwicklung beobachten und gegebenenfalls zum Protest aufrufen.
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