Meerbusch: Sicherungstechnik als Chance
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 23.10.2010Düsseldorf (RPO). Angesichts hoher Einbruchszahlen steigt auch das Interesse an zusätzlicher Sicherheit für Türen und Fenster. Die Schreinerei Klinkhammer hat reagiert und sich als "Fachbetrieb für Gebäudesicherheit" zertifizieren lassen.
Das wohlhabende Meerbusch wird bei Einbrechern immer beliebter. Seit 2006 (81 Einbrüche und Einbruchsversuche) steigt die Zahl der Delikte kontinuierlich an. Im vergangenen Jahr musste die Polizei bereits zu 209 Tatorten ausrücken. Für örtliche Firmen liegt in dieser Entwicklung auch eine Chance – denn das Interesse der Bürger, ihre Häuser zusätzlich zu sichern, ist hoch.
Der Einbau verstärkter Türen und spezieller Schlösser durch den Betrieb von Schreinermeister Lutz Klinkhammer ist seit dem Start des Unternehmens vor 20 Jahren Alltag. Nun hat der 46-Jährige in einem Seminar kurzzeitig "die Seite gewechselt" und unter Anleitung von Experten von Kripo und Tischler-Fachverband selbst ausprobieren können, wie Einbrecher konventionelle Türen und Fenster in Windeseile aufbrechen.
Einbrecher sind ungeduldig
Der Büdericher lernte dabei, dass Einbrecher ungeduldige Gesellen sind. Wenn sie es nicht schaffen, eine Tür oder ein Fenster innerhalb von drei Minuten zu öffnen, suchen Kriminelle meist das Weite. Zu groß ist die Gefahr beim verdächtigen Hantieren am fremden Haus gesehen zu werden. Das ist zumindest ein Erfahrungswert der Polizei. Am liebsten nutzen Täter dazu einen einfachen Schraubendreher. Dieser erregt wesentlich weniger Aufsehen und ist einfacher mitzuführen als ein schweres Stemmeisen.
Ziel des dreitägigen Seminars war, die Arbeitsweise von Einbrechern zu verstehen, um Kunden anschließend besser beim Einbau von Sicherungen an Fenstern und Türen beraten zu können. Bei von Kriminellen erreichbaren Fenstern rät Klinkhammer beispielsweise zum Einbau einer so genannter Pilzkopf-Verriegelung. Diese verhindert, dass das geschlossene Fenster einfach aufgehebelt werden kann: "Profis können ein ungesichertes Fenster in sechs bis zehn Sekunden öffnen", so Klinkhammer. Da in Meerbusch viele Terrassentüren und Erdgeschossfenster mittlerweile extra gesichert seien, würden Langfinger inzwischen vermehrt Kletterkünste beweisen und sich auf ungesicherte Fenster im ersten Stock konzentrieren, gibt der Schreiner eine Erfahrung der Polizei wieder.
Nach der Schulung darf die Firma nun das Siegel "Fachbetrieb für Gebäudesicherheit" des NRW-Tischler-Fachverbands führen.
Damit kann sich das Unternehmen auch für die Aufnahme in die so genannte "Errichterliste für mechanische Sicherungseinrichtungen" der Polizei bewerben. In dieser sind Firmen aufgeführt, die einen speziellen Kriterienkatalog der Behörden erfüllen (Zertifizierung, fachgerechte Beratung, Einbau geprüfter Produkte durch eigene Fachkräfte, etc.). Aus Meerbusch ist bislang lediglich die Schreinerei Scholz aus Lank-Latum auf dieser Liste vertreten.
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