Meerbusch: „Stadtrat macht alte Politik“
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 12.02.2008Düsseldorf (RPO). Grüne schlagen die Bildung eines Kinder- und Jugendparlaments vor und stoßen mit der Idee auf Wohlwollen. Die meisten Kommunalpolitiker glauben, die Bedürfnisse der Schülergeneration zu kennen.
ist mit dem Durchschnittsalter seiner Einwohner von 44,6 Jahren eine der „ältesten Städte“ in Nordrhein-Westfalen. Noch älter sind allerdings die Bürger, die im Kommunalparlament die Politik in Meerbusch bestimmen. Die Ratsmitglieder sind im Mittel 51,6 Jahre alt. Machen diese Bürgervertreter auch alte Politik?
„Das kann man eindeutig mit Ja beantworten“, sagt Jürgen Peters, Fraktionschef der Grünen. Er und seine Mitstreiter fordern deshalb die Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlaments. Heinz Ruyter, ebenfalls von den Grünen, schlägt in die gleiche Kerbe und nennt ein Beispiel. „Einige Kollegen glauben, mit dem Aufstellen einer Hinweistafel im Wald ist das Thema Umwelterziehung erledigt.“ Mit solchen „althergebrachten Vorstellungen“ ließen sich Kinder und Jugendliche allerdings nicht erreichen. Juso-Vorsitzender Marius Luciano meint, zahlreiche Ratsmitglieder verträten vornehmlich in der Jugend- und Schulpolitik „prähistorische Ansichten“. Sarah Stockmann (Grüne) nennt es „ältere Politik“, Themen für junge Leute lägen für viele nicht auf der Hand. Es gebe einen Seniorenbeauftragten, aber keinen Jugendbeauftragten. „Das sagt doch einiges aus.“
Durchschnittsalter
Sarah Stockmann (24) ist das jüngste Ratsmitglied in der im Mittel jüngsten Ratsfraktion Die Grünen (40). Im Durchschnitt sind die SPD-Bürgervertreter 55,1, die FDP 53,3 und die CDU 52,6 Jahre alt. Der gesamte Rat ist im Mittel 51,6 Jahre alt. Die Alterspräsidentin ist Inge Fremerey (70) von der FDP.
Offene Ohren
Offene Ohren finden die Grünen auch in den Reihen von FDP, SPD und CDU. Nur ist der Ansatz dort ein anderer. Werner Damblon (CDU) räumt zwar ein, dass „Rentner natürlich andere Prioritäten setzen als Jugendliche“, glaubt aber dennoch, dass die Christdemokraten die Bedürfnisse der jungen Generation kennen. „Ich habe selbst zwei Kinder im Alter von 15 und 16 Jahren. Die sagen mir unverblümt, wo der Hase langläuft“, berichtet Damblon. Lutz Lienenkämper (CDU) glaubt, „die Mitglieder im Jugendhilfeausschuss wissen wirklich, was los ist.“
So sieht es auch Ilse Niederdellmann (SPD). Als Mutter und Großmutter sei sie am „Puls der Jugend“. Die Idee, ein Kinder -und Jugendparlament einzurichten, sei eine alte Forderung der SPD. „Ich hoffe, dass sich viele Jungen und Mädchen einbringen“, sagt sie. Man müsse ihre Forderungen und Ansichten auch ernst nehmen. Allerdings hege sie leichte Zweifel am Engagement der Zielgruppe. Zu ihren Sprechstunden für Jugendliche kämen nur ganz wenige ins Fraktionsbüro nach Osterath. „Wir sollten sie eigentlich dort abholen, wo sie zu finden sind. Aber wir dürfen als Partei nicht in die Schulen“, sagt die Fraktionsvorsitzende.
Mehr als ein Feigenblatt
Gesine Wellhausen (FDP) sieht es ähnlich. Solche Jugendräte seien in anderen Kommunen wegen des geringen Interesses gescheitert. Vielleicht müsse man neue Wege finden, die Schülergeneration einzubeziehen. „Aber die Zielsetzung eines Kinder- und Jugendparlaments finde ich gut“, sagt sie. Einig sind sie sich in allen Fraktionen, wenn eine solche Form der Mitbestimmung eingerichtet werden soll, dann müsse sie mehr als die Rolle eines „Feigenblatts“ übernehmen. Darauf müssten sich die Damen und Herren im Stadtrat dann ernsthaft einlassen.
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