Meerbusch: Standort für Kraftwerk gesucht
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 28.03.2009Düsseldorf (RPO). Probebohrungen bis in eine Tiefe von 5000 Metern sollen die optimale Stelle für eine Anlage zur Nutzung der Erdwärme ermitteln. Der Stadtrat lehnt solche risikobehafteten Untersuchungen in Meerbusch ab.
Geothermie
Die Geothermie oder Erdwärme ist die im zugänglichen Teil der Erdkruste gespeicherte Wärme. Sie zählt zu den regenerativen Energien.
Sie kann sowohl direkt genutzt werden, etwa zum Heizen und Kühlen im Wärmemarkt (Wärmepumpenheizung), als auch zur Erzeugung von elektrischem Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung.
Fast ganz Meerbusch wäre betroffen und die unerforschten Risiken nicht komplett absehbar, erklärte Umweltexperte Heiko Bechert im Rat der Stadt. Die Bergbaubehörde will für die kommenden drei Jahre ein Monopol an den Krefelder Wolfgang Hoever vergeben, in einem 357 Quadratkilometer (Meerbusch ist 64 km2 groß) großen Areal rund 5000 Meter tiefe Probebohrungen durchführen zu dürfen, um einen geeigneten Standort für mindestens ein 20-Megawatt-Kraftwerk zu finden. "Es geht um ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von 40 bis 60 Millionen Euro", sagt Hoever gestern im RP-Gespräch. Für ihn ist die Anhörung der Stadt Meerbusch eher eine Formsache.
Gegen die Stimmen der Grünen votierte der Stadtrat dafür, Meerbusch aus dem Untersuchungsgebiet Duisburg, Krefeld, Tönisvorst, Kempen und Willich herauszunehmen. Anderfalls fordert Meerbusch schon jetzt die Vorlage einer Risikoabschätzung und ein Beweissicherungsverfahren, um möglich Schadensersatzansprüche geltend machen zu können.
Zum Vorhaben: In rund 5000 Tiefe herrscht eine Temperatur von 200 Grad Celsius. Diese Geothermie gilt als Bodenschatz für dessen Nutzbarmachung die Bezirksregierung Arnsberg nach dem Bundesberggesetz Genehmigungen erteilt. Die Stadt Meerbusch war aufgefordert, ihre Position bis gestern deutlich zu machen. Eine Erlaubnis ist nur dann zu versagen, wenn überwiegend öffentlich Interessen dagegen sprechen. Davon geht der Antragsteller Wolfgang Hoever nicht aus. Hoever ist geschäftsführender Gesellschafter der Reha Krefeld GmbH und Vorstand der inoges AG (Gesellschaft für Innovation im Gesundheitswesen).
Von dem Monopol zur gewerblichen Nutzung sind die kleinen privaten Nutzer der Erdwärme in bis zu 100 Meter Tiefe nicht betroffen. Neben der aus ökologischer Sicht sinnvollen Nutzung der Erdwärme brächten die Bohrungen in bis zu 5000 Meter Tiefe auch Risiken mit, erklärte Bechert. Er verwies auf erhebliche Schäden in Kleinhüningen bei Basel und in Staufen im Breisgau. Das Online-Magazin "Der Spiegel" titelte einen Bericht über 140 beschädigte Häuser in der Altstadt mit "Eine Stadt zerreißt". "In allen Fällen war die Ursache nicht eindeutig zuzuordnen, so dass nicht klar war, wer die Haftung für die entstandenen Schäden übernehmen muss und dazu auch in der Lage ist", schreibt die Erste Beigeordnete Angelika Mielke-Westerlage in einer Beratungsvorlage für die Ratspolitiker. Bechert ergänzte, allein die Tiefenbohrung führe zu erheblichem Lärm und Erschütterungen – und das in gut drei Monaten, sieben Tage die Woche rund um die Uhr.
Die potenziellen Standorte von Geothermiekraftwerken, so Bechert, sollten sich in der Nähe von Wohnsiedlungen befinden, um neben der erzeugten Energie auch die Wärme nutzen zu können. Die Erdwärme wird nach dem erneuerbare Energiengesetz (EEG) mit einem Festpreis pro Kilowattstunde für 20 Jahre gefördert. Anlagen, die vor dem 31. Dezember 2015 ans Netz gehen, erhalten einen Frühstarterbonus.
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