Meerbusch: Stars der "Jewrovision"
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 16.02.2009Düsseldorf (RPO). Am Samstag fand auf dem Böhler-Gelände in Büderich die größte jüdische Jugendveranstaltung der Bundesrepublik Deutschland statt. 750 Kinder und Jugendliche feierten mit.
Wer macht das Rennen: Köln oder München? Als die letzten zwölf Punkte vergeben werden, kocht der Saal. 750 Kinder und Jugendliche jubeln, pfeifen, kreischen und schwenken Fahnen. Niemanden hält es mehr auf den Sitzen. Mit 139 Punkten gewinnt der Auftritt des Kölner Jugendzentrums Jachad die Jewrovsion, sieben Punkte vor den Bayern. Die Düsseldorfer werden Vorletzte. Der Gesangs-, Tanz- und Video-Wettbewerb zwischen zehn jüdischen Jugendzentren ist mittlerweile die größte jüdische Jugendveranstaltung der Republik. Erstmals fand sie am Samstagabend in der Böhler-Halle am Wasserturm statt.
"Für die Halle haben wir uns entscheiden, weil sie nahe an der Oberkasseler Jugendherberge liegt", sagt Jugendleitern Shira Fleisher. Im vergangenen Jahr hatten die Düsseldorfer die Entscheidung in München gewonnen – unter den Augen von Juror Ralph Siegel. Das machte sie diesmal zu Gastgebern. Wie bei allen größeren jüdischen Veranstaltungen spielte auch die Sicherheitsfrage eine entscheidende Rolle. Die gewundene Zufahrt zur Halle auf dem Büdericher Böhlergelände kann gut eingesehen und abgesichert werden. Jeder Besucher musste sich ausweisen. Für die jungen Fans und Sänger kein Problem, sie sind das gewohnt. Auch hielt sich die Security betont unauffällig im Hintergrund.
Jewrovision
Motto "Jewrovision - Stars of David"
Beginn Den ersten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb gab es 2002
Teilnehmer Zurzeit zehn jüdische Jugendzentren von Hamburg und Bremen über Berlin bis München.
Gastgeber Der Gewinner ist der Gastgeber des Folgejahres. 2010 findet die Jewrovision also in Köln statt.
80 000 Euro teuer
Möglich gemacht wurde die Großveranstaltung – immerhin geht es um einen Kostenrahmen von rund 80 000 Euro – durch finanzielle Unterstützung vom Landesverband Nordrhein Nordrhein der jüdischen Gemeinden, der Düsseldorfer Gemeinde, des Zentralrats und der jüdischen Zentralwohlfahrtsstelle. Die jungen Fans und Teilnehmer, die aus ganz Deutschland mit Bussen anreisten (beispielsweise 60 Unterstützer aus Frankfurt), waren so schon mit fünf bis sechs Euro Eintritt dabei. Damit man auch von den hinteren Reihen etwas sehen konnte, wurden Bilder der Veranstaltung live auf mehrere Großleinwände über der Bühne übertragen. Organisatorin Shira Fleisher war vom Ablauf begeistert: "Unglaublich, klasse!" Auch von den Vorjahres-Gastgebern gab es dicke Komplimente: "Ihr habt München getoppt".
Ärgerlich war lediglich der mehrfache Ausfall der Soundanlage. So mussten die Kölner Darsteller ihr sorgfältig choreografiertes Tanzstück teilweise ganz ohne Musikunterstützung aufführen. Das machte aber nichts, da Jonathan Averbach und David Minkovskij nur durch Zungenschnalzen und Atmung in die dicht an die Lippen gehaltenen Mikros einen dominanten Hip-Hop-Beat vorgaben (die Technik nennt sich "Beat Boxing"). Ihr Auftritt gab wohl den Ausschlag für die vielen Top-Platzierungen ("zwölf Punkte") aus der Jury der zehn Jugendleiter, die ihr jeweils eigenes Zentrum nicht bewerten durften.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum