Meerbusch: Streit um "Erwin-Brücke"
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 14.01.2009Düsseldorf (RPO). SPD, FDP und Grüne stellen sich gegen den Plan des NRW-Verkehrsministers, die Flughafenbrücke nach dem verstorbenen Düsseldorfer Oberbürgermeister zu benennen. Sagen Sie Ihre Meinung am heißen Draht.
NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) hat sich bei der Bundesregierung das Okay geholt: Die Flughafenbrücke soll nach dem im Amt verstorbenen Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) benannt werden. Die Meerbuscher, auf deren Gelände die Brücke zur Hälfte liegt, wurden nicht gefragt.
Zwar hat die Meerbuscher Politik rechtlich keinen Einfluss auf die Benennung der A 44-Rheinquerung. Für Zündstoff sorgt die Namensgebung von oben trotzdem. Grüne und FDP haben für die nächste Sitzung des Hauptausschusses (am 29. Januar) Anträge gegen die "Erwin-Brücke" eingereicht.
Die Grünen weisen in ihrem Papier darauf hin, dass die Landeshauptstadt "auf eigenem Stadtgebiet mit Sicherheit ausreichende Möglichkeiten habe, eine angemessene Ehrung vorzunehmen". Sie verbinden ihre Ablehnung mit harscher Kritik an der CDU und dem von den Christdemokraten gewählten Zeitpunkt der Umbenennung im Wahljahr 2009.
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"Es ist unerträglich, mit welcher Selbstbedienungsmentalität hier Eigentum der Steuerzahler für politische Zwecke missbraucht werden soll", so Grünen-Vorstandsmitglied Heinz Ruyter. Die Grünen schlagen nun alternativ "Johannes-Rau-" oder "Niederrheinbrücke" vor.
FDP gegen "Eingemeindung"
FDP-Fraktionschefin Gesine Wellhausen glaubt nicht, dass Erwins Andenken damit gedient wäre, wenn die auf Meerbuscher Gebiet liegende halbe Brücke sozusagen "gedanklich eingemeindet" würde. Sie schlägt vor, besser die komplett innerhalb Düsseldorfs liegende Rheinkniebrücke nach dem Verstorbenen zu benennen.
SPD-Fraktionschefin Ilse Niederdellmann möchte Erwins Leistungen für Düsseldorf nicht schmälern. Sie betont aber, dass es nicht angehe, wenn nun "jeder Oberbürgermeister oder Kardinal eine eigene Rheinbrücke bekommt". Geeigneter wäre ihrer Meinung nach eine "Joachim-Erwin-Straße" in Düsseldorf.
Die Meerbuscher Mehrheitspartei CDU kritisiert zwar das Verfahren der Namensgebung per Ministerentscheid ohne Einbindung der örtlichen Politik. "Das hätte schöner laufen können", meinte Bürgermeister Dieter Spindler.
CDU-Fraktionschef Werner Damblon hätte mit der Diskussion um die Umbenennung lieber noch etwas gewartet. Dem Namen des verstorbenen Parteifreundes aus Düsseldorf als Brücken-Paten steht die lokale CDU aber natürlich positiv gegenüber. "Erwin hat auch viel für die Region getan", unterstrich Spindler.
Es wäre das zweite Mal, dass ein Ministerium in die Benennung der Brücke eingreift. Nachdem 2002 eine Bürgerbefragung eine Mehrheit für den Namen "Niederrheinbrücke" ergeben hatte, hatte der damalige SPD-Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig dagegen votiert und den heutigen Begriff festgelegt.
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