Meerbusch: Teures Schwimmen
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 11.02.2009Düsseldorf (RPO). Das Hallenbad hat ein Rekord-Defizit eingefahren. Zählt man das Schulschwimmen nicht mit, subventioniert die Stadt jeden Bad-Besuch mit neun Euro. Pikant: Im städtischen Controlling-Bericht tauchen diese Angaben nicht auf.
Das Defizit des Büdericher Hallenbads wird voraussichtlich deutlich steigen und zwar von 655 000 Euro im Jahr 2007 auf 696 000 Euro im vergangenen Jahr (+6,3 Prozent). 2009 wird ein ebenso hoher Verlust erwartet. Das geht aus dem Haushalt hervor. Allein die Personalkosten sind mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie die Einnahmen,
Im so genannten Controlling-Bericht zum Hallenbad, den die Verwaltung dem Sportausschuss jetzt vorlegte, taucht das Rekord-Defizit mit keinem Wort auf. Eigentlich sollte der Bericht "Einnahme- und Ausgabepositionen mit denen des Vorjahres vergleichen" – und so der Politik die Möglichkeit zu geben, abzuschätzen, wie im Bad gewirtschaftet wird – und wo die Schwächen liegen. Die eigene Ankündigung erfüllte die Vorlage jedoch nicht.
Statt dessen beschränkte sie sich darauf, der Politik einige Einzelzahlen aufzulisten: etwa Details zum Kleingeld-Umsatz von Haartrocknern (1057,40 Euro) und Solarium (1395,15 Euro). Auch die Gesamteinnahmen (141 969,17 Euro) sowie die Quartals-Verbräuche an Wasser, Gas und Strom wurden genannt (ohne deren Kosten). Die aktuellen Personalausgaben fehlten völlig.
Einnahmen/Ausgaben
Einnahmen des Bads 141 969 Euro
Demgegenüber stehen 2008 u.a.:
Personalkosten* 355 000 Euro
Instandhaltung* 165 000 Euro
Nebenkosten* 159 000 Euro
Telefon/Medien* 29 400 Euro
Beratungskosten* 5000 Euro
Gesamtausgaben* 877 321 Euro
*Schätzungen laut Haushalt 2008
"Für einen Controlling-Bericht ist das nicht ausreichend. Wie soll man anhand dieser Zahlen denn etwas kontrollieren?", kritisierte FDP-Ratsfrau Gabriele Schmidt. Aus den anderen Parteien kamen keine nennenswerten Reaktionen.
Beigeordnete Angelika Mielke- Westerlage ergänzte die Zahlensammlung noch mündlich. Nach ihren Angaben subventionierte Meerbusch jeden Badbesuch im vergangenen Jahr mit 2,92 Euro, 2007 seien es noch 2,52 Euro gewesen. Rechne man die 37 680 Schwimmbadbesuche durch die Schulen heraus, unterstütze die Stadt jeden Badbesuch sogar mit neun Euro. Weil Meerbusch den Schulsport fördern möchte, zahlen die Schulen im Hallenbad keinen Eintritt.
Eine an diesem Punkt eigentlich fällige Diskussion der Parteien über Höhe und Sinn des deutlich gestiegenen Zuschussbedarfs unterblieb – was auch daran lag, dass das vorhandene Datenmaterial dafür keine Grundlage lieferte. Die sich aufdrängende Frage, warum das Bad immer tiefere rote Zahlen schreibt, und wie man gegensteuern könnte, blieb unbeantwortet.
Positiv macht sich laut Bericht der Einbau neuer Turbinen bemerkbar. Obwohl das Bad 2008 insgesamt 146 Stunden länger geöffnet hatte als 2007, konnte der Stromverbrauch um rund acht Prozent gesenkt werden.
Die Beigeordnete nahm sich die Kritik aus der FDP zu Herzen. Im kommenden Jahr solle der Controlling-Bericht umfassender sein, kündigte sie an. Ratsfrau Schmidt möchte aber nicht so lange warten. "Ich erwarte, dass die Einnahmen und Ausgaben in der nächsten Ausschuss-Sitzung nachgereicht werden und wir sie diskutieren können".
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