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Meerbusch: „Verspätungen will keiner“

zuletzt aktualisiert: 17.10.2007

Düsseldorf (RPO). Kurz vor dem Besuch von Minister Wittke in Meerbusch klären Veronika Bappert, Flughafen Düsseldorf, und Christoph Lange, Verein gegen Fluglärm, ihre Standpunkte.

Christoph Lange ist der Vorsitzender des Vereins „Bürger gegen Fluglärm“ und lebt in Osterath. Der Dozent für Betriebswirtschaftslehre vertritt inzwischen viele vom Lärm Betroffene aus mehreren Städten.  Foto: RPO
Christoph Lange ist der Vorsitzender des Vereins „Bürger gegen Fluglärm“ und lebt in Osterath. Der Dozent für Betriebswirtschaftslehre vertritt inzwischen viele vom Lärm Betroffene aus mehreren Städten. Foto: RPO

und der Verein Bürger gegen Fluglärm unterhalten sich mit dem Flughafen meist über Anwälte. Die RP brachte die Kontrahenten an einen Tisch.

Herr Lange, was fordern Sie vom Flughafen?

Lange Der Flughafen soll endlich mit den Betroffenen sprechen. Statt dessen will er schleichend expandieren, ohne die Bürger zu beteiligen – und ignoriert dabei gültige Verträge.

Bappert Das stimmt nicht. Wir halten uns an die Regeln und die Rechtsprechung. Alle Bestimmungen zur Zahl der Starts und Landungen wurden durch öffentlichen Genehmigungsverfahren unter Bürgerbeteiligung erwirkt.

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Was würden Sie Minister Wittke zum Thema Fluglärm gern sagen? Die RP-Redakteure Norbert Stirken und Tina Stockhausen sind heute von zehn bis zwölf Uhr auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich, um ihre Meinung zu hören.

Lange Das ist nicht richtig. Der Flughafen höhlt die Bestimmungen über Nachtflugverbote aus und erhöht schleichend die Zahl der Starts und Landungen – und zwar mit Methoden, bei denen er ohne Beteiligung der Anwohner auskommt.

Herr Lange, was meinen Sie damit?

Lange Jetzt wird zum Beispiel die Nordbahn stärker genutzt, weil der Rollweg Mike saniert wird. Dabei ist das nur ein Mittel, um die Zahl der Starts und Landungen auf Dauer zu erhöhen, ohne die Öffentlichkeit beteiligen zu müssen.

Frau Bappert, stimmt das?

Bappert Derzeit landen wegen der Sanierung des Rollwegs mehr Flugzeuge auf der Nordbahn als sonst, womit sie ihrer Funktion als Ersatzbahn dient. Der Rollweg musste dringend saniert werden. Aber das ist kein Mittel, um die Zahl der Starts und Landungen generell zu erhöhen.

Veronika Bappert ist die Leiterin des Airport-Büros am Flughafen Düsseldorf International. Sie kümmert sich um den Dialog mit der Nachbarschaft, beantwortet Fragen und nimmt Anregungen entgegen. Foto: RPO

Frau Bappert, können Sie die Angst der Anwohner verstehen, dass der Flughafen weiter expandiert?

Bappert Natürlich habe ich dafür Verständnis. Deswegen müssen wir miteinander reden. Der Flughafen hat eine enorme Bedeutung als Wirtschaftsfaktor für die Region und muss heute auch für die Unternehmen eine höhere Zahl an Flügen abfertigen können als früher.

Lange Es starten und landen aber sehr viele Flüge unnötig in der ersten Nachtstunde und oft genug auch viel später in Düsseldorf wie Billigflieger für Touristen.

Bappert Ich unterscheide nicht zwischen wichtigen und weniger wichtigen Flügen. Auch die Tourismusbranche ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, und auch ein Tourist will spät abends nicht erst mit dem Bus von einem Ausweichflughafen nach Düsseldorf gebracht werden.

Lange Aber vor allem diese Billigairlines sind es, die sich permanent verspäten. Da kann man auch nicht mehr von Einzelfällen sprechen.

Frau Bappert, hat er Recht? Sind diese Airlines öfter verspätet als andere?

Bappert Ich möchte das nicht am Begriff der Billigairline festmachen. Es ärgert uns auch, wenn Flieger sich verspäten.

Sind Sie in diesem Punkt also einer Meinung?

Bappert. Ja, Verspätungen will der Flughafen genau so wenig wie Herr Lange.

Lange Warum stimmt dann der Flughafen einer Verschärfung der Nachtflugbestimmungen nicht einfach zu? Die Situation wird immer schlimmer, und Fluggesellschaften, Flughafen und Ministerium sind daran beteiligt.

Bappert Aber das ist keine Taktik, sondern reiner Zufall, zum Beispiel wegen des schlechten Wetters mit vielen Gewittern in diesem Jahr.

Herr Lange, glauben Sie das?

Lange Definitiv nicht.

Aber wie soll der Flughafen den Airlines denn Einhalt gebieten?

Lange Durch glasklare Regeln, die für alle gelten.

Bappert Ich möchte nochmals betonen, dass keiner der Beteiligten ein Interesse an Verspätungen hat.

Lange Genau deshalb wollen wir eine maximale Toleranz-Zeit von 15 Minuten ab 23 Uhr. Im Übrigen ist die Fluglärmkommission genau der selben Meinung und hat einen entsprechenden Antrag an den Minister gestellt. Sie sehen also, dass wir kein kleines Häuflein Fluglärmgegner sind, sondern sehr viele Anwohner – und es werden immer mehr.

Warum lässt der Flughafen sich auf die Toleranz-Zeit nicht ein?

Bappert Wir müssen den Airlines Planungssicherheit bieten. Wenn sich die Bahn verspätet, kommt sie schließlich trotzdem an. Würden wir die Toleranz-Zeit so sehr verkürzen, wäre es für einige Fluggesellschaften zu riskant, dass die Flüge umgeleitet werden müssten.

Herr Lange, wie soll’s es Ihrer Meinung nach weiter gehen?

Lange Der Minister negiert seine Lenkungsfunktion. Er muss endlich ein abgestimmtes Konzept für die sechs nordrhein-westfälischen Flughäfen vorlegen. Mir wäre es am liebsten, wir würden uns nicht über alte Verträge streiten, sondern mit dem Flughafen einen neuen Vertrag aushandeln, der Rücksicht auf die Gegebenheiten eines Stadtflughafens nimmt.

Bappert Wir wissen um die stadtnahe Lage des Flughafens. Der Begriff Stadtflughafen ist jedoch in einer EU Richtlinie definiert und triff auf Düsseldorf nicht zu.

Wie stehen Sie dazu?

Lange Der Flughafen muss sich seiner Lage bewusst werden und kann sich allenfalls noch qualitativ aber nicht mehr quantitativ entwickeln.

Bappert Wir sind uns unserer Lage bewusst, wie auch der von uns aufgewendete Betrag in Höhe von 35 Millionen Euro für Schallschutz allein in den letzten vier Jahren zeigt.

Quelle: RP

 
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