Meerbusch: Wo Milieus aufeinandertreffen
VON HEIKE SCHOOG - zuletzt aktualisiert: 30.04.2011Düsseldorf (RPO). Es war 1992. Horst Eckert war als Journalist für die Tagesthemen des WDR unterwegs, als die Meldung kam, dass Meerbusch die höchste Millionärsdichte in NRW habe.
"Da sind wir natürlich drauf angesprungen", erzählt er und biegt mit seinem roten Alfa von der Hildegundisallee in die Rosenstraße. Daran hat er sich erinnert, als er für die Criminale 2011 aufgefordert wurde, eine Kurzgeschichte für die Anthologie: "Leichenblass am Niederrhein" (Grafit Verlag) zu schreiben.
"Ich hatte drei Städte als Spielorte rund um die ausrichtende Stadt Mönchengladbach zur Wahl. Ich habe mich für Meerbusch entschieden", sagt er und rollt über die Flora- zur Hindenburgstraße.
Das Ergebnis ist eine 23 Seiten lange Kurzgeschichte, mit dem Titel "Wir haben ihre Tochter", die er am 6. Mai (20 Uhr) in der Büdericher Mediothek lesen wird.
In der Geschichte geht es um Maja, eine Unternehmenstochter, die mit ihrer Familie in Meererbusch lebt. Sie hat sich in einen (nicht standesgemäßen) jungen Mann aus Lank-Latum verliebt, der allerdings Spielschulden hat und seine Freundin bittet, ihm Geld zu besorgen.
An ihre Eltern kann sie sich nicht wenden. Sie sind gegen die Beziehung. Maja und ihr Freund erfinden eine Entführung und fordern Lösegeld. Doch die Geschichte läuft anders als geplant, und sie nimmt zwischendurch ein paar unerwartete Wendungen, bei denen auch eine "Türkengang" aus Krefeld eine Rolle spielt.
"Ich wollte keine Geschichte nur über Reiche machen", sagt der Düsseldorfer Autor und stoppt an der Hindenburgstraße vor einer Villa mit Säulen. "Ich will den unterschiedlichen Milieus auf die Spur kommen." Um diese möglichst genau zu treffen, ist er im Vorfeld mit Schulamtsleiter Detlev Krügel in Meerbusch unterwegs, hat sich das Villenviertel angeschaut, ist durch Osterath und Lank-Latum gefahren, um das perfekte Umfeld für seine Figuren zu finden.
Auch die erleuchtete Mediothek am Büdericher Dr.-Franz-Schütz-Platz hat er bei seiner Recherche entdeckt. Sie spielt eine zentrale Rolle. Dort wird der Showdown stattfinden – mit Polizei und Spezial-Einsatz-Kommando.
Mehr verrät der Autor von zehn – zum Teil ausgezeichneten – Kriminalromanen dazu nicht. Nur soviel: Es gibt keinen Mord. "Auch eine Entführung bietet Stoff für eine spannende Geschichte", findet Eckert, der sich zu seinen Spielorten lediglich Notizen gemacht hat, bevor er anfing zu schreiben. "Ich wohne ja nicht weit weg", sagt der gebürtige Bayer, der der Liebe wegen nach Düsseldorf gekommen ist und heute in Bilk lebt.
Vier Wochen lang hat er an der Kurzgeschichte geschrieben. "Ich werde sie für die Criminale des Hochsauerlandkreises einreichen", sagt Eckert, der in diesem Jahr nicht für eine Auszeichnung nominiert ist, sondern in der Jury für die Verleihung des Friedrich-Glauser-Preises sitzt.
"Ich werde die Laudatio für den Autor des besten Romans halten", freut er sich auf den Abend in der Kaiser-Friedrich-Halle in Mönchengladbach, stoppt kurz an der Moerser Straße – auf einen Kaffee. Und macht sich dann auf den Weg Richtung Bilk.
Horst Eckert
Horst Eckert (geboren am 7. Mai 1959 in Weiden in der Oberpfalz) ist Autor von Kriminalromanen. Er studierte Politische Wissenschaften in Erlangen und Berlin. Er war in Köln und Düsseldorf als Fernsehjournalist auch für den WDR und VOX tätig.
1995 erscheint sein erster Kriminalroman "Annas Erbe". Heute lebt Eckert als freier Autor in Düsseldorf. Er gilt als "der wichtigste Vertreter des hartgesottenen Kriminalromans in Deutschland" (Ulrich Noller, WDR). Seine Romane erscheinen im Grafit Verlag. Der Deutschlandfunk bezeichnet sie als "im besten Sinne komplexe Polizeithriller, die man nicht nur als spannenden Kriminalstoff lesen kann, sondern auch als einen Kommentar zur Zeit".
Für "Aufgeputscht" erhielt er 1998 den Marlowe-Preis, für "Die Zwillingsfalle" 2001 den Friedrich-Glauser-Preis der "Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur". Für Wirbel in Düsseldorf sorgte seine Geschichte "Wege zum Ruhm". Der damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin untersagte die Lesung.
Horst Eckert ist Mitglied des Köln-Düsseldorfer Kriminalkomitees
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum