Meerbusch: Zu wenig weibliche Chefs
VON HEIKE SCHOOG - zuletzt aktualisiert: 28.09.2010Düsseldorf (RPO). "Es ist schon viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun." Dieses Fazit zieht Gabriele Parschau, die seit Juni für die Gleichstellung von Mann und Frau in Meerbusch zuständig ist.
Dafür steht der Diplom-Verwaltungswirtin die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Bereich Straßen und Kanäle zur Verfügung. Sie hat sozusagen gleich zwei Chefs: Wolfgang Trapp, Bereichsleiter Straßen und Kanäle, und Bürgermeister Dieter Spindler in seiner Funktion als Verwaltungs-Chef. "Das klappt", sagt Parschau, die gerade versucht, Struktur in diese Aufgabenteilung zu bringen.
Keine Bereichsleiterinnen
Ein Blick in den Stellenplan der Verwaltung liefert ihr eine erste Grundlage. Von rund 700 Mitarbeitern der Stadt (einschließlich gewerbliche) sind 401 weiblich. Der Anteil der Führungskräfte liegt gemessen daran sehr niedrig. Herausragend und an exponierter Stelle hat es Angelika Mielke-Westerlage geschafft. Sie gehört zum Dreigestirn der Wahlbeamten (Dezernenten und Verwaltungs-Chef). Unter den Bereichleitern – davon gibt es elf in Meerbusch – findet sich keine einzige Frau. Auch an der Spitze des Rechnungsprüfungsamtes, das einen Sonderstatus hat, steht ein Mann.
Auf der Ebene der Abteilungsleiter gibt es immerhin einen kleinen Anteil Frauen. Von 29 Leiterstellen sind sieben mit Frauen besetzt – "meist im sozialen Bereich", grenzt Parschau den Status ein. Musikschule, Volkshochschule und Büchereien sind klassisch in weiblicher Hand.
Etwas höher wird der Frauenanteil bei den Referenten, die direkt dem Bürgermeister unterstellt sind. Dort arbeitet eine Datenschutzbeauftragte in Teilzeit. Die neue Wirtschaftsförderin Heike Reiss wird am Freitag ihren Dienst dort antreten. Brigitte Scholten ist Bürgermeisterreferentin. Michael Gorgs, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist derzeit Quotenmann im Referat des Bürgermeisters.
Der Frauenanteil auch in Führungspositionen soll wachsen, hat Parschau sich als Ziel gesetzt. Mit Blick auf die Bereichs- und Abteilungsleiter, die in naher Zukunft aus Altersgründen ausscheiden, will sie gezielt Frauen ansprechen und ihnen entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. "Das ist da A und O", meint sie, um die so genannte "gläserne Decke" zu durchbrechen. "Oft sind es Frauen, die zu Hause bleiben, in Teilzeit gehen, wenn die Kinder da sind", weiß sie und setzt Qualifikation an die oberste Stelle.
"Wünschenswert wären bessere Betreuungsmöglichkeiten, die es leichter machen, Beruf und Familie zu verbinden", so die Gleichstellungsbeauftragte. Um den Frauenanteil in Führungspositionen auszuweiten, müsse man diese überdenken und flexibler gestalten. Mit Blick auf die demografische Entwicklung ist sie außerdem überzeugt, dass Frauen künftig gefragter sein werden – auch in Führungspositionen.
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