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Meerbusch ist selbstbewusst

VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 04.09.2006 - 10:50

An Meerbusch scheiden sich die Geister: Nicht etwa, weil Meerbusch nichts zu bieten hätte, der durch die Kommunalreform entstandenen Stadt jeglicher Reiz fehlen würde. Meerbusch ist vielmehr zu selbstbewusst. Darüber hinaus noch reich und gebildet. Das ist den großen Nachbarn bis heute ein Dorn im Auge.

Die Rheinfähre. Foto: RPO

Kurz nach der Stadtgründung versuchten Düsseldorf und Krefeld mit Hilfe der Landespolitik Meerbusch aufzuteilen und einzugemeinden. Pustekuchen. Auf einmal gab es in dem künstlichen Gebilde Stadt so etwa wie Solidarität. Zehntausende standen dem Bürgerkommitee Ja zu Meerbusch bei, und letztendlich scheiterte der Versuch, Meerbusch aufzulösen, am Verfassungsgerichtshof in Münster. Bis auch das politische Überleben feststand, mussten noch viele Strippen gezogen werden.

Blutige Nasen

Auch in der Folge ließ sich die als „Stadt der Millionäre” bekannte Kommune nichts gefallen und suchte ihre Recht vor Gericht. So selbstbewusst die acht Gemeinden Büderich, Osterath, Lank-Latum, Strümp, Ossum-Bösinghoven, Nierst, Langst-Kierst und Ilverich nach außen hin auftreten, so selbstbewusst zeigen sich ihre Bürger auch innerhalb der Stadt: Normenkontrollverfahren, Schadensersatzforderungen oder Bürgerbegehren. Die Meerbuscher spielen die komplette Klaviatur, wenn es darum geht, ihr Recht zu bekommen.

So wanderten zum Beispiel Pläne für einen neuen zentralen Stadtteil Meerbusch-Mitte mit 8000 Bewohnern nach einem Bürgerbegehren in den Papierkorb, holen sich mehrere Investoren beim Versuch der Bebauung des historischen Areals von Kloster Meer seit Jahrzehnten blutige Nasen. Und auch was das Setzen von Grenzen für die Belastungen durch Flughafen und Autobahnen anbetrifft, engagieren sich nicht wenige Bürger. Auf der anderen Seite profitiert die Stadt mit ihren 56.000 Einwohnern trefflich von der Nähe des Flughafens und der Messe. Firmen mit internationalem Ruf wie Kyocera, Epson und Böhler-Uddeholm haben in Meerbusch ihre Deutschland- und Europa-Zentralen. Trotzdem wird Meerbusch bisweilen als Schlafstadt Düsseldorfs belächelt. Und tatsächlich, viele orientieren sich beruflich und kulturell in die Metropole am Rhein.

Aber gewohnt wird in Meerbusch, der Stadt im Grünen, die zahlreiche Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete aufweist und darüber hinaus auch kulturell einiges zu bieten hat: zum Beispiel eine der größten frei zugänglichen Arbeiten des großen Provokateurs Joseph Beuys im alten Kirchturm in Büderich.

Kölner Dom

Beuys hat im Übrigen einige Jahre in Büderich gelebt und ganz besonders die Rheingemeinden Langst-Kierst und Ilverich geschätzt. Legendär sein niedergeschriebener Satz: „In Ilverich roch es damals noch nach Gras”. Wer weiß schon, dass Beuys als Schüler Mosaiksteine aus einem alten Hallenbad in Büderich abklopfte, damit sein Büdericher Lehrer Ewald Mataré sie für die Portale des Kölner Doms verwenden konnte.


 
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