Erkrath: ABC-Anzüge für die US-Armee
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 20.09.2006Düsseldorf (RPO). Der erste Irak-Krieg ebnete den Weg in den Markt. Hasso von Blücher erzählt vor dem Düsseldorfer Marketing-Club, wie er Lieferant der Militärs wurde. Motto: „Üb’ immer Treu und Redlichkeit.“
Die „New York Times“ nannte ihn den „Sohn eines Nazi-Generals.“ Hasso von Blücher lassen solche Beschimpfungen kalt. Er ist sich auch heute noch sicher, dass der zweite Irak-Krieg der Amerikaner absolut überflüssig war.
„Saddam Hussein hatte keine Massenvernichtungswaffen“, sagt von Blücher. Das hat er schon zu Beginn des Krieges gesagt und erntete dafür in den Vereinigten Staaten herbe Kritik. In der Halle 23 des Posemarré-Geländes ging der Unternehmer bei seinem Vortrag unter dem Motto „Üb immer Treu und Redlichkeit“ vor Mitgliedern des Düsseldorfer-Marketing-Clubs einen Schritt weiter. Von Blücher bezweifelt, dass je ein Krieg mit biologischen oder chemischen Waffen geführt werden wird. „Solche Mittel auszubringen, wäre viel zu gefährlich. Wenn sich der Wind dreht ist die eigene Armee gefährdet.“
Posemarré
Um den Neubau zweier Supermärkte zu verhindern, kümmert sich von Blücher um das Posemarré Gelände.
Geplant sind dort Neubauten mit einer Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Auch das angrenzende Gebiet des ehemaligen Hallenbads wird einbezogen.
Weltgrößter Hersteller
Weltweit ist seine Blücher GmbH der größte Hersteller von Schutzanzügen gegen ABC-Waffen. Er beliefert die US-Armee. Zurzeit versucht er, seine Anzüge in China, Indien und Korea zu verkaufen. Wobei das Wort „Verkaufen“ nicht der richtige Ausdruck sei. „Für unsere Produkte gibt es keinen Markt im herkömmlichen Sinne“. Die Entscheidung, ob eine Armee mit Schutzanzügen von Blücher ausgerüstet wird, übernehme Politik und Verwaltung.
Dabei läuft nicht immer alles glatt. In Deutschland ging von Blüchers erste Firma pleite, weil der Bundestag in den 60er Jahren ein Zivilschutzgesetz nicht absegnete. Dabei hatte er sich in Autohäusern schon nach „größeren Modellen“ umgesehen. Seine Rechnung: Für 60 Millionen Schutzanzüge hätte er eine Mark Lizenzgebühr pro Stück bekommen.
In den USA läuft die Sache noch ein wenig anders, erzählte von Blücher den fast 80 Besuchern, die seinem Vortrag lauschten. Wer die Armee mit Material beliefere, müsse am Zentrallabor vorbei. „Da wurden Gutachten gefälscht, bei denen unsere Schutzanzüge schlechter abschnitten, als die der einheimischen Industrie“, sagte von Blücher. Er ist sicher, dass Mitarbeiter des Labors auf der Gehaltsliste der amerikanischen Industrie stehen. In Spanien sei ihm direkt ein Preis genannt worden, den er zu zahlen habe, um die Armee zu beliefern.
„Manchmal“, sagt von Blücher, „wirken sich Kriege absatzfördernd aus. Das sage ich ohne jeden Zynismus.“ Der erste Irak-Krieg Anfang der 90er Jahre ebnete ihm den Weg auf den US-Markt. Im Krieg konnte die Armee Material ohne Zentrallabor und Politik einkaufen. Doch es gehe auch ohne Bestechung. Einen großen Auftrag habe er nur bekommen, weil er die Auftraggeber ihr Abendessen selbst bezahlen ließ.
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