Mettmann: Ärger über hohe Gebühren
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 06.03.2008Düsseldorf (RPO). Eltern mit hohem Einkommen sind sauer über stark gestiegene Kosten für den Kindergarten.
Als die Metzkausenerin Andrea Wallner vor wenigen Wochen einen Flyer der Stadt Mettmann über die Höhe der neuen Kindergartengebühren in die Hand bekam, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen. Bislang war es der Stadt egal, ob die Eltern 62 000 oder 120 000 Euro im Jahr verdienten, der Beitrag blieb gleich.
Zum 1. August 2008 ist aber vom Rat der Stadt eine neue Gebührenstaffel beschlossen worden. Nach dem Motto „Wer mehr verdient, soll auch mehr bezahlen“, erhöht sich der Beitrag nun in den Gehaltsklassen bis 75 000 Euro, bis 87 000 und über 87 000 Euro. Andrea Wallner hat mit einigen Müttern gemeinsam nachgerechnet und sagt: „Wer mehr als 87 000 Euro im Jahr verdient, sein Kind in der Woche für 25 Stunden in den Kindergarten schickt, zahlt monatlich 224 Euro“.
Kosten für Betreuung
Für Kinder über drei Jahren verlangt die Stadt Mettmann bei einem Jahreseinkommen von bis zu 75 000 Euro bei 25 Stunden Betreuung 152 Euro. Wer bis zu 87 000 Euro verdient, zahlt 188 Euro, bei mehr als 87 000 Euro sind es 224 Euro.
Bei 45 Stunden im Monat sind es 352 Euro.
Kritik am „Feierabend-Kabinett“
Das seien im Vergleich zum bisherigen Beitrag (35 Stunden gleich 151 Euro) zehn Stunden weniger und somit eine Erhöhung der Beiträge um 48 Prozent. Gemeinsam mit Catrin Kramer, Kristin Cordes und Martina Schubert hat sie betroffene Eltern angesprochen und die Mütter haben mehr als 100 Unterschriften gegen die Gebührenerhöhung gesammelt. Die Mütter sehen ein, dass im Sinne der Solidargemeinschaft Mehrverdiener mehr zahlen sollen. Sie fühlen sich aber durch die ihrer Ansicht nach überproportional gestiegenen Beiträge von der Stadt abgezockt.
„Uns ist kein Grund für die Steigerung genannt worden“, sagt Cathrin Kramer. Es würde sich keiner ärgern, wenn die Inflationsrate von drei bis fünf Prozent mehr gerechnet worden wäre, so Martina Schubert. Die Eltern fühlen sich von der Stadt und dem „Feierabend-Kabinett“, das diese Gebührenerhöhung einstimmig im Rat beschlossen habe, nicht ernst genommen. „Es ist frustrierend, um Kindergartenplätze mussten wir eh schon kämpfen“, sagt Andrea Wallner. Mit großen Versprechungen sei man nach Mettmann gelockt worden. Die Stadt werbe für ihre Familienfreundlichkeit, „getan wird aber nichts“, ärgert sich Cathrin Kramer.
„Die Stadt deckt 19 Prozent der Kosten eines Kindergartens durch die Elternbeiträge“, sagt Astrid Hinterthür, Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales bei der Stadt Mettmann. Der Rest werde vom Steuerzahler mit bezahlt. Den Vorwurf, die Stadt würde sich auf Kosten „reicher Eltern“ die Taschen voll machen, lässt sie nicht auf sich sitzen. Die Stadt sei für das Gemeinwohl verantwortlich und müsse die Lasten auf vielen Schultern verteilen. So seien die Kindergartenbeiträge in den unteren Einkommensklassen kaum erhöht worden. Die Erhöhung der Beiträge sei keine „Nacht und Nebel-Aktion gewesen“. Astrid Hinterthür hält es für zumutbar, wenn Eltern mit mehr als 87 000 Euro Jahreseinkommen ihr Kind ganztags betreuen lassen und monatlich 352 Euro bezahlen. Im Vergleich zu den Kosten einer privaten Kinderbetreuung sei das vertretbar. Laut Kindergartenbildungsgesetz sei eine „soziale Staffelung“ vorgeschrieben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum