Kreis Mettmann: Als linke Volkspartei profilieren
zuletzt aktualisiert: 17.03.2008Düsseldorf (RPO). Interview Die SPD-Kreisvorsitzende Kerstin Griese übernimmt ihr Amt im Vorfeld von vier Wahlen. Sie will die SPD im Kreis wieder stark machen. Die Linken im Wülfrather Stadtrat sind eine historische Ausnahme.
Die Bundestagsabgeordnete für den Nordkreis mit Wülfrath, Kerstin Griese, übernimmt die Leitung der Kreis-SPD im Vorfeld von Europa-, Bundestags-, Kommunal- und Landtagswahlen in 2009 und 2010.
Hat Sie Ihr Wahlergebnis zur Kreisvorsitzenden enttäuscht? Immerhin haben Sie nur 69 Prozent geschafft. Thomas Dinkelmann erreichte 2006 bei seiner letzten Wiederwahl über 80 Prozent.
Griese Das ist ein Ergebnis meiner klaren Ablehnung von Kooperationen mit der so genannten Linkspartei. In dieser Frage steht die große Mehrheit des Kreisverbandes hinter mir, gleichzeitig gibt es aber noch Diskussionsbedarf.
Kerstin Griese
Geboren 6. Dezember 1966 in Münster
1985 Abitur in Düsseldorf
1986 Eintritt in die SPD
Seit 1995 im Bundesvorstand der SPD
1999 - 2002 Mitglied des SPD-Vorstands Düsseldorf
Seit 2002 Mitglied im Vorstand der SPD Kreis Mettmann
Seit 2000 Mitglied des Deutschen Bundestages
Seit 1997 stellvertretendes Mitglied der Synode der EKD
Sie stimmen Kritikern also zu, die den Grund für Ihr schlechtes Abschneiden in Ihrer strikten Abgrenzung von den Linken sehen?
Griese Ich stehe zu meiner Überzeugung. Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit sind das wichtigste, damit das Vertrauen in die Politik und die Menschen, die sie machen, Bestand hat.
Für welche Inhalte in der Kommunalpolitik wollen Sie in der Kreis-SPD einstehen?
Griese Als Familienpolitikerin ist einer meiner Schwerpunkte der Ausbau der Kinderbetreuung. Der Bund stellt dafür vier Milliarden Euro zur Verfügung. Ich will dabei mitwirken, dass dieses Geld tatsächlich in den Kommunen ankommt und für ein qualitativ hochwertiges Krippenangebot sorgt. Außerdem möchte ich das Profil der SPD bei kreisweiten Themen schärfen, zum Beispiel in der kritischen Auseinandersetzung mit Bayer um die CO-Pipeline. Mir geht es darum, die Stärken des Kreises Mettmann herauszustellen und selbstbewusst in der Region zu vertreten.
Welche Ziele haben Sie sich für Ihre erste Wahlperiode im Kreisvorstand bis 2010 gesteckt?
Griese Ich will, dass die SPD Mehrheiten im Kreis Mettmann erringt, die Zahl ihrer Bürgermeister erhöht und um das Landratsamt kämpft. Zusammen mit Peer Steinbrück möchte ich beide Bundestagswahlkreise für die SPD gewinnen, um auch eine gute Ausgangslage für die Landtagswahl in 2010 zu haben.
Sie sind in Berlin stark in die Bundespolitik eingebunden. Ein kommunales Mandat im Kreis Mettmann haben Sie nicht. Sind Sie nicht zu weit weg, um eine Partei zu führen, die im Kreis Mettmann und seinen Städten um Erfolge ringt?
Griese Mehr als die Hälfte aller Wochen im Jahr sind sitzungsfrei – dann bin ich als direkt gewählte Abgeordnete in meinem Wahlkreis, genauso wie an den Wochenenden. Da seit der letzten Bundestagswahl die SPD im Südkreis nicht mehr vertreten ist, habe ich mich auch jetzt schon um die dortigen Städte gekümmert. Deswegen habe ich einen sehr guten Überblick auf den gesamten Kreis und werde meine neue Funktion im Team mit dem gesamten Kreisvorstand gut ausfüllen können.
Auch Peer Steinbrück, der sich sehr in seinem künftigen Wahlkreis engagiert, dem südlichen Kreisgebiet, macht Bundes- und nicht Kommunalpolitik. Die Kreis-SPD ist gut vertreten in Berlin, aber hilft das hier, vor Ort?
Griese Ich denke schon. Allein unsere Arbeitsschwerpunkte, die Familien-, Jugend- und Seniorenpolitik genauso wie die gesamte Haushalts- und Finanzpolitik, machen deutlich, wie eng die Zusammenhänge zwischen der Bundes- und der Kommunalpolitik sind. Leider fehlt uns eine Vertretung im Landtag, was uns beispielsweise bei der Diskussion um die CO-Pipeline schwächt. Das soll sich 2010 ändern.
Sie wollen Die Linke aus den Parlamenten, also auch den Stadträten, heraushalten. Ist das realistisch? In Wülfrath sitzen sie ja schon längst im Rathaus, wenn auch unter anderem Namen.
Griese Wülfrath ist eine historische Ausnahme, dort ist die DKP schon seit Jahrzehnten im Stadtrat vertreten. Mir ist es wichtig, dass sich die SPD als linke Volkspartei profiliert und ihre traditionelle linke Wählerschaft nicht kampflos aufgibt. Bei uns ist der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und für wirtschaftliche Stabilität am besten aufgehoben.
Jürgen Fischer führte das Gespräch
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum