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Wülfrath: Asbestalarm im Eiskanal

VON JOCHEN DELPHENDAHL - zuletzt aktualisiert: 21.08.2012

Wülfrath (RP). Das Kreis-Gesundheitsamt vermutete Asbestreste in Baumaterial an der Schallschutzwand und rief die Feuerwehr. Die Baufirma, die Entwarnung hätte geben können, fragte sie nicht. Unklar ist, wer den Einsatz bezahlt.

In Schutzmontur entfernten Feuerwehrleute Material der alten Schallschutzwand am Eiskanal.  Foto:  Dietrich Janicki
In Schutzmontur entfernten Feuerwehrleute Material der alten Schallschutzwand am Eiskanal. Foto: Dietrich Janicki

Die Rechnung der Feuerwehr für den "Asbest-Einsatz" am Freitagabend an der Lärmschutzwand Mettmanner Straße/Eiskanal (RP berichtete gestern) wird fett. Das ist sicher. Wer die Zeche zahlen muss, scheint derzeit weniger klar. 50 Feuerwehrleute waren bis zu acht Stunden im Einsatz, um möglicherweise belastetes Material von der Baustelle zu verpacken und in Containern zu sichern. Jede angefangene Arbeitsstunde wird mit 26,50 Euro in Rechnung gestellt. Dazu kommen die Kosten für die Reinigung der Gerätschaften, für Schutzanzüge und Luftfilter.

Landesbetrieb nicht zu erreichen

Info

Anwohner ungefährdet

Der Landesbetrieb Straßen lässt die Schallschutzwand von der Firma AS Lärmschutz erneuern.

Die Feuerwehr wird die Kostenrechnung für den Einsatz dem Landesbetrieb zustellen.

Für Anwohner habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden, die offenen Fenster seien weit genug entfernt, betonte Ordnungsamtsleiter Reinhard Schneider.

Ausgelöst hatte den Einsatz das Kreis-Gesundheitsamt – und das offenbar vollkommen überstürzt und unnötig. Wie Leiter Rudolf Lange gestern mitteilte, hatten Mitarbeiter beobachtet, dass auf der Baustelle in Schutzkleidung gearbeitet wurde, in der Nachbarschaft aber Fenster offenstanden. Als dann "hintenrum" zu hören war, dass Asbest eine Rolle spielen könne, habe der Kreis bei der zuständigen Bezirksregierung nachgefragt. Das war am Freitag. Bereits am Mittwoch hatte die RP ausführlich über die Asbestarbeiten berichtet.

Bei der Bezirksregierung habe niemand etwas von Asbestarbeiten in Wülfrath gewusst. In Absprache mit der Behörde seien Ordnungsamt und Feuerwehr eingeschaltet worden. Beim Landesbetrieb Straße, er ist Auftragegeber für die neue Schallschutzwand, war am Freitagmittag niemand zu erreichen, der Aufklärung hätte geben können. Dies bestätigte Sprecher Klaus Münster.

Am Firmensitz der AS Lärmschutz GmbH in Weihe (Bremen) war bis gestern Morgen nichts bekannt von dem Feuerwehreinsatz. Geschäftsführer Thomas Gruschka fiel aus allen Wolken, als er bei der Nachfrage der RP davon erfuhr, dass es mit der Baustelle in Wülfrath Probleme geben soll. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass hier nicht angerufen worden ist. Dann hätten wir alles erklären können." Abestmaterial hätte gar nicht herumgelegen, betont er: Alle beim Abbau der alten Schallschutzwand anfallenden Materialien seien zuvor klassifiziert worden. Asbestmatten und alles, was damit in Kontakt kam, werde in speziellen Behältern gelagert und entsorgt. Baustellenleiter Karl-Heinz Buhles hatte ebenfalls keinen Anruf erhalten. Alle asbesthaltigen Teile seien verpackt worden. Offen gelegen hätten nur Materialien, die als unbelastet deklariert wurden. "Dazu gehören auch die Heraklithplatten."

Abbruchmaterial hätte offen auf der Wiese gelegen, beschrieb Stadtbrandmeister René Rahner die Situation, die er vorfand, nachdem er gegen 15 Uhr benachrichtigt worden war. Um 15.15 Uhr löste er Sirenenalarm aus. Beim Stichwort Asbest sorgte der Blick in das Sicherheitsdatenblatt für eine "Materialschlacht", so Rahner. Bei den hohen Temperaturen hätten die Männer in ihren Schutzanzügen und unter Atemschutz nur zehn bis 20 Minuten arbeiten können. "Dann waren sie erschöpft und mussten zwei Liter Wasser trinken und zwei Stunden Pause machen." Deshalb seien so viele Feuerwehrleute benötigt worden. "Im Winter hätten 20 Mann gereicht."

Aus Sicherheitsgründen wurde die Wilhelmstraße komplett gesperrt. Wie Rahner berichtete, waren Autofahrer wegen der Umleitung und der daraus resultierenden Staus verärgert. "Das war Chaos im Berufsverkehr. Tut mit leid, aber da war nichts zu machen."

 

Quelle: RP
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