Mettmann/Wülfrath: Auftragsvielfalt gegen die Krise
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009Düsseldorf (RPO). Die Krise hat die WFB Werkstätten des Kreises Mettmann erfasst: Sie melden einen Umsatzeinbruch von 15 Prozent gegenüber 2008. Die Geschäftsführung schöpft aber Zuversicht aus den eigenen Stärken.
Die junge Frau ist schwerstbehindert. Sie sitzt nicht im Rollstuhl, sie liegt. Weder Arme noch Beine sind funktionsfähig. Und doch trägt sie zur Qualitätskontrolle in der Behinderten-Werkstatt an der Kronzprinzstraße in Langenfeld-Immigrath entscheidend bei: Über einen Bildschirm hat sie frisch abgepackte Erzeugnisse im Blick und betätigt mit ihrem Kinn einen Schalter, wenn etwas nicht vollständig ist.
"Zu einem lebenswerten Leben gehört eine sinnvolle Arbeit", unterstreicht Geschäftsführer Heinrich Feilhauer die Philosophie seines Unternehmens, der WFB Werkstätten des Kreises Mettmann GmbH. Für die nächsten Monate befürchtet er jedoch, dass die junge Frau im Rollstuhl und ihre kreisweit 1033 Kollegen deutlich weniger zu tun haben werden als 2008. Denn die Wirtschaftskrise schlägt auch bei den WFB voll durch.
WFB 2008
Umsatz 3,06 Millionen Euro (plus 0,4 Prozent gegenüber 2007).
Behinderte Mitarbeiter: 1034 (1014).
Nichtbehinderte Angestellte: 220 (206).
Puky-Fahrzeuge laufen noch gut
Im Januar sind die die WFB laut Feilhauer "sehr schlecht" gestartet. "Der Februar brachte zum Glück ein gutes Ergebnis, so dass wir derzeit ,nur' 15 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahres-Umsatz sind." Böse erwischt habe es die Schließsystem-Fertigung für die Automobil-Industrie am Standort Velbert, ebenfalls zurückgegangen seien Aufträge im Messebau. Besser steht es dem Geschäftsführer zufolge um die Bereiche Kinderspielzeug/-fahrzeuge (etwa für die Wülfrather Puki-Werke), Staubsauger-Düsen und Schaltkästen aus Holz (für Niedrigenergie-Häuser).
Hinzu kommen Einzelleistungen, auf die die WFB besonders stolz sind: Verbindungsstücke für Rohrleitungen (Pressfitting), die auf der "Queen Mary 2", dem längsten Passagierschiff der Welt, Verwendung fanden. Und der "Babyschalenspiegel", mit dem autofahrende Eltern Blickkontakt zum Säugling halten können und dessen jährlich rund 10 000 Exemplare "exklusiv" von der WFB in Velbert produziert werden.
Die Krise trifft die WFB besonders hart. Feilhauer: "Einige unserer Kunden setzen uns gerne bei Auftragsspitzen ein." Solche Aufträge fallen als erste weg. Andererseits seien die WFB in Sachen Flexibilität gegenüber normalen Wettbewerbern im Vorteil, gerade in der Krise: "Wir können auch kleinere Aufträge annehmen."
Ebenfalls beruhigend: die Auftragsvielfalt. Nur zirka 15 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Autozuliefer-Bereich. "Wäre die Abhängigkeit größer, wären wir jetzt mit Sicherheit in einer schwierigeren Lage", sagt WFB-Aufsichtsratschef Reinhard Ockel. Er verweist auf neue Arbeitsfelder, die wegfallende ältere ersetzen, wie die "PC-Gruppe", die Dias und Papierfotos einscannt und auf CD-Rom brennt.
Ockel und Feilhauer sind zuversichtlich, mit Stärken wie Schuldenfreiheit, Verlässlichkeit und Standorttreue zu punkten. Um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen die WFB-Mitarbeiter nicht. Die Personalkosten zahlt der Landschaftsverband. "Was wir erwirtschaften, wird in Anlagen und Maschinen gesteckt." 400 000 Euro sind für 2009 geplant, 60 Prozent mehr als 2008.
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