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Erkrath: Ausbilder in Afghanistan

VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010

Düsseldorf (RPO). Der Erkrather Polizist Uwe Mainz wird die nächsten zwölf Monate im fernen Afghanistan verbringen. Dort bildet er Führungskräfte der örtlichen Polizei aus. Angst um sein Leben hat der verheiratete Vater eines Sohnes nicht.

Der Erkrather Uwe Mainz geht nach Afghanistan. Dort will er helfen, die Polizei des Landes aufzubauen und eine funktionsfähige Sicherheitsstruktur zu schaffen. Foto: RP, Janicki

Wie man schießt und mit einer Waffe umgeht – "das braucht man den meisten afghanischen Männern eigentlich gar nicht beibringen", sagt Uwe Mainz. Aber wie man ein Auto stoppt, die Insassen kontrolliert oder einen Familienstreit schlichtet – dafür brauchen die jungen Afghanen, die nun von deutschen Polizisten beraten und fortgebildet werden, schon noch ein wenig Nachhilfe.

"Besser Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Uwe Mainz, der Wert darauf legt, die Gastgeber stets mit Respekt zu behandeln und nicht als Lehrmeister aufzutreten. Heute Abend fliegt der 54-jährige nach Kabul und wird dort in einem internationalem Camp wohnen. "Ich selbst bin in der Ausbildung von afghanischen Führungskräften beschäftigt", sagt Uwe Mainz. Es geht darum, die Polizei in die Lage zu versetzen, selbständig für die innere Sicherheit im Land zu sorgen.

Info

Zwei Wochen Urlaub

Uwe Mainz geht für ein Jahr nach Afghanistan, um dort polizeiliche Führungskräfte auszubilden.

Alle zwei Monate kommt er für zwei Wochen nach Hause.

Er kennt die Bedenken von Angehörigen, seine Familie steht voll hinter ihm. Man sei selbst nicht frei von Angst und bewege sich entsprechend vorsichtig.

Vom Virus infiziert

Er kann dabei als Mentor auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken und rattert Ländernamen wie Kosovo, Sudan, Georgien, Liberia, Bosnien und Palästina herunter. In all diesen Ländern hat Uwe Mainz sich kundig gemacht, was für eine funktionierende Polizeiarbeit nötig ist. "Seit ich 2001 im Kosovo war, bin ich einfach von diesem Virus infiziert. Es macht mir einen Riesenspaß und meine Familie steht hinter mir". Zur Familie gehört sein 20-jähriger Sohn, der selbst gerade dabei ist, Polizist zu werden. In NRW braucht man dazu die Fachhochschulreife oder Abitur, dazu kommt ein dreitägiger Auswahltest. "Nicht einfach", sagt der erfahrene Beamte. In Afghanistan sind fast 70 Prozent der angehenden Polizisten Analphabeten. Dazu kommt die Sprachbarriere. "Wir reden Englisch, das muss dann in die Landessprache übersetzt werden". Deshalb arbeiten die deutschen Polizisten – Uwe Mainz ist einer von 252 – viel mit Bildern und Tafeln, die erklären, was gemeint ist. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die jungen afghanischen Männer ziemlich ehrgeizig sind und abends in ihre Zelten weiter lernen. Zum Abschluss ihrer acht bis zwölfwöchigen Ausbildung erhalten sie ein Zertifikat. "Darauf sind sie unheimlich stolz", sagt Uwe Mainz, der schon einmal in Kabul war und die Lage vor Ort erkundet hat. "Die Gefährdungslage hat sich wirklich verschärft, aber ganz so dramatisch, wie es die Fernsehbilder manchmal glauben machen wollen, ist es dort nicht durchgehend und überall". In den Medien werde immer nur von spektakulären Anschlägen berichtet. Dabei werde vergessen, dass mittlerweile 80 Prozent der Kinder – vor allem auch die Mädchen – nun eine Schule besuchen können. Vorher waren es unter zehn Prozent. Ganz ähnlich ist das Verhältnis bei der Zahl der Bevölkerung, die Zugang zu einem Arzt hat. Sie ist auch von acht auf 80 Prozent gestiegen. Uwe Mainz ist sich sicher, dass 90 Prozent der Bevölkerung froh sind, "dass wir da sind".

Quelle: RP

 
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