Erkrath: Autist Quentin darf nicht in die Grundschule
VON ISABEL KLAAS - zuletzt aktualisiert: 27.06.2012 - 11:02Erkrath (RP). Quentin Kemp ist sieben Jahren alt und Autist. Seine Eltern möchten, dass er die Grundschule Millrath besucht. Die Schulleiterin ist einverstanden. Doch der Kreis tut sich schwer, einen Förderlehrer für 4,5 Stunden zu stellen.
Quentins Eltern sind Kämpfer, Kämpfer für ihren siebenjährigen autistischen Sohn, der nach den Sommerferien eingeschult werden soll, und zwar in die Grundschule Millrath, die 500 Meter vom Elternhaus Quentins entfernt liegt. Seit zwei Jahren bereiten die Eltern ihren Sohn darauf vor.
"Er kennt den Schulweg und den Schulhof", sagt Sabine Quentin. Mit der Schulleiterin Ulla Winz haben Lars und Sabine Kemp bereits gesprochen. Die würde den Versuch mit Quentin wagen, obwohl er nicht in das Raster der zu fördernden Kinder in ihrer Schule passt. "Quentin braucht aber 4,5 Stunden in der Woche einen besonderen Förderlehrer", erklärt Ulla Winz, "denn er soll bei uns nicht einfach nur verwahrt werden." Und gerade an diesen 4,5 Stunden könnte der Herzenswunsch der Familie Kemp scheitern.
Pilotversuch
Im Rahmen der Inklusion besuchen ab dem kommenden Schuljahr ein gehörloses, ein körperbehindertes und zwei lernbehinderte Kinder die Grundschule Millrath. Als Autist müsste Quentin eine Förderschule besuchen. Ihn an der Grundschule zu integrieren, ist dort ein Pilotversuch.
Problem noch nicht gelöst
"Die Förderschule in Mettmann, die den entsprechenden Lehrer abordnen soll, scheint sich zurzeit noch zu weigern", sagt Lars Kemp. Er und seine Frau fürchten, dass das Problem bis zum Sommer nicht gelöst ist. "Dann müsste Quentin auf eine Förderschule in Mettmann gehen. Aber sein emotionales Zuhause ist hier in Millrath. Hier ist er in einen integrativen Kindergarten gegangen. Und wir möchten, dass er vor Ort in die Nachbarschaft integriert wird und nicht in Mettmann." Bis an die Landesregierung sind die Kemps mit ihrem Anliegen gegangen.
"Wir geben nicht auf", sagt Sabine Kemp. Ihrer Ansicht nach sprechen noch andere Gründe für die Schule um die Ecke: Es gibt dort den rhythmisierten Ganztag und keinen Blockunterricht. Das bedeutet, dass zwischen dem Unterricht Entspannungsphasen und Freizeit liegen, in denen Quentin sich erholen könnte. Quentin selbst zieht stolz seinen Schulranzen an und zeigt den Weg zur Wunschschule. Für einen Autisten kann der Kleine viel. Er nimmt Kontakt zu anderen Menschen auf, kann sich konzentrieren und still sitzen, liest schon 40 Wörter, versteht ein bisschen Englisch und kann selbstständig lernen, sagen seine Eltern. "Mit seinem Lern-Laptop hat er sich selbst das Alphabet beigebracht", erzählt seine Mutter stolz.
Aupair-Mädchen hilft
Die tägliche Begleitung, die für ein Kind wie Quentin im Schulalltag nötig ist, haben die Eltern durch ein Aupair-Mädchen organisiert. Und den Förderlehrer würden sie sogar aus der eigenen Tasche bezahlen.
"Man redet so viel von Inklusion. Dann darf es doch jetzt an 4,5 Stunden nicht scheitern", sagen Eltern besorgt. "Wird es auch nicht", versichert Schulrätin Jeanette Völker auf Anfrage. "Wir sind hier alle sehr engagiert und tun alles Menschenmögliche, damit Quentin in Millrath zur Schule gehen kann. In den nächsten Tagen werden wir die Lösung präsentieren."
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