Mettmann/Erkrath: „Berlin 36“ im Weltspiegel
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 18.10.2008Düsseldorf (RPO). In Mettmann und in Erkrath wurden gestern Szenen eines Films gedreht.
Er erzählt die Geschichte der jüdischen Sportlerin Gretel Bergmann, die bei der Olympiade 1936 Startverbot erhielt.Komparsen in SA- und Wehrmachtsuniform: Die Produktionsfirma Gemini Film drehte gestern in Erkrath und Mettmann zwei Szenen des neuen Films „Berlin 36“. Die Handlung basiert auf einer wahren Begebenheit: Die Nationalsozialisten verhindern, dass die deutsche Hochspringerin jüdischen Glaubens Gretel Bergmann (gespielt von Karoline Herfurth), an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin teilnimmt. Die Nazis schicken eine Konkurrentin, die in Wirklichkeit ein Mann ist, ins Trainingslager und in den Wettkampf.
Dreh im Toni-Turek-Stadion
Gestern Vormittag hatte die Hauptdarstellerin Karoline Herfurth zusammen mit Nebendarstellern und Komparsen eine Szene im Erkrather Toni-Turek-Stadion gedreht. Inhalt: Gretel Bergmann wird beim Training in London für die Zeitung fotografiert.
Karoline Herfurth
Karoline Herfurth, 1984 in Berlin geboren, erhielt für die Rolle der krebskranken Hayat in den Film „Eine andere Liga“ den Grimme-Preis.
Für das Mirabellenmädchen“ in dem Film „Das Parfum“ von Tom Tykwer wurde sie mit dem Deutschen Entertainment Preis ausgezeichnet.
Gegen 15.30 Uhr traf der Filmtross in Mettmann ein. Der große Kinosaal im Weltspiegel dient als Kulisse für eine der letzten Szenen: Zusammen mit Wehrmachtsoffizieren, SS und SA schaut sich Gretel Bergmann die Wochenschau über die Olympiade in Berlin an und ist über die deutsche Euphorie befremdet.
„Wir haben das Mettmanner Kino ganz bewusst ausgewählt“, sagt Producer Tim Rostock. „Es entspricht mit seiner schönen Bestuhlung und der Bühnenausstattung der eines Filmtheaters der 30er Jahre. Kristalllüster, die von der Produktionsfirma aufgehängt wurden, vervollkommnen das Bild. Die Inhaber des Kinos, Margarete Papenhoff und Gabriele Rosslenbroich, die im letzten Jahr das 100-jährige Bestehen des Weltspiegels feierten, freuen sich über die Auswahl ihres Kinos als Drehort. Die beiden Szenen in Mettmann und Erkrath werden im Film selbst etwas länger als eine Minute dauern, sagt Tim Rostock. Das sei aber normal: Bei Kinofilmen drehe man rund 2,5 bis drei Minuten am Tag.
Regisseur Kaspar Heidelbach, der unter anderem so renommierte Filme wie „Die Katze“ mit Götz George, „Der Untergang der Pamir“ und „Das Wunder von Lengede“ gedreht hat, ist der Erste, der diesen historischen Stoff verfilmt. Ihn fasziniert das Leben von Gretel Bergmann, die heute 94-jährig in New York lebt. Karoline Herfurth hat zwar Gretel Bergmann selbst noch nie getroffen. Doch sie hat sich intensiv mit der Biografie, den 30er Jahren und mit dem Hochsprung beschäftigt. Sie hat Trainingsstunden bei Klaus Beer, dem Olympiazweiten im Weitsprung (8,19 Meter in Mexiko) genommen. „Ich versuche, authentisch zu spielen. Dazu gehört auch die Identifikation mit dem Zeitgeist und mit der Person.“
Die Produktionskosten des Films „Berlin 36“ liegen bei rund sechs Millionen Euro. Er soll im Herbst 2009 Premiere feiern. Das Filmteam hofft, dass Gretel Bergmann den Filmstart noch erlebt und nach Berlin kommen wird. Ihr Schicksal ist ein Teil der deutschen Geschichte.
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