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Mettmann: „Das war so furchtbar“

VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.11.2006

Düsseldorf (RPO). Zeitzeuge Itzchak Belfer berichtete im Gymnasium über das Leben im Ghetto.

170 Schüler verfolgten das Podiumsgespräch. Siegfried Kowalczyk übersetzte Fragen und Antworten.
170 Gymnasiasten nutzten die Gelegenheit, Itzchak Belfer zu hören und zu befragen. Er erzählte auf Polnisch seinen Lebensweg. Siegfried Kowalczyk, Küster an St. Joseph, übersetzte.   Foto: RPO
170 Gymnasiasten nutzten die Gelegenheit, Itzchak Belfer zu hören und zu befragen. Er erzählte auf Polnisch seinen Lebensweg. Siegfried Kowalczyk, Küster an St. Joseph, übersetzte. Foto: RPO

WÜLFRATH „Jeder, der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden“, zitierte Dr. Jürgen Müller-Späth zu Beginn des Podiumsgesprächs den Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträger, Eli Wiesel. Der Zeitzeuge war Itzchak Belfer (83) aus Tel Aviv. Die ihm in der zweistündigen Abendveranstaltung im sehr gut gefüllten Forum des Gymnasiums konzentriert zuhörten, wohlüberlegte Fragen stellten, waren über 170 Schüler – vornehmlich aus der Oberstufe-, Lehrer und Gäste.

1939 aus Heim geflüchtet

Pfarrer Klaus-Peter Rex, der das Gespräch möglich machte, hatte besonderen Wert auf freiwillige Teilnahme gelegt. Ein beeindruckender Abend, eine Sternstunde für das Gymnasium! Itzchak Belfer, 1930-1938 im Waisenhaus von Dr. Janusz Korczak in Warschau, erzählte auf Polnisch seinen Lebensweg. Siegfried Kowalczyk, Küster an St. Joseph, übersetzte. Von Korczak und dem Leben im Heim. Von der Flucht, 1939, aus dem Ghetto nach Russland, Anwerbung von der Roten Armee, Arbeit im Bergbau, dem Weg zurück nach Warschau, 1946.

Info

Uni Wuppertal

Auf Einladung von Professor Dr. Friedhelm Beiner, Uni Wuppertal, besuchte Itzchak Belfer 1998 erstmals wieder Deutschland.

„Ich habe damals verstanden, um jemanden zu verstehen, muss man mit ihm sprechen“, sagte Belfer. Er hatte gezögert, nach Deutschland zu fahren.

Professor Beiner ist Leiter der Korczak-Forschungsstelle. Am Freitag besucht Belfer die Uni.

Von Familie keinen mehr gefunden

„Von meiner Familie habe ich keinen mehr gefunden. Vielleicht sind sie im Ghetto gestorben, vielleicht umgebracht, vielleicht nach Treblinka deportiert.“ Das Schiff, das ihn nach Palästina (heute Israel) bringen sollte, wurde von den britischen Mandatsträgern angehalten. Zwei Jahre verbrachte er in einem Lager auf Zypern. 1949 kam er nach Israel, wo er sofort von den neuen Streitkräften angeworben wurde.

„Warum ich die Geschichte so erzähle? Den Weg, den ich gemacht habe, haben Hunderttausende jüdischer Menschen gemacht. Das war damals fast der normale Weg nach Israel zu kommen.“

Perry Podolski, Marisa Lange, Susanne Molitor, Till Bruckmermann, von der Oberstufe 12 und 13, fragten auf dem Podium einfühlsam zu Belfers Kindheit, zur Person von Korczak, zu den Besonderheiten des Heims nach. „Wie war das Leben im Ghetto?“ – „Hat Ihnen jemand auf der Flucht geholfen?“ – „Wussten Sie im Ghetto von den KZ?“- „Wann haben Sie angefangen wieder Deutsch zu sprechen?“ „Wie sind Sie zur Malerei gekommen?“ „Wie beurteilen Sie die Situation Israels und seiner Nachbarn heute?“ –„Wie leben Sie heute?“

Mit vielfältigen Fragen versuchten sich die jugendlichen Zuhörer zudem ein Bild zu machen. „Man kann nicht alles erzählen - über die Verfolgung. Das kann man nicht verstehen. Das war so furchtbar“, sagte Belfer. Verhalten berichtete er über seinen Begleiter auf der Flucht nach Russland, den die Gestapo festnahm und der Auschwitz überlebte.

In der Zeit in Russland habe er nicht gewusst, was zwischenzeitlich mit den Juden passierte.

Quelle: RP

 
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