Erkrath: Bedrohtes Neandertal
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 06.05.2008 - 09:30Düsseldorf (RPO). An der Neanderhöhe in Erkrath-Hochdahl kollidieren Naturschutz und Wirtschaftsinteressen. Die Stadt will auf dem Gelände ein Wohn- und Gewerbegebiet errichten. Naturschützer sehen den Status des Neandertals gefährdet.
KreisMettmann Über die Region hinaus ist das Neandertal berühmt für den Fund des Urmenschen, aber es ist auch für sein Museum und für seine Natur bekannt. Davon zeugen Tausende Gäste, die jährlich den Kreis Mettmann besuchen. Mit der Ausweisung eines Gewerbe- und Wohngebietes auf der Neanderhöhe - einer oberhalb des Neandertals gelegenen Anhöhe in Erkrath-Hochdahl - könnte das Bild von der Naturidylle stark beeinträchtigt werden, wie Bürger fürchten. Sie machen gegen die Pläne der Gemeinde mobil.
Einer der Wortführer des Protests ist Wolfgang Sternberg. Als Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) des Kreises Mettmann und einer der Sprecher der Naturschutzgemeinschaft Neandertal sorgt er sich: „Die geplanten bis zu 15Meter hohen Gebäude beeinträchtigen weitaus sichtbar das Landschaftsbild.“ Derartige Vorhaben würden nicht in das Bild passen, das Tal als natürliche Touristenattraktion zu vermarkten. Neben der visuellen Beeinträchtigung befürchtet der Umweltschützer auch Auswirkungen auf das benachbarte Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet, das dann nur noch 50Meter entfernt liegen würde. „Eine Pufferzone zu dem Schutzgebiet ist dann nicht mehr gegeben“, findet Sternberg. Wenn die bisher als Acker genutzte Fläche auf der Anhöhe zu Baugebiet werde, könne auch der ansässige Turmfalke nicht mehr jagen. Damit die wirtschaftlichen Interessen dennoch nicht unter den Tisch fallen, schlägt er vor, leerstehende Gewerbeflächen für neue Nutzer aufzubereiten. Wenn ein neues Gewerbegebiet, dann nur in Beteiligung der umliegenden Gemeinden - damit nicht am Bedarf vorbei geplant werde.
„Das Land bestätigt uns, dass in Erkrath nicht genügend Gewerbeflächen für mögliche Vergrößerungen bestehen“, meint hingegen Werner Rutz, Leiter des Erkrather Planungsamtes. Der Neubesetzung von der Leerständen erteilt er eine klare Absage: „Wir verfügen nicht über die Flächen. Zudem sind diese meist in der Nähe von Wohngebieten und somit nur schwer zu vermarkten.“
Den Ruf des Neandertals als Naturattraktion sieht er nicht gefährdet, stattdessen gehe es um das Wohl der Gemeinde Erkrath. „Wir müssen die schrumpfende Bevölkerung im Blick haben“, mahnt Rutz. Gibt es keine Zuwächse von Arbeitsplätzen, so wäre der Bevölkerungsschwund größer und die Infrastruktur werde durch die Wegzüge geschwächt. Außerdem sei die Stadt auf die Einnahmen aus der Gewerbesteuer angewiesen.
Die Naturschutzgemeinschaft plant indes, mit dem Verkauf von auf der Neanderhöhe angebauten Kartoffeln auf die ihrer Meinung richtige Nutzung des Geländes aufmerksam zu machen: als Ackerfläche.

dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.