Wülfrath: Behinderte an Realschule
VON JOCHEN DELPHENDAHL - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012Wülfrath (RP). Erstmals wird im nächsten Schuljahr eine integrative Klasse eingerichtet. Ein Pädagogenteam bereitet sich auf die Aufgabe vor. Konzept und Antrag gehen an die Bezirksregierung.
Die Theodor-Heuss-Realschule wird zum nächsten Schuljahr erstmals eine integrative Lerngruppe einrichten. Aus der Grundschule Ellenbeek wechseln vier Jungen und Mädchen mit Lernbehinderung beziehungsweise emotionalen, sozialen Defiziten und von der Parkschule ein Junge mit Sehbehinderung an die weiterführende Schule.
Gesellschaftliche Teilhabe
"Warum kommen die Kinder zu uns und gehen nicht an eine Förderschule?", diese Frage habe sich im Kollegium gestellt, als über die Einrichtung einer integrativen Klasse erstmals diskutiert wurde, berichtete Schulleiter Frieder Winterberg. "Es geht um gesellschaftliche Teilhabe. Die Kinder sollen zusammen mit Freunden wohnortnah die Regelschule besuchen", lautet die Antwort.
Die Pädagogen müssten lernen, dass bei den Schülern mit Behinderung nicht der Schulabschluss im Fokus steht, sondern dass sie mit Förderung andere Ziele erreichen sollen.
Un-Konvention
Vor drei Jahren wurde auf Veranlassung des Kreis-Schulamtes und mit Zustimmung der Wülfrather Grundschulen sowie des Schulträgers an der Grundschule Ellenbeek der Gemeinsame Unterricht eingeführt.
Mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen 2009 hat die Bundesrepublik ein rechtsverbindliches Bekenntnis zu einem "inklusiven Bildungssystem" abgegeben, in dem gemeinsamer Unterricht der Regelfall ist.
Ziel der Landesregierung Nordrhein-Westfalen ist, ein grundsätzliches Wahlrecht der Eltern auf den Förderort für ihr behindertes Kind einzuführen.
Ein kleines Team um Sabine Boller, stellvertretende Schulleiterin, arbeitet sich in das neue Thema ein. Bei einer Hospitation an einer Wuppertaler Realschule mit integrativer Lernklasse gab es nicht nur viele nützliche Tipps, sondern auch Ermunterung. So habe sich dort gezeigt, dass viele Eltern nicht behinderter Kinder erkennen, dass ihr Nachwuchs in einer solchen Klasse gut aufgehoben ist und im alltäglichen Umgang mit Behinderten viel fürs Leben lernen kann. 24 Plätze waren in der Klasse zu vergeben, 45 Eltern meldeten Kinder dafür an. Wie an der Wuppertaler Schule werde auch an einer Mülheimer Realschule die positive Erfahrung gemacht, dass das Leistungsniveau in integrativen Klassen hoch sei, berichtete Winterberg. "Wegen der besseren Förderung gibt es deutlich bessere Ergebnisse."
Bis zum 28. Februar muss die Theodor-Heuss-Realschule bei der Bezirksregierung den Antrag auf Einrichtung einer integrativen Klasse gestellt haben und dazu ein Konzept vorlegen. Dazu gibt es am 22. Februar noch eine Fortbildung, bei der zusammen mit Andreas Weikämper, Koordinator für Gemeinsamen Unterricht im Kreis Mettmann, als Moderator das Konzept entwickelt wird.
Die Raumfrage für die I-Klasse ist noch nicht geklärt. Es sollen zwei ebenerdige Räume miteinander verbunden werden, damit die Schüler gegebenenfalls auch getrennt betreut werden können. Auch bei der Ausstattung ist die Stadt als Schulträger gefordert. Küchenzeile, Sofas und PC sind erfahrungsgemäß sinnvoll. Betreut wird die I-Klasse im Idealfall von drei Personen: Lehrer, Förderlehrer und einer "Integrationsfachkraft" (die der Schulträger stellt).
In der nächsten Woche werden an der Theodor-Heuss-Realschule die Anmeldungen fürs nächste Schuljahr angenommen: für die I-Klasse, für die bilinguale Klasse und für eine dritte Klasse. Bis zu acht Kinder mit Behinderung könnten aufgenommen werden. Für eine optimale Förderung wäre diese Zahl ideal, sagte Sabine Boller.
Anmeldung Realschule, Bergstraße 20, Tel. 02058/923120: Montag,13. Feb., 11- 17 Uhr; Dienstag, 14. Feb., 8- 12 Uhr, 14- 17 Uhr; Mittwoch, 15. Feb. 8-12 Uhr.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum