Mettmann: Biennale-Abschluss mit herrlich groteskem Spiel
VON LARA CZERWONKA - zuletzt aktualisiert: 28.06.2011Mettmann (RP). Es war der fulminante Abschluss einer gelungenen Kulturreihe. Mit der Shakespeare-Adaption von "Was ihr wollt" beendete Intendant Uwe Muth die Neanderland Biennale 2011 mit einer einzigartigen Version des Stoffes: "Wir haben mit Shakespeare begonnen und hören auch mit Shakespeare auf."
Erstmalig von drei Theatergruppen auf die Bühne gebracht, trafen mit dem Projektstück das Theater Minestrone aus Wülfrath, die Erkrather Unterfeldmäuse sowie die Volksbühne Viersen aufeinander. Gemeinsam lieferten sie eine turbulente und temporeiche Inszenierung des englischen Klassikers um Liebe und Begehren, Ausschweifungen und Verwechslungen: Viola liebt den Grafen Orsino, der jedoch – ebenso wie Diener Malvolio und Sir Leichenwang – unsterblich in Lady Olivia verliebt ist.
Die wiederum ist auf den jungen Cesario aus, der aber eigentlich gar kein Mann, sondern die verkleidete Viola ist. Zu allem Überfluss taucht letztendlich auch noch Violas totgeglaubter Zwillingsbruder Sebastian auf, der das Verwirrspiel perfekt macht. Das Projektenensemble übertrug den tragikomischen Stoff in ein überzogenes Singschauspiel, das sowohl in gut gesetzten Pointen als auch in seinen herrlich grotesken Charakteren aufging.
Weitere Open-Air-Aufführungen von "Was ihr wollt" sind am 2. Juli (Lyzeumsgarten, Viersen), am 9. Juli (Titz-Jackerath) sowie am 6. August (Zeittunnel, Wülfrath) zu sehen.
Der Eintritt liegt bei acht bis zehn Euro.
Heftig, deftiger Shakespeare
Sandra Stötzel (Theater Minestrone) brillierte mit den Figuren Viola/Sebastian und Cesario in gleich drei Rollen und bildete einen angenehmen Gegenpol zu den ausschweifend verrückten Charakteren des Stücks. In der Rolle der Lady Olivia überzeugte Gaby Klonisch (Volksbühne Viersen) mal als bitter traurige Dame, mal als derbe Femme Fatale, und Frank Feetz (Volksbühne Viersen) lieferte einen närrischen Feste, der mit seinen gewitzten Scherzen die anderen Figuren zu den eigentlichen Narren der Szene macht.
Dabei beschränkte sich das Ensemble nicht auf den vorgegebenen Bühnenraum, sondern erweiterte das Spiel konsequent um die Dimension der Zuschauergänge, um immer wieder Publikumsnähe zu schaffen. "Heftig deftig, typisch Shakespeare", nannten Johanna und Matthias Heiler aus Düsseldorf "den überzeugenden Klamauk" im Anschluss an die Inszenierung. "Fantastisch, dafür, dass es Laienschauspieler sind", sagte Erika Erbacher aus Haan.
Sie gehörten zu den rund 80 Prozent der Zuschauer, die nicht aus Mettmann zur Vorstellung kamen. Circa 40 Prozent waren nicht einmal aus dem Kreis Mettmann. "Wir haben in diesem Jahr eine Überregionalität geschaffen, durch die wir auch über den Kreis hinaus populär und im Bewusstsein verankert sind", sagte Intendant Uwe Muth.
Rückblickend zieht er aus seiner zweiten Biennale eine positive Bilanz: "Ich bin sehr zufrieden, dass wir die tolle Arbeit aus 2009 in diesem Jahr fortsetzen konnten." Mit vier ausverkauften und vielen sehr gut besuchten Vorstellungen sei die Lust auf eine solche Kulturreihe wieder deutlich geworden.
Kindertheater besser vermarkten
Schlecht gelaufen seien dazu im Gegensatz die Kinder- und Jugendtheater. Daran müsse man bei einer etwaigen Biennale 2013 noch arbeiten: "Für 2013 klopfe ich noch auf Holz. Der Kreis ist definitiv für eine Fortsetzung der Biennale in zwei Jahren. Die Zusage der Landesförderung steht jedoch noch aus."
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