Erkrath: Buch über Nazis in Hochdahl
VON MANFRED MÜSCHENIG - zuletzt aktualisiert: 17.11.2010Düsseldorf (RPO). Die Lehrerin Ulla Backhaus forschte ein Jahr lang in den Archiven. Jetzt legt sie ihre Hausarbeit als gebundenes Buch über den Nationalsozialismus in Hochdahl vor. Darin finden sich Einzelschicksale und viele Fotos.
Nachdem vor einiger Zeit bereits das Manuskript des Düsseldorfer Historikers Peter Dietz zum Thema "Erkrath in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" als Buch herausgegeben wurde, konnten Stadtarchivarin Erika Stubenhöfer und Bürgermeister Arno Werner gestern einen Band über Hochdahl in dieser dunklen Zeit deutscher Geschichte vorstellen.
Autorin ist die Aachenerin Ulla Backhaus, die sich dem Thema in ihrer Hausarbeit im Rahmen der ersten Staatsprüfung für das Lehramt widmete. Ein knappes Jahr hat sie daran gearbeitet, von ersten Quellenforschungen in Archiven ab Mai 2006, bis zur Abgabe des fertigen Manuskriptes im Mai 2007 mit ursprünglich gar nicht vorgesehenen Ergänzungen über einige Persönlichkeiten aus Hochdahl. Wegen des Umzuges des Stadtarchives verzögerte sich allerdings die weitere Bearbeitung, so dass das fertige Buch erst jetzt vorgelegt wurde.
Das Buch
Das Buch "Hochdahl in der Zeit des Nationalsozialismus" von Ulla Backhaus hat 184 Seiten und kostet 14,50 Euro.
Es gilt als Band 3 in der Reihe "Erkrather Monografien zur Stadtgeschichte".
Das Werk ist in den Erkrather Buchhandlungen sowie im Stadtarchiv im Kaiserhof, Bahnstraße2, erhältlich.
Es spannt einen weiten Bogen, beginnt mit einer Situationsbeschreibung von Millrath am Ende der Weimarer Republik und endet mit einem kurzen Portrait des engagierten SPD-Mitglieds Friedrich Hahn, der in den Nachkriegsjahren zeitweise das Amt des Bürgermeisters und stellvertretenden Bürgermeisters innehatte. Hahn hatte es im Jahr der Nazi-Machtergreifung 1933 gewagt, für den Gemeinderat zu kandidieren, wenig später wurde er in eines der so genannten Moorlager im Emsland deportiert.
Ulla Backhaus würzt Berichte über handelnde Personen mit Ergebnissen, die seinerzeit bei den Wahlen erzielt wurden. So hatte die NSDAP damals trotz aller Anstrengungen im ganzen Reich nur einen Stimmenanteil von 43,9 Prozent erreicht, verfügte lediglich durch ein Wahlbündnis mit den Deutschnationalen über die Mehrheit. In Millrath schnitten die Nazis sogar noch schlechter ab als im Landesdurchschnitt: Hier erzielten sie noch nicht mal 40 Prozent der Stimmen.
Besonders überrascht habe sie bei ihren Recherchen, dass es in Hochdahl damals relativ viele Zwangssterilisationen gegeben hatte, berichtet Ulla Backhaus. Damit sollte verhindert werden, dass sich Bürger mit "minderwertigem Erbgut" fortpflanzen konnten. Auch Widerstand und Denunziationen sowie die Verfolgung einer Frau aus Glaubensgründen kam die Autorin auf die Spur. Und sie beschreibt das Schicksal eines polnischen Zwangsarbeiters, der wegen "Rassenschande" zum Tode verurteilt wurde. Er hatte ein Verhältnis mit einer deutschen Arbeitsdienstmaid begonnen.
Aufgelockert wird der Text des Buches durch zahlreiche Fotos und Dokumente, die Erika Stubenhöfer zusammengestellt und kommentiert hat.
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