Erkrath: Bücher kostenlos ausleihen
VON MANFRED MÜSCHENIG - zuletzt aktualisiert: 25.09.2010Düsseldorf (RPO). Reportage An einer neuen Büchersäule im Rewe-Markt können Besucher kostenlos Literatur ausleihen und mitnehmen. Wer möchte, kann auch gelesene Werk dort hineinstellen, aber keinen "alten Schund".
Trompetenklänge dringen aus der hintersten Ecke des KampsCafés ins gesamte Foyer des Rewe-Marktes am Neuenhausplatz. Ein kleines Mädchen, das im Einkaufswagen der Oma hockt, hält sich die Ohren zu. Nicht etwa, dass die Musiker der Jugendmusikschule unter Leitung von Jacky Müller schräg spielen, aber es wird doch sehr laut, wenn acht Bläser auf engstem Raum ihr Bestes geben.
Sie bieten den musikalischen Rahmen zur Eröffnung der 5. Unterfeldhauser Bücherbörse, die für zwei Tage im Eingangsbereich des Supermarktes geöffnet ist. Die Kundschaft muss halt ein bisschen um die Tische herumkurven, auf denen Literatur aus zweiter Hand für kleines Geld geboten wird.
Nicht entrümpeln
Die Büchersäule ist jeweils zu den Öffnungszeiten des Rewe-Marktes am Neuenhausplatz zugänglich. Vorgesehen ist, im unteren Bereich des Regals künftig vor allem Kinderliteratur unterzubringen, da ist noch Nachschub willkommen.
Die Säule sollte aber nicht zur Entrümpelung des eigenen Bestandes missbraucht werden. Vielmehr sollte jedes hineingestellte Buch als Leseempfehlung gelten.
Arnold Pascher aus Neuss ist bereit zum zweiten Mal dabei, hat an seinem Tisch sowohl Literatur für Erwachsene als auch Kinderbücher aufgebaut. Die Frage, ob er voriges Jahr mit der Resonanz zufrieden war, erübrige sich eigentlich, meint er. Schließlich sei er ja wieder dabei. Vor allem die vielen Kinderbücher locken immer wieder Kunden an seinen Stand. Auch die Oma mit ihren beiden Enkeln im Wagen stoppt kurz, blättert in einigen Werken. "Welches möchtest du denn sehen?", fragt sie ihren Enkel.
Der Junge zeigt auf ein Buch, dessen Titelblatt ein prächtiger Ritter in Rüstung ziert. Die Oma schaut sich den Wälzer kurz an, blättert ein wenig darin und legt ihn wieder zurück. "Ich glaube, das ist noch nichts für dich", erklärt sie und steuert dann den Wagen mit den beiden Kindern an Bord in Richtung Supermarkteingang. "Wir müssen erst mal was zu trinken kaufen, die Kids haben Durst", sagt sie in Richtung Arnold Pascher.
Hinten im Café hat inzwischen Barbara Geiss-Kuchenbecker, zweite Vorsitzende von Unterfeldhaus-aktiv, das Wort. Sie verweist darauf, dass dem Lesen wieder mehr Stellenwert beigemessen werden müsste, und dankt Erich Stockhausen, Inhaber des Rewe-Marktes, dass er die Bücherbörse immer sehr gastfreundlich aufgenommen habe. Wenig später bedankt sich auch Ilse Kretschmer, Kulturbeauftragte des Unterfeldhauser Bürgervereins, mit der Verleihung des Silbernen Lesezeichens bei Stockhausen für dessen vielfältiges Engagement für die Ortsteil.
Derweil steht die neue Büchersäule noch ein wenig versteckt hinter einem der Büchertische, ist noch mit einem Tuch verhüllt. Vorne am Tisch lächelt Katja Böntgen aus Unterbach den potenziellen Kunden zu.
Vor ihr liegen die beiden Dan-Brown-Bestseller "Illuminati" und "Sakrileg" als Taschenbuchausgabe, jeweils für 2 Euro. "Die sind gut", meint eine junge Frau, die mit ihrem Begleiter vor dem Stand stehen bleibt und auf die Lektüre zeigt. Katj Böntgen nickt: "Ja", bekräftigt sie, "er sollte noch mehr davon schreiben". Dann ist es endlich soweit, gemeinsam ziehen einige Vorstandsmitglieder von Unterfeldhaus-aktiv das Tuch von der schmalen Büchersäule, aus der sich künftig jeder Marktbesucher bedienen kann.
Das Regal soll eine Art Tauschbörse für Bücher werden, jeder Interessent kann etwas mitnehmen, jeder darf aber auch Bücher aus seinem Bestand hineinstellen. Der Erkrather Autor Wolfgang Zöllner hat bereits am Morgen die Gelegenheit genutzt, ein Exemplar seines Werkes "Atlas ohne Schweiz" unterzubringen. Kurz nach der offiziellen Eröffnung der Säule hat das Buch bereits einen Interessenten gefunden. "Die Päpstin" von Donna Cross oder "Der Pferdeflüsterer" von Nicholas Evans hingegen stehen noch im Regal.
Ziel sei es, ein möglichst vielfältiges Angebot zu bekommen, betont Ilse Kretschmer, ruhig auch mal ein Comic oder einen Reiseführer. Andererseits dürfe die Säule aber nicht dazu missbraucht werden, alten Schund loszuwerden, ergänzt Heide Horn, man werde da schon regelmäßig ein Auge drauf haben, betonen die Damen von Unterbach-aktiv.c
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