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Mettmann: Bürger als Geldgeber

VON LARA CZERWONKA - zuletzt aktualisiert: 19.07.2010

Düsseldorf (RPO). Das Mettmanner Bürgerforum stellt ein neues Finanzierungsmodell für die "Overhoffschen Höfe" vor. Die Stadt muss zehn Prozent der Kosten von insgesamt sechs Millionen Euro übernehmen. Im Herzen der Stadt soll ein Kultur- und Einkaufspunkt geschaffen werden.

Das Areal mit dem Projektnamen "Overhoffsche Höfe" soll neu gestaltet werden. Dort stehen marode Häuser und Industriehallen, die zum Teil saniert werden sollen. Das größte Fragezeichen steht hinter der Finanzierung.  Foto: RPO
Das Areal mit dem Projektnamen "Overhoffsche Höfe" soll neu gestaltet werden. Dort stehen marode Häuser und Industriehallen, die zum Teil saniert werden sollen. Das größte Fragezeichen steht hinter der Finanzierung. Foto: RPO

Das Stadtprojekt "Overhoff'sche Höfe" des Mettmanner Bürgerforums geht in die nächste Runde. Bei einem Forumsabend stellte der Vorstand eine alternative Finanzierungsmöglichkeit zur Realisierung der Pläne vor.

Die mögliche Lösung soll aufgrund leerer Kommunenkassen ein Bürgerdarlehen sein, das von der Bank für Investments und Wertpapiere (BIW) und deren Modell "HeimatInvest" unterstützt wird: "Bei 'HeimatInvest' handelt es sich um einen klassischen Kommunalkredit, bei dem Bürger die Investoren sind", erklärt Osman Görgülü, Projektmanager bei der BIW. Die Konditionen des Darlehenvertrags kann die Kommune selbst festlegen, Zins- und Tilgungszahlen gehen zurück an die geldgebenden Bürger.

Info

Brauhaus geplant

Die Oerhoff'schen Höfe liegen im Karree zwischen Breite-, Johannes-Flintrop-, Post- und Bahnstraße. Das Bürgerforum plant eine Re-Urbanisierung des verfallenen Areals mit einem Brauhaus als Ankermieter sowie Kleinkunstgewerbe und inhabergeführtem Einzelhandel.

"Mit einem neuen Angebot in den Sektoren Ausgehen, Kultur soll Mettmann mit anderen Städten konkurrieren können und für die Bewohner an Verweilattraktivität gewinnen", sagt Dinkelmann.

Faire Verzinsung versprochen

"Die BIW stellt also eine neuartige Plattform mit fairer Verzinsung, über die die Bürger in die eigene Kommune investieren und sich konkret an öffentlichen Aufgaben beteiligen können", sagt Görgülü. Der Investitionsprozess läuft dabei wie folgt ab: Nachdem bei der BIW ein Konto eingerichtet worden ist, können Investoren ihren Anlagebetrag (mind. 5000 Euro) entweder konventionell oder online überweisen. Sämtliche Eingänge werden dabei auf einer Gebotsliste nach Eingangsdatum aufgeführt. Der Prozess endet, wenn die maximale Kreditsumme erreicht oder die Zeichnungsphase vorbei ist. Anschließend erhält die Stadt das Darlehen.

Im Verlauf der Kreditabwicklung zahlt die Kommune Zinsen und Tilgung an die BIW, die das Geld umgehend auf das "HeimatInvest"-Konto des jeweiligen Anlegers zurücküberweist. Im aktuellen Fall des Projekts "Overhoff'sche Höfe" müssen 600 000Euro generiert werden: "Die Gesamtkosten der Erneuerungspläne liegen bei sechs Millionen Euro", sagt Dr. Peter Freyen, 1. Vorsitzender des Bürgerforums. "Damit wir finanzielle Unterstützung vom Land bekommen, müssen zehn Prozent der Kosten von der Stadt übernommen werden. Eine Möglichkeit, diese zu garantieren, wäre 'HeimatInvest'". Darüber hinaus müssten diese Zahlen mit dem nächsten Haushaltsentwurf genehmigt werden. Das Geld muss also durch einen politischen Mehrheitsbeschluss zweckgebunden – für die Overhoff'schen Höfe – eingeplant werden. "Vor allem für die Anleger, die Bürger, muss ein konkreter Verwendungszweck deutlich sein. Sie wollen und müssen wissen, in was sie investieren", sagt Banker Görgülü.

Rettungsnagel für die Stadt

Peter Feyen sieht die Initiative als einzigen Rettungsnagel für die Stadt: "Mettmann ist einer Ohnmacht nahe, die nur noch durch Bürger-Engagements verhindert werden kann. Bei diesem Projekt können die Bürger aktiv mitgestalten und bekommen sowohl einen finanziellen als auch ideellen Benefit." Um das Projekt erfolgreich weiterzuführen, müssten nun Bürger, Rat und Verwaltung kommunikativ kooperieren, sagt der 2. Vorsitzende Thomas Dinkelmann. "Es muss eine neue Vertrauenskultur geschaffen werden, damit nicht jede Gruppe für sich existiert. Im Grunde wollen doch alle ein Ziel: Mettmann zu einer attraktiven Stadt machen, in der ein soziales Miteinander existieren kann."

Das Potenzial der Stadt werde nicht genutzt, weswegen ein erheblicher Teil der Kaufkraft in die umliegenden Städte abwandert. Laut dem Mettmanner Einzelhandels- und Zentrenkonzept (überarbeitete Fassung, 2009) liege die städtische Kaufkraft mit knapp 114 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 100 Prozent. Nur 65 Prozent fließen in den Mettmanner Einzelhandel, der Rest kauft woanders ein.

Kontakt-/Informationsdaten: www.mettmann.de/wirtschaft/pdf/einzelhandelskonzept.pdf. Osman Görgülü Tel. 02156/ 4920-140 info@heimatinvest.de www.heimatinvest.de, Mettmanner Bürgerforum, Dr. Peter Freyen/ Thomas Dinkelmann Tel. ME/ 170308 info@mettmanner-buergerforum.de www.mettmanner-buergerforum.de

Quelle: RP

 
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