Erkrath: Bürgerbus startet erste Tour
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 31.08.2010Düsseldorf (RPO). Reportage: Der Erkrather Bürgerbus nimmt den Betrieb auf. Die RP ist eine der ersten Runden mit Initiator Jürgen Hampel am Steuer gefahren. Autofahrer und Erkrather werden sich erst an den Bus gewöhnen müssen.
Wenn Jürgen Hampel am Steuer des Bürgerbusses sitzt, guckt er gerne mal in den Rückspiegel. Aber nicht weil auf den acht Sitzplätzen des 156 PS-starken Mercedes-Sprinter hinter ihm so viele hübsche junge Frauen sitzen. Hampel, der bei der Rheinbahn extra ein Fahrtraining mit knallharter Prüfung absolviert hat, beobachtet ganz korrekt den Verkehr im Rückspiegel. Und das ist an vor allem den 26 neuen Haltestellen des Erkrather Bürgerbusses ganz besonders wichtig. Nur vorne, aber nicht am Heck steht "Bürgerbus" drauf. "Die Autofahrer wundern sich bestimmt, dass ich mit Warnblinkanlage an der Bushaltestelle mitten auf der Straße stehen bleibe", sagt der 71-jährige Hampel. Noch ist der weiße Sprinter ein absoluter Neuling im Stadtgebiet, die Bürger werden sich erst an den Wagen mit den bunten Werbeaufschriften gewöhnen müssen.
Stadt springt ein
Der Bürgerbus hat 55 000 Euro gekostet. Davon finanziert die Rheinbahn 32 000 Euro aus Mitteln des Landes NRW.
Die restlichen 23 000 Euro muss der Bürgerbusverein in den kommenden fünf Jahren reinholen. Theoretisch bräuchte er dazu drei Fahrgäste pro Strecke. Sollte ein Defizit entstehen, muss die Stadt gerade stehen.
Hilfe beim Anschnallen
Am Brockerberg klappt an diesem Morgen aber alles problemlos. Die Autofahrer halten brav hinter dem Bürgerbus an. Als keiner ein- oder aussteigen will, drückt Hampel aufs Gaspedal. Schalten braucht er nicht, der Bürgerbus hat ein Automatikgetriebe. Als vorerst einziger Fahrgast, der um 10.20 Uhr am Nordbahnhof startenden Tour, ist Gisela Schmitz eingestiegen. Sie zahlt ihre 1,50 Euro für die Fahrt und lässt sich bis zur Bahnstraße chauffieren.
"Für mich ist das sehr praktisch, dann brauche ich die Einkäufe nicht mehr nach Hause zu tragen", sagt Gisela Schmitz. Fahrer Hampel ist hilfsbereit und geht ihr beim Anschnallen zur Hand. Auch einen Kindersitz hat er dabei. "Aber da müssen wir Männer noch üben, dass können die zwei Frauen im derzeit 17 Bürger starken Fahrerteam besser", sagt Hampel. Hunde werden auch mitgenommen und Kinderwagen sowieso. Gisela Schmitz möchte später wieder mit dem Bürgerbus zurück fahren und winkt zum Abschied an der Bahnstraße.
Wer schwerbehindert ist und sich entsprechend ausweisen kann, wie der nächste Fahrgast, der vom Rathaus bis zur Schinkelstraße fährt, braucht nichts zu bezahlen. Hampel kennt sich mit den Ausweisen aus, ein kurzer Blick genügt und der Fahrgast kann einsteigen. Nach gut drei Stunden ist für ihn die erste Schicht auf der ersten Bürgerbus-Tour gelaufen. Ein wenig ärgert sich Hampel noch, dass die Rheinbahn von ihm verlangt, eine Tacho-Scheibe, die die Fahrt protokolliert, einzulegen.
Am Boule-Platz übernimmt Burkhard Lenze das Steuer. Der 60-Jährige hat früher bei Mercedes Lkw verkauft und ist in Rente. Routiniert fährt er zurück zum Nordbahnhof. Fahrgäste steigen keine mehr ein. "Es muss sich eben noch rumsprechen", sagt Lenze.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum