Wülfrath: Camp in Lettland
VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010Düsseldorf (RPO). Wülfrather stellen mit Jugendlichen aus vier Nationen auf dem jüdischen Friedhof in Talsi eine Allee wieder her und legen Grabsteine frei. Ein zweites Projekt auf einem verschütteten Friedhof in Darte steht vor dem Aus.
Camp-Teilnehmer
Deutschland Klaus-Peter Rex, Stefan K., Vanessa Hack, Patrick Bangardt, Tina Meisel, Tatjana Hartung.
Lettland Lasma Zeipe, Agnese Ziemele.
Österreich Clemens Lasslesberger, Marie Amler, Klaus Leitgeb. Niederlande, Melanie Ariens, Wouter van Erp, Martijn Cremers, Guus Bertens, Bram de Bont.
Türkei Sercan Kara.
LOT Ein im April 2008 in Wülfrath gegründeter Verein zur Erinnerung an die Shoa und zur Begegnung zwischen Religionen und Völkern.
"Man kann immer mehr machen. Aber mit dem Ergebnis sind wir recht zufrieden", resümierte der Wülfrather Pfarrer Klaus-Peter Rex nach dem 6. Internationalen Friedhofscamp in Lettland, das jetzt zum dritten Mal als Projekt des Vereins LOT stattfand. Unter der Leitung von Rex und Lasma Zeipe aus Lettland waren 15 Jugendliche aus fünf Ländern angetreten, um Arbeiten des letzten Jahres an dem der Zerstörung preisgegebenen jüdischen Friedhof in Talsi fertigzustellen und einige Verschönerungen durchzuführen.
Dann eine Überraschung: Baumreihen in einem verwilderten Areal entpuppten sich als Allee, die ehedem zum Eingang des Friedhofs führte. Das deckte sich mit Mutmaßungen des Letten Janis Billers, der in Abwesenheit der Aktiven auf den wiederhergestellten Friedhof achtete. Beim Freilegen von Grabkammern machten sie eine weitere Entdeckung: Etwa 40 Zentimeter hohe Mauerreste und ein Fundament zum Teil aus Bodenplatten gehörten zu einem Haus, das offensichtlich zur Vorbereitung von Toten diente.
Bei bis zu 35 Grad und häufiger Mückenplage leistete das internationale Team in Talsi Schwerstarbeit. Mit Schaufeln, Harken, Sägen und Macheten, das vor Ort zur Verfügung gestellt wurde, machte es sich ans Werk. "Einen Vorschlaghammer hatten wir aus Wülfrath mitgebracht", erzählte Rex. Eine Vorrichtung zum Aufrichten von Grabsteinen bauten sich die Ehrenamtlichen aus Baumstämmen, die, so Rex, "zum Glück von unserem Camp im letzten Jahr noch da lagen."
Die Hauptarbeit des Friedhofscamps galt der Wiederherstellung der etwa 100 Meter langen Allee. Der Weg zwischen den Baumreihen wurde eingesät. Der Eingang zum Friedhof, der letztes Jahr geschaffen wurde, musste verlegt werden. Auf das offene Tor wurde ein selbst gebastelter David-Stern gesetzt. "Durch die Allee kann man wie eine Königin schreiten", schwärmte Gita Umanowska, die mit einer größeren Abordnung der jüdischen Gemeinde zum Friedhof kam. Sie wunderte sich, dass Jugendliche "so verrückt" sein können, auf einem Friedhof zu arbeiten, noch dazu bei diesen Temperaturen.
Die Camp-Teilnehmer legten einen Naturzaun um den Friedhof an. Sie förderten weitere Grabsteine zutage und versuchten, vorhandene zu reparieren. Die Zahl der insgesamt 2009/2010 gefundenen Steine beläuft sich auf über 200. "Den vergrabenen Friedhof in Darte werden wir wohl nicht in Angriff nehmen. Er ist zu stark bedeckt mit Erdreich und Baumwurzeln. Außerdem müsste eine Straße angelegt werden", sagte Rex zu einem Projekt, das als nächstes angedacht war. Beim Besuch des Geländes fand man einen Hügel mit vielen Steinen und Resten von Baumrodungen. Eine Untersuchung mit Sonden ergab größere Steine in bis 80 Zentimeter Tiefe.
Rex ist Vorsitzender des Vereins LOT. Mitglieder des Beirats sind neben anderen Bürgermeisterin Claudia Panke, Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese, der Künstler Itzchak Belfer aus Tel Aviv, Gita Umanowska von der jüdischen Gemeinde Riga, die Professorin Dr. Evelyn Waldstein aus Ramat HaSharon/Israel, Professor Dr. Friedhelm Beiner von der Uni Wuppertal und die Wülfrather Schauspielerin Dorothea Walda.
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