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Mettmann: Chefs sollten sich bescheiden

VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 11.06.2009

Düsseldorf (RPO). Europawahl, Finanzkrise, Manager-Gehälter, Stammzellenforschung – der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, im Gespräch mit der Wülfrather SPD-Abgeordneten Kerstin Griese.

Die niederbergische Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese und Wolfgang Huber, Vorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschland, auf roten Sesseln.  Foto: RPO
Die niederbergische Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese und Wolfgang Huber, Vorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschland, auf roten Sesseln. Foto: RPO

Wolfgang Huber, der Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Schlesische Oberlausitz, kennt Ratingen nicht nur vom Namen. Denn dort arbeitet und lebt einer seiner Schützlinge: Pfarrer Gerd-Ulrich Brinkmann promovierte bei Huber in Heidelberg. Und schnell war der Bogen gespannt zu den Themen, die jeden Zuhörer in irgendeiner Form betreffen oder interessieren.

Kerstin Griese, die Wülfrather und Ratinger SPD-Bundestagsabgeordnete, hatte in der Talk-Reihe "Griese trifft . . ." den politischen Bischof in das Haus am Turm eingeladen. Die Historikerin gehört der Synode an, dem evangelischen Kirchenparlament. Man kennt sich, man schätzt sich. Und so blieben die Politikerin und der "Sprecher der Evangelischen Kirche" (so Huber) im voll besetzten Saal auch gleich beim "Du".

Info

Griese trifft . . .

Montag, 22. Juni, im Forum Niederberg an der Oststraße 20, in Velbert: Ulla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit (17.30 Uhr).

Donnerstag, 7. Juli, Awo Lintorf, Breitscheider Weg 25: Renate Schmidt, ehemalige Bundesfamilienministerin (14.30 Uhr).

Huber formulierte seine Botschaften im Gespräch mit Griese klar , mitunter pointiert. Die wichtigsten Aussagen hat die RP zusammengefasst:

Europawahl Kirche und Politik haben es laut Huber trotz der Aufrufe nicht geschafft, die Menschen zu erreichen und zu mobilisieren. Dies lag aus seiner Sicht auch an der mangelnden Transparenz der Politik. Hubers These: Der Wähler weiß letztlich nicht, wer was entscheidet und welche Folgen diese Entscheidungen für ihn haben.

Arbeitsplätze Tatenlosigkeit könne angesichts der schweren Unternehmenskrisen (etwa Arcandor) nicht die Devise der Politik sein. Hubers Botschaft: Die Kirche muss den Menschen, die betroffen sind, glaubwürdig vermitteln, dass sie bei ihnen ist. "Dies gilt aber auch für die Entscheidungsträger, die vor gigantischen Herausforderungen stehen", betonte Huber.

Manager-Gehälter Mit Blick auf horrende Rendite-Erwartungen bei Top-Managern (Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann) sagte Huber: "Manche Manager unterschätzen die Signale, die sie aussenden." Es gehe nicht um eine Neid-Debatte, es gehe um den "Augenblick der Selbstbescheidung". Es mache keinen Sinn, das biblische Wort vom Sündenbock zu verwenden.

Schulden Der 68-jährige Theologe sprach sich dafür aus, sehr viel stärker auf die Schuldenbremse zu treten. Seine Kinder und Enkelkindern müssten die gewaltige Last später tragen. Dabei gehe es auch um die nachhaltige Kontrolle internationaler Finanzmärkte.

Bildung und Familie Jeder müsse in der Lage sein, von den Gaben, die ihm anvertraut seien, Gebrauch zu machen, so Huber, der sich dagegen aussprach, die Bildung der Menschen nur als Teil eines Systems zu sehen. Es müsse in der Gesellschaft wieder eine Wertschätzung geben für Familien, für Eltern und Alleinerziehende. "Wir müssen ein Familien-Ethos entwickeln", so Huber.

Pflege Das Waschen eines Menschen werde in der Gesellschaft wie das Wechseln von Winterreifen bewertet,erklärte Huber, der als Professor in Marburg und Heidelberg tätig war. Es gebe für pflegende Berufe keine Wertschätzung. Wenn sich dies – vor allem finanziell – nicht ändere, so werde man gesellschaftlich ins Unglück rasen.

Stammzellenforschung "Menschliche Embryonen dürfen nicht zu Forschungszwecken hergestellt und verbraucht werden", erklärte Huber. Die Stichtagsverschiebung müsse eine einmalige Sache bleiben. Hintergrund: Der Bundestag hatte einer Gesetzesänderung zugestimmt, die deutschen Wissenschaftlern die Arbeit mit neueren Stammzelllinien erlaubt. So dürfen auch Stammzelllinien genutzt werden, die bis zum 1. Mai 2007 im Ausland erzeugt wurden. Bisher war der Stichtag der 1. Januar 2002.

Quelle: RP

 
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