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Mettmann: CO: Schutzkleidung mangelhaft

VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 29.06.2010

Düsseldorf (RPO). Im Fall eines Lecks an der CO-Pipeline wäre die Feuerwehr im Kreis Mettmann schlecht ausgerüstet. Der Sauerstoff reicht nur für 30 bis 45 Minuten. Viel zu wenig Zeit, um Verletzte zu bergen.

Der Verlauf der 67 Kilometer langen Trasse.   Foto: RPO
Der Verlauf der 67 Kilometer langen Trasse. Foto: RPO

Der Kreis Mettmann wehrt sich weiter mit Händen und Füßen gegen die CO-Pipeline. Nach wie vor strittig ist der Alarm- und Gefahrenabwehrplan (AGAP), der im Fall eines Lecks an der 67 Kilometer langen Gasleitung zwischen den Bayer-Werken Dormagen und Uerdingen in Kraft treten soll.

Landrat contra Büssow

In der gestrigen Sitzung desKreisausschusses beharrte Rechtsdezernent Nils Hanheide auf seiner Auffassung, keiner der Beteiligten habe dem AGAP von Bayer zugestimmt. Es habe lediglich einige Arbeitsgruppensitzungen gegeben. "Abstimmen heißt aber nicht zustimmen", sagte Hanheide. Damit stellt sich Hanheide, wie auch Landrat Thomas Hendele in der vergangenen Woche, gegen die Auffassung des Düsseldorfer Regierungspräsidenten Jürgen Büssow. Büssow sagte, der Plan sei zwischen dem Betreiber Bayer MaterialScience AG und den betroffenen Kommunen abgestimmt. Nach wie vor nicht geklärt ist für den Kreis, was im Fall eines Lecks passiert, wenn sich das tödliche, farb- und geruchlose Gas ausbreitet.

Info

AGAP

Der Alarm- und Gefahrenabwehrplan (AGAP) ist von Bayer MaterialScience AG (BMS) zu erstellen. Der AGAP enthält Regelung des Betreibers, welche Maßnahmen er bei Unfällen trifft.

BMS stellt so den Gefahrenabwehrbehörden Informationen zur Verfügung, damit sie für den Ernstfall planen können. Gefahrenabwehrbehörden sind die Kreise Mettmann und Neuss sowie die Düsseldorf, Solingen, Duisburg, Mühlheim, Krefeld und Köln.

Bayer ginge offenbar davon aus, dass Kohlenmonoxid "senkrecht in die Luft steige und der Wind kaum eine Rolle spielt", so Hanheide. Ein Problem habe der Kreis auch mit den "Entspannungsszenarien". Offenbar möchte Bayer im Fall eines Lecks, dass noch in der Pipeline befindliche CO mit einer Betriebsfackel am Standort Dormagen in der Luft verbrennen. Nicht geklärt ist nach wie vor, ob die Bevölkerung mit Sirenen entlang der Pipeline vor Lecks gewarnt wird. Bayer arbeite daran, betreibe das Sirenenprojekt aber nicht weiter, weil die Pipeline noch vor Gericht verhandelt wird.

Erhebliche Bedenken, was die Ausstattung der Feuerwehr betrifft, äußerte Kreisbrandmeister Friedrich-Ernst Martin. Die Sauerstoff-Vorräte der eingesetzten Feuerwehrleute reichten maximal 45 Minuten. Bei einem größeren Leck mit vielen Verletzten in Wohnhäusern viel zu wenig Zeit, um alle Menschenleben zu retten, so Martin. Die Feuerwehr brauche darüber hinaus Spezial-Fahrzeuge, um überhaupt gefahrlos in die Nähe eines Lecks zu fahren. Nach wie vor strittig bleibt auch die Alarmierung. Im Fall eines Lecks, das Bayer selbst erkennt, wird zunächst die Werksfeuerwehr und dann erst die Feuerwehr informiert.

Sonderschutzplan nötig

"Die Bezirksregierung handelt ohne Rücksicht auf Verluste", sagte Klaus-Dieter Völker (CDU). Da sei offenbar eine mächtige Bayer-Lobby aktiv, so Völker weiter. Im Kreis könne man immer nur staunen, was da alles durchgesetzt werde.

Der Kreis Mettmann geht nun offenbar davon aus, dass sich die Bezirksregierung nicht weiter einmischen möchte. Statt dessen sei der Kreis nun angehalten, auf eigene Kappe so genannte Sonderschutzpläne zu erstellen.

Fotos
Nils Hanheide. Foto: RPO
Die in 1,40 Meter Tiefe liegende CO-Pipeline wie hier an der Mettmanner Straße in Erkrath wird ständig überwacht und Sicherheitskontrollen unterzogen. Mehr unter www.rp-online.de/mettmann Foto: RPO
Quelle: RP

 
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