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Mettmann: Das Filmtheater lebt

VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010

Düsseldorf (RPO). In einer Ausstellung im Art-Werk erzählen Ulrike und Gabriele Rosslenbroich die Geschichte des Mettmanner Kinos. Die Eintrittskarten wurden damals gestempelt, im großen Saal ausgelassen Karneval gefeiert.

Gabriele Rosslenbroich mit Bildern und Filmplakaten aus der Glanzzeit des Mettmanner Kinos und mit einer Rolle Eintrittskarten.  Foto: RPO
Gabriele Rosslenbroich mit Bildern und Filmplakaten aus der Glanzzeit des Mettmanner Kinos und mit einer Rolle Eintrittskarten. Foto: RPO

An den Wänden in Gabriele Rosslenbroichs Wohnung haben die fehlenden Bilder ihre Spuren hinterlassen und im Regal fehlen lieb gewonnene Gegenstände. Zahlreiche Erinnerungsstücke aus ihrer Kindheit hat die Mettmannerin gemeinsam mit ihren Schwestern dem Art-Werk anvertraut.

Fotografien, Filmplakate und vergilbte Kino-Kassenbücher sind als Teil der Ausstellung "Lichtspiel" in der Poststraße 7 zu sehen. Gemeinsam mit Filmrollen, roten Samtvorhängen und bequemen Polstersesseln erzählen sie die Geschichte vom Königshof, dem ehemaligen Filmtheater der Stadt.

Requisiten schaffen Atmosphäre

Mit geübten Handgriffen haben Ulrike und Gabriele Rosslenbroich dafür gesorgt, dass sie keine stummen Zeugen sind, sondern etwas von der Atmosphäre des außergewöhnlichen Lichtspiel-Hauses vermitteln. "Zunächst waren es nur Requisiten. Erst als die beiden Damen sie in zueinander in Beziehung gesetzt haben, ist auch ein Stück des Theaters hier eingezogen", berichtet Gabriele von Mauschwitz aus dem Vorstand des Art-Werks.

Info

Die Ausstellung

Die Ausstellung Lichtspiel ist noch bis zu den Osterferien im Art-Werk zu sehen.

Sie ist eine weitere Etappe auf dem Weg des 2008 gegründeten Vereins, Menschen ins Gespräch zu bringen und die Kulturschaffenden in Mettmann miteinander zu vernetzen.

Die Requisiten des Königshofs sind mittwochs bis freitags zwischen 10 und 13 Uhr sowie donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Auf Anfrage bieten die Vereinsmitglieder auch Führungen an. Interessenten können sich direkt im Art-Werk melden.

Kontakt Tel. 02104 286184

Eine Gruppe von Fotos zeigt beispielsweise Funkenmariechen und jede Menge Jecken, die im großen Theatersaal ausgelassen feiern. "Als ich die Bilder nur so im Rahmen gesehen habe, habe ich gedacht, das lebt noch nicht. Es sollte mehr von der Stimmung dieser Riesenveranstaltungen rüber kommen", sagt Gabriele Rosslenbroich. Kurz entschlossen hat sie die Narrenkappen ihrer Mutter und ihres Vaters, der den Königshof gebaut und geführt hat, um die Bilder herumgruppiert. "Dazu ein Sektglas, um etwas von der Geselligkeit spürbar zu machen."

Ebenso hat Gabriele Rosslenbroich aus ein paar Kassenbüchern, einem Telefon aus den 50er Jahren, Stempeln und Kugelschreibern das Büro ihres Vater wieder erstehen lassen. "Die Stempel waren für die Satzkarten. Für jede Vorstellung und jeden Platz gab es eine Karte. Was heute der Computer macht, haben wir gestempelt.

Das sind hier alles Dinge, die wirklich benutzt wurden", erzählt Gabriele Rosslenbroich. Das rote Samt-Kleid, das sie zur Eröffnung am 26. Mai 1954 getragen hat, hängt ebenfalls im Art-Werk. An den Abend selbst erinnert sie sich aber nur noch durch Erzählungen und die schwarz-weiß Fotos. Alle 921 Plätze des Hauses waren besetzt, die Hauptdarsteller des Films "Rosen aus dem Süden" ließen sich feiern und die Mettmanner bestaunten den prächtigen Saal, der in nur 89 Tagen Bauzeit aus dem Boden gestampft worden war. "Dabei hatte es Probleme gegeben, weil das Grundstück an den Mettmanner Bach grenzt und bei Probebohrungen Fließsand entdeckt wurde. Der Saal ruht deswegen auf 58 Betonsäulen. Das hat die ganze Sache erheblich verteuert", erzählt Gabriele Rosslenbroich. Ihrem Vater sei damals noch nicht bewusst gewesen, dass sein Filmtheater eine Nummer zu groß für Mettmann war. "Ein Kölner Intendant hat ihm schon bei der Eröffnung gesagt, man müsse das Haus nach Köln bringen. Dort sei es richtig."

Viel zu groß für die Ausstellung waren die schönsten Relikte: die beiden großen Kristall-Lüster. "Einmal im Jahr haben wir sie zum Putzen herunter gelassen. Wir haben jedes Kristallstück ausgehakt, in warmes Spülwasser getaucht und wieder aufgehängt", erinnert sich Gabriele Rosslenbroich. Die prächtigen Leuchter schlummern gut verpackt in einer Kiste und warten, in altem Glanz zu erstrahlen.

Quelle: RP

 
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