Erkrath: Den Platz im Rudel zuweisen
VON SUSANN KRÜLL - zuletzt aktualisiert: 03.01.2012Erkrath (RP). Die Tierpsychologin Yvonne Rockel verhilft Herrchen und Frauchen zu entspannteren Vierbeinern. Auch in kritischen Situationen sollen die Hunde vorhersehbar reagieren. Schulung findet im Umfeld der Teilnehmer statt.
Bunt gemischter könnte die Gruppe Vierbeiner, die sich an diesem regnerischen Vormittag mit ihren Besitzern auf der "Hundewiese" gegenüber des Sportplatzes an der Grünstraße eingefunden hat, kaum sein: Jagdhund Henry ist Neujahr ein Jahr alt geworden, Bullterrierdame Franzi hat Ende Januar Geburtstag.
Von Golden Retriever Emma ist Frauchen Terpsichori Therianou sicher, dass sie 14 Monate alt ist, bei Labrador-Mischling Dexter nimmt es Agnieszka Wichschnewski an. Sie haben ihn aus dem Tierheim geholt, wo er auf dieses Alter geschätzt wurde.
Alltagssituationen üben
Eins haben alle Vier gemeinsam: Auf Sitz, Platz, Fuß und Abrufen – für nicht Hundebesitzer: das bedeutet "nein" – hören alle bereits ziemlich gut. Immerhin ist es schon der achte von insgesamt zwölf Terminen in dem Anfängerkurs, den ihre Besitzer bei Yvonne Rockel belegt haben.
Vor 3 Jahren gegründet
Vor drei Jahren hat Tierpsychologin und Hundetrainerin Yvonne Rockel ihre Hundeschule "Hundezentrum NRW" gegründet.
Das Einzel- oder Kleinstgruppentraining findet in Spaziergangs- und anderen realen Situationen sowie bei den Besitzern zu Hause statt. Nur in Ausnahmefällen geht es auf den Hundeübungsplatz in Haan.
Kontakt: Tel. 02104 201139, mobil 0179-1174095, E-Mail: schule@hundezentrum-nrw.de.
Alle brachte dasselbe Motiv in ihr "Hundezentrum NRW": Der Wunsch, den Alltag mit ihrem Vierbeiner möglichst stressfrei zu meistern. "Daher finden meine Kurse auch immer im Umfeld der Besitzer statt. Dort, wo beim Spaziergang Begegnungen mit Joggern, Radfahrern oder Inliner-Fahrern genauso 'real live' geübt werden können wie das Abrufen, wenn die Hunde ein Kaninchen oder eine andere Fährte aufgenommen haben," so die Tierpsychologin und Hundetrainerin. Auch Ableinen und Zurückrufen wird geübt, wie Situationen mit Fußgängern und alle Arten von Fahrzeugen.
"Am liebsten ist es uns, wenn Kunden schon kommen, bevor sie sich einen Hund anschaffen. Dann können Grundlagen geklärt und das Umfeld vorbereitet werden, damit es für Hund und Herrchen später stimmt." So musste Emmas Frauchen die Spielkiste wegräumen, aus der sich die Retriever-Hündin nach Lust und Laune bedienen konnte.
Denn nicht der Hund bestimmt, sondern Frauchen und Herrchen, wann und womit gespielt wird. "Yvonne hat mich beim ersten Besuch bei uns darauf aufmerksam gemacht, dass nicht ich um den Hund herum gehen muss, sondern er aufzustehen hat", schmunzelt Henrys Frauchen Nicole Fuhrmann, die gelernt hat, dass dem Hund sein Platz im "Rudel" konsequent zugewiesen werden muss.
"Erziehung wird bei uns über Lob vermittelt. Wir setzen zunächst verstärkt Leckerchen nicht als Belohnung, sondern um Gehorsam zu trainieren, ein," so Yvonne Rockel. Im Kursverlauf wird nach und nach die Leckerchen-Gabe durch die Stimme und das Handzeichen ersetzt. "Yvonnes ruhige Art und der minimale Einsatz von Kommandos hat mir und auch Dexter sofort gefallen," so Agnieszka Wichschnewsk. Sie hat den agilen Labrador-Mischling vorher damit verunsichert, dass sie "permanent auf ihn eingeredet" habe, wie sie schmunzelt zugibt.
"Wenn die Erziehung klappt, hat man einen entspannten Hund, der auch in kritischen Situationen vorhersehbar reagiert. Aber die Besitzer müssen konsequent sein. Denn nur dann hört der Hund", meint Rockel. So ist ihre Schule teils auch eine für Bellos Besitzer.
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