Erkrath: Der Herr der Pläne geht
VON MONIKA SPANIER - zuletzt aktualisiert: 14.03.2008Düsseldorf (RPO). Der Beigeordnete hat heute seinen letzten Tag. Er war in der Stadt Erkrath Leiter der Bauverwaltung sowie Dezernent für Jugend und Soziales.
Der Kaiserhof, die Fußgängerzone Bahnstraße mit Markthalle und viele Kindergärten wurden unter seiner Regie gebaut.Klaus-Dieter Holst hat heute seinen letzten Arbeitstag als Beigeordneter und Technischer Dezernent der Stadt Erkrath. Der 59-Jährige stand für eine vierte Amtszeit nicht mehr zur Verfügung und geht in den Ruhestand. Als er 1984 seinen Dienst begann, da war gerade Kommunalwahlkampf.
In der Auseinandersetzung um die Rettung der Bruchhauser Feuchtwiesen lernte Holst die Politiker aber schnell kennen. Knapp 25 Jahre später stand jetzt die finanzielle Absicherung der Stiftung an, die aus einer alten Schule und den ursprünglich für Gewerbe vorgesehenen Flächen das über die Stadtgrenzen hinaus geschätzte Naturschutzzentrum entwickelt hat. Dabei hätte ein Gewerbegebiet an dieser Stelle wirtschaftlich durchaus eine große Entwicklungschance für die Stadt geboten, meint Holst. Eine Gefahr durch das geplante Neubaugebiet „Kleines Bruchhaus“ westlich der Bergischen Allee sieht er nicht. „Wir füllen die Infrastruktur“, sagt er und hat die Zukunft von Grundschulen und Kindergärten im Blick.
Zur Person
Klaus-Dieter Holst wurde 1948 in Lünen/Westfalen geboren.
Studium von 1970-1975 an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (Fachrichtung Architektur)
1976 erste Staatsprüfung Diplomingenieur, 1979 Große zweite Staatsprüfung Bauassessor
1979-1984 Dienst bei der Stadt Borken/Westfalen: Leiter des Planungsamtes, Leiter des Bauordnungsamtes
15. Dezember 1983 Wahl zum Technischen Beigeordneten der Stadt Erkrath
Spaß an der Aufgabe
An seiner Aufgabe hat Holst die starke Verknüpfung der Ämter und ihre Steuerung gereizt. Das hat ihm Spaß gemacht. 1984 gab’s weder Handy noch Computer. Als Auswirkung der kommunalen Gebietsreform von 1975 fand Holst eine Verwaltung vor, die in der mittleren Ebene „nicht gut“ besetzt war. 1992 bescheinigte ein Gutachter dem Dezernat zwar eine optimale EDV-Ausstattung, das Prädikat galt aber nicht für die Berufsqualifikation im technischen Bereich. „Heute sind das Tiefbauamt und Immobilienmanagement an den Grenzen ihrer Kapazität. Es werden Dinge zurück gestellt, die dringend bearbeitet werden müssten“, sagt der scheidene Dezernent. Die meisten Aufgaben werden extern vergeben. Neue Stellen hat die CDU/FDP-Ratsmehrheit gerade verweigert.
Unter Arno Werner, dem 1999 ersten direkt gewählten Bürgermeister, wurden der über Jahre politisch geforderte Neubau des Kinderhauses Sandheide errichtet, das Gewerbegebiet Bessemer Straße erschlossen, Raumprobleme für Offene Ganztagsschulen gelöst, der Rathaus-Anbau saniert und umgebaut. Die Entwicklung der Neuen Mitte Erkrath wird auch den Nachfolger Fabian Schmitt noch intensiv beschäftigen. „Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die uns sehr gefordert hat“, betont Holst. Dass statt eines Kölner Investors der Erkrather Unternehmer Hasso von Blücher das Projekt vorantreibt, ist für ihn ein Glücksfall.
Verkehrsprobleme bleiben
Die befürchtete Überlastung von Straßen, die das neue Quartier mit sich bringen wird, bestätigt Holst: „Wir sind zu kurz gesprungen. Man hat sich mit den langfristigen Verkehrsproblemen in Alt-Erkrath nicht auseinandergesetzt.“ Ein Stadtentwicklungskonzept aber, wie es die Bürger mit Umweltverantwortung (BmU) fordern, ist für ihn nur theoretischer Diskussionsstoff. „Es kommen dafür zu wenig Flächen in Frage.“
Nach dem Ausscheiden des heutigen Landrates Thomas Hendele aus der Erkrather Verwaltung wurde Holst auch Jugend- und Sozialdezernent. Die Umbrüche im Sozialamt und der Aufbau der Arge haben ihn sehr eingespannt. „Im Jugendbereich brauchte ich wenig Steuerung, das war sehr gut organisiert“, zieht er Bilanz. Das Technische Dezernat hält er für einen Fulltimejob – auch wegen der „hohen Quote“ an Ausschusssitzungen.
Klaus-Dieter Holst wird weiter ehrenamtlich in den Gutachterausschüssen des Kreises Mettmann und der Stadt Düsseldorf tätig sein. Dort geht es um die Bewertung von Grundstücken und Gebäuden im Zusammenhang mit Entschädigungen für Flughafen-Betroffene oder Erbstreitigkeiten. Seine neu gewonnene Freizeit wird er für Kurzurlaube nach Rom oder Barcelona nutzen. Mit Freunden möchte er wieder einmal entlang der Donau radeln. Die Ratspolitik wird er vielleicht als Zaungast verfolgen – Holst bleibt in Erkrath wohnen.
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