Erkrath: Der neue Bürgerbus ist schon da
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 13.08.2010Düsseldorf (RPO). Am 30. August wird in Alt-Erkrath der neue Bürgerbus verkehren. Gefahren wird der Mercedes-Sprinter von geschulten Ehrenamtlern. Die mussten extra eine Fahrprüfung ablegen sowie ärztliche Atteste vorlegen. Nicht alle haben auf Anhieb bestanden.
Gesehen, gefahren, getestet und für gut befunden haben die Mitglieder des Erkrather Bürgerbusvereins "ihren" neuen Mercedes-Sprinter schon. Ab dem 30. August wird der Bürgerbus in Alt-Erkrath seinen Betrieb aufnehmen. Einmal pro Stunde zum Preis von 1,50 Euro pro Fahrt geht er auf die Reise zwischen den Wohnbezirken im Norden und Süden sowie dem Zentrum und dem Nordbahnhof der Regiobahn.
Der Bürgerbus soll Lücken im Öffentlichen Nahverkehr schließen und so den Ortsteil lebenswerter machen und seine Einwohner unterstützen. Rund 55 000 Euro hat der mit acht Sitzplätzen ausgestattete Mercedes-Sprinter gekostet. Einen Rollstuhl können die ehrenamtlichen Fahrer auch mitnehmen. "Aber nur, wenn der Rollstuhlfahrer auch selbstständig einsteigen kann", sagt Jürgen Hampel. Der Vorsitzende des Bürgerbusvereins ist stolz, dass die jahrelange Arbeit endlich mit Erfolg gekrönt wird. Viele Hürden galt es zu überwinden. So musste die Politik überzeugt werden, dass der Bürgerbus auch durch die Fußgängerzone an der Bahnstraße fahren darf. Das Argument der Händler, man verspreche sich so mehr Kundschaft, hat gezogen.
Stadt springt ein
Seit 1996 kämpft der Verein unter dem Vorsitz von Jürgen Hampel für den Bürgerbus. Ziel ist es, die die weniger mobilen Menschen aus den Außenbezirken in die Stadt zu holen, um so für mehr Leben zu sorgen.
Die Kosten für den Bus in Höhe von 55 000 Euro werden mit 30 000 Euro aus Fördermitteln des Landes bezahlt. 25 000 Euro schießt die Rheinbahn zu. Die Stadt musste eine Patronatserklärung abgeben, um im Falle eines Defizits einzuspringen. Die Organisatoren hoffen aber, den Fehlbetrag unter 1000 Euro halten zu können.
Hohe Anforderungen
In den vergangenen Wochen war es vor allem die Ausbildung und Eignung der ehrenamtlichen Fahrer, die Hampel ein paar Sorgen gemacht haben. Die Anforderungen an die Fahrer, die im Öffentlichen Nahverkehr tätig sind, sind hoch. Zunächst war eine ganze Menge Papierkram und Formalitäten zu erledigen. Von ursprünglich 33 Erkrathern, die bereit waren am Steuer zu sitzen, sind nun 17 übriggeblieben. Einige sind aus Krankheitsgründen, andere aus Altersgründen abgesprungen. Die übrig Gebliebenen müssen den neuen EU-Führerschein haben. Die Umschreibung kostet 23 Euro. Dazu kommt ein polizeiliches Führungszeugnis (13 Euro) und ein Personenbeförderungsschein, der 42,60 Euro kostet. Diese Auslagen ersetzt der Bürgerbusverein den Fahrern.
Um als Fahrer zu gelassen zu werden, wird ein Auszug aus der Flensburger Verkehrssünderkartei verlangt. Wer schon Punkte gesammelt hat, empfiehlt sich nicht gerade. Mehr als 60 Euro kostete eine Untersuchung durch einen Arzt der Rheinbahn. Zu guter Letzt werden die Fahrer auf einem Seminar mit abschließender Fahrprüfung geschult. "Da ist auch schon mal einer durchgefallen", sagt Jürgen Hampel. Nach 30 bis 40 Jahren fahre man nun mal nicht mehr so, wie in den ersten Fahrstunden.
Die Rheinbahn sei da ganz penibel. Schraffierte Linien sollte man nicht überfahren, bei unbeschrankten Bahnübergängen sollte man vor dem Überqueren nach links und rechts schauen. Jürgen Hampel hat die Prüfung übrigens bestanden. Auch wenn er in einer Tempo 30-Zone schon mal fünf Stundenkilometer zu schnell gefahren ist.
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