Bauernhofserie - Teil 6: Die Kehrseite der Landidylle
VON NICOLE SCHARFETTER - zuletzt aktualisiert: 21.07.2012Mettmann (RP). Hans-Dieter Ostmann war als Kind Erntehelfer. Er las mit seiner Mutter Ähren und sammelte Kartoffeln ein. Oft hatte der damalige Schüler Muskelkater und Rückenschmerzen. Selbst Luftangriffe erlebte er auf dem Feld.
Früher war alles besser, die Luft frischer und die Kinder hatten noch Zeit, ihre Freizeit zu genießen. Nicht ganz, denn vor allem während und nach dem Zweiten Weltkrieg tummelten sich zahlreiche Kinder auf den Feldern in und um Mettmann. Hans-Dieter Ostmann war Erntehelfer, nach der Schule sammelte er Kartoffeln ein und las Ähren.
Die Körner durfte der damals Zehnjährige behalten und bei Bauer Hartmann kostenfrei zu Mehl verarbeiten lassen. Bei der Kartoffellese erhielt der Schüler einen Tageslohn, der aus einem Sack Kartoffeln oder sieben Mark bestand. Der Krieg hatte viele Folgen, auch begrenzte Lebensmittel und Essensmarken. Eine sechsköpfige Familie zu ernähren, war zu dieser Zeit nicht einfach.
Gemüse-Duell
Die fleißigen Kinder und Jugendlichen trafen sich nach Abschluss der Ernte zu so genannten "Stoppelschlachten".
Sie rissen Überreste der Ernte samt Erde heraus und duellierten sich. "Unsere Schlachten waren aber meist sehr kurz", sagt Hans-Dieter Ostmann, denn es war eine sehr staubige und dreckige Angelegenheit.
In Gräben versteckt
"Im Sommer und Herbst halfen meine Mutter und ich bei der Ernte auf den Feldern der Nachbarschaft", sagt Ostmann, der seine Ausbeute an die Familie abtrat. Ein Sparschwein kannte der heute 78-Jährige nicht, denn auch das hart verdiente Geld floss in den Haushalt ein. "Während der Fliegerangriffe waren wir ebenfalls auf den Feldern. Wir versteckten uns dann in den Gräben", erzählt er. Muskelkater und Kreuzschmerzen waren nach getaner Arbeit inbegriffen. Später kümmerte sich Ostmann gemeinsam mit seinem Vater um den heimischen Garten.
Möhren, Zwiebeln, Bohnen und Kartoffeln pflanzten sie, die Ernte bereicherte so manches Abendessen der Familie. "Für uns war das immer ein reiner Nutzgarten", sagt der heutige Rentner, der auch nach dem Tod seines Vaters weiterhin die Gewächse betreute. Heute hat Ostmann ein liebevolleres Verhältnis zur Gartenarbeit. "Es ist ein Hobby geworden", sagt er, einen Garten hat er aber mittlerweile nicht mehr.
Auf seinem Balkon hegt und pflegt der Rentner Blumen und Kräuter. Petersilie und Rosmarin aus seinen Töpfen finden häufig Verwendung in der Küche von Familie Ostmann. "Ich mähe aber auch den Rasen von Freunden und schneide bei ihnen die Hecken", erzählt Ostmann, der mit seinen 78 Jahren immer noch gern an der frischen Luft ist.
Reste werden verwertet
Hans-Dieter Ostmann kennt die harte Arbeit auf dem Feld und geht heute noch sehr bewusst mit seinen Lebensmitteln um. "Wegschmeißen kommt bei uns nicht in Frage. Die Reste werden immer verwertet", sagt er, denn in seiner Kindheit war die Vorratskammer nur selten gut gefüllt.
Die Liebe zur Natur ist ebenfalls geblieben, weder Wind noch Wetter können den rüstigen Rentner davon abhalten, ins Grüne zu gehen. "Bewusst gelernt habe ich das alles aber nicht, geprägt hat mich die Zeit aber in vielerlei Hinsicht", sagt Ostmann, der auch schöne Erinnerungen an die Zeit auf den Feldern hat.
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