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Wülfrath: Die letzten Tage einer Klinik

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 29.12.2006 - 10:36

Düsseldorf (RPO). Es ist ziemlich still geworden am Empfang des Herminghaus-Stifts in Wülfrath. „Sonst klingelt vormittags hier um diese Uhrzeit pausenlos das Telefon“, sagt Ursula Prinz, die im Eingang die wenigen Patienten betreut, die das Krankenhaus in diesen Tagen noch besuchen. Zum 31. Dezember schließt die Klinik endgültig ihre Pforten.

Ein leerer Gang auf einer der Stationen der Klinik Herminghaus Stift.  Foto: Werner Gabriel
Ein leerer Gang auf einer der Stationen der Klinik Herminghaus Stift. Foto: Werner Gabriel

Dann wird es in dem einstigen 100-Betten-Haus nur noch an fünf Tagen in der Woche eine Ambulanz geben. Und auch die wird nur von acht bis 18 Uhr besetzt sein. Später soll auf dem Gelände eine geriatrische Reha-Klinik zur Behandlung betagter Patienten gebaut werden.

Es ist nicht das erste Krankenhaus, das in Nordrhein-Westfalen dicht macht, und es wird auch nicht das Letzte sein. Sparzwänge im Gesundheitssystem, Tariferhöhungen für das Personal und die Umstellung von Tagessätzen auf Fallpauschalen haben den Konkurrenzkampf auf dem Gesundheitsmarkt verschärft. So mussten zum Beispiel in diesem Jahr schon ein Krankenhaus in Wetter und das Bethesda-Krankenhaus in Essen schließen.

Martin Mackenberg-Hübner, Sprecher des Krankenhausträgers Kliniken St. Antonius in Wuppertal, bemüht sich, die positiven Aspekte in Wülfrath hervorzuheben „Immerhin geht es hier weiter, zwei Ärzte bleiben. Weitere Kollegen werden ambulant operieren, und wir werden sogar einen Computer-Tomographen anschaffen.“

Zwei Stockwerke höher spricht Ernst Kristen eine ganz andere Sprache. „Dass die das Krankenhaus dicht machen, ist eine Riesen-Sauerei.“ Der 74-Jährige gehört zu den letzten Patienten, die hier noch auf der „Inneren“ betreut werden. An Heiligabend ist der Senior eingeliefert worden. „Mein Herz“, erklärt der Rentner. „Ich dachte, meine Brust platzt.“ Ernst Kirsten ist schon mehrfach im Herminghaus-Stift als Patient aufgenommen worden, und er hat die Geschichte des Krankenhauses in den vergangenen Jahren stets aufmerksam verfolgt. „Ich war mit der medizinischen Betreuung immer zufrieden“, berichtet der betagte Patient. „Ich kann nicht verstehen, warum man eine Einrichtung schließt, in die soviel Geld investiert worden ist.“

Tatsächlich ist die Station, in der der 74-Jährige liegt, erst vor drei Jahren saniert worden, nachdem der neue Träger aus Wuppertal das Hospital von dem alten Träger, an dem die Stadt und eine evangelische Kirchengemeinde beteiligt waren, übernommen hatte. „Wir hatten zum Zeitpunkt der Übernahme vor acht Jahren daran geglaubt, dass das Krankenhaus eine Zukunft hatte“, versichert Martin Mackenberg-Hübner. „Aber letztlich haben die Patienten mit den Füßen abgestimmt."

Zum Schluss betrugen die Kosten pro Patient 3100 Euro, 400 Euro mehr als im Landesschnitt - fast so viel wie in einer Universitätsklinik. Einen Grund für das Scheitern sieht Mackenberg-Hübner aber auch darin, dass es nicht gelungen sei, die niedergelassenen Mediziner am Ort mit ins Boot zu nehmen, um so Patienten im Stift kostengünstiger behandeln und betreuen zu können.

Aber auch dann hätte das kleine Haus, das zuletzt auf eine Station geschrumpft war, es schwer gehabt, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Die Bürger in Wülfrath kämpften trotzdem vehement für ihr Krankenhaus. Als vor Jahren wieder einmal Schließungspläne kursierten, bildeten sie sogar eine Menschenkette rings um das Gelände der Klinik.

Viele Einheimische können es immer noch nicht glauben, dass zum Jahreswechsel nun endgültig Schluss sein soll. „Fast jedes Jahr gab es Gerüchte, dass geschlossen werden soll“, sagt Krankenschwester Elke Kurschinski (39). „Vielleicht kann ich mir deshalb immer noch nicht vorstellen, dass es nun tatsächlich soweit ist.“

Die Wülfrather müssen künftig mindestens bis nach Mettmann, Wuppertal oder Velbert fahren, wenn sie in ein Krankenhaus müssen. Das ist zwar keine Weltreise. „Aber eine stationäre medizinische Versorgung vor Ort wird es künftig nicht mehr geben“, stellt Professor Alois Huning, Vorsitzender des Fördervereins Heminghaus-Stift fest. „Mir tut es vor allem für die älteren Patienten leid, die kein eigenes Auto haben. Für sie wird der Weg zum Krankenhaus nun viel umständlicher.“

Eine weitere Anfahrt werden auch viele Bedienstete des Krankenhauses haben. Immerhin wurde niemand entlassen. Empfangsdame Ursula Prinz etwa wechselt ins nahe Neviges. „Trotzdem fällt der Abschied schwer“, bekennt die 46-Jährige. „Wir waren hier doch alle eine große Familie.“

Quelle: RP

 
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