Mettmann: Die Spielplatz-Unternehmer
VON NICOLE SCHARFETTER - zuletzt aktualisiert: 04.08.2012Mettmann (RP). Langeweile ist auf dem Mettmanner Bauspielplatz ein Fremdwort. Seit vielen Jahren lädt das Jugendamt in den Sommerferien daheimgebliebene Kinder zum Budenbauen an der Laubacher Straße ein.
Trotz der vielbefahrenen Bundesstraße 7 ist schon aus großer Ferne Gepolter und Gehämmer zu hören. Ein bisschen versteckt liegt der Bauspielplatz zwar, wer aber den Klängen der fleißigen Arbeiter folgt, wird schnell fündig. Ein bunt bemaltes Holzschild mit den Worten "Bretter, die die Welt bedeuten" empfängt schließlich Kinder, Eltern, Besucher und Betreuer, die seit vielen Jahren in den Sommerferien an der Laubacher Straße willkommen sind.
Eine richtige Stadt
Der große asphaltierte Hof am KHG scheint zunächst wie ausgestorben. Vereinzelt huscht ein Kind mit einem Stück Holz oder Werkzeugen vorbei und verschwindet gleich wieder. Aber woher kommen die vielen Stimmen, das Kichern und die Bohr- und Klopfgeräusche? Ein Blick nach links vorbei am Werkzeugstand und dem Erste-Hilfe-Zelt beantwortet auf einen Schlag alle Fragen. Zwischen einer Ansammlung von Einwegpaletten und Holzlatten tummeln sich fleißige Kinder und eine Hand voll Betreuer, die aus dem Material eine richtige kleine Stadt bauen. In fast schwindelerregender Höhe sitzen die vier Freunde Nils (13), Olaf (11), Jan (10) und Julien (11). An dem zweistöckigen Konstrukt haben sie ein Schild mit der Aufschrift "Hotel" angebracht. Ohne einen Bauplan haben sich die Jungs zu Beginn der Sommerferien an die Errichtung ihres ganz eigenen Hotels gemacht. Die Idee dazu hatte Nils, der als Ältester in den vergangenen Wochen auch die Bauleitung übernommen hat.
Ein fairer Tausch
Jeden Tag bekommen die Kinder auf dem Bauspielplatz Werkzeuge ausgeliehen. Damit Langfinger nicht in Versuchung geraten, Hammer und Schraubenzieher einzustecken, hinterlegen die jungen Bauarbeiter einen Pfand. Der Tischtennisschläger, das Lieblingskuscheltier oder der Fahrradhelm werden an der Werkzeugausgabe hinterlegt und am Ende des Tages wieder zurückgetauscht. Wertgegenstände wie Geld oder Schmuck werden nicht angenommen.
Eine Dachterrasse, ein Wohnraum und ein kleiner Kiosk sind unter anderem im Hotel integriert und die Haupteinnahmequellen der vier Freunde. Denn umsonst gibt es in der Bauspielplatz-Stadt gar nichts. "Wir haben aber eine eigene Währung", erklärt Jan, der ein gut gefülltes Glas mit Bügelperlen in die Luft streckt.
Feilschen und Handeln
Der Hunger treibt Nils, Jan, Olaf und Julien runter von ihrer Baustelle und hinaus in die "Stadt". Soeben hat der Waffelstand eröffnet und für 36 Perlen gibt es sechs Waffeln, die fair aufgeteilt werden.
Einmal Hammer und Nägel hingelegt, nehmen sich die Freunde noch ein bisschen Zeit und machen eine kleine Führung über den Bauspielplatz. "Gegenüber von unserem Hotel ist ein Spielzeugladen", sagt Olaf. "Und die Mettmanner Feuerwehr ist gleich um die Ecke", fügt Jan hinzu, der ein großer Fan der Feuerwehr-Bude ist. Zählen können die Jungs die vielen Bauwerke nicht mehr, aber den Überblick über ihr "Geld" behalten sie immer. 4401 Perlen sind es mittlerweile und es werden täglich mehr. "Unsere Freunde bekommen bei uns Freundschaftspreise", sagt Olaf, der auch schon mal mehr verlangt, wenn etwas zu Bruch geht.
In der fünften Ferienwoche fahren Jan, Olaf und Nils in den Urlaub. Danach ist ein Ausbau ihres Hotels geplant.
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