Mettmann: Die Zeit des Pfennigabsatzes
VON ULLA PANTEL - zuletzt aktualisiert: 12.08.2008Düsseldorf (RPO). Der Schuhmachermeister Horst Urban arbeitet seit 52 Jahren in seinem Geschäft an der Bismarckstraße. Seine Ehefrau hat ihn jahrelang in der Werkstatt unterstützt.
Es gibt nur wenige Geschäfte, an denen der Zeitgeist spurlos vorüberzugehen scheint. Ein solcher Ort ist die Schuhmacherwerkstatt von Horst Urban an der Bismarckstraße 10. In den alten Regalen warten noch zahlreiche Herrenschuhe von zeitloser Solidität auf Käufer. Der 75-jährige Schuhmachermeister übt hier sein Handwerk seit 52 Jahren aus. Nach der Meisterprüfung hat er das Geschäft von seinem damaligen Chef übernommen.
Ledersohlen gibt es kaum noch
Inzwischen betrachtet Horst Urban seine Tätigkeit als Hobby. Es gibt nur noch wenig zu tun. „Die Schuhe heutzutage mit den angegossenen Sohlen und die Turnschuhe werden nach einem Jahr einfach weggeworfen. Schuhe mit Ledersohlen gibt es kaum noch.“ Die besten Geschäftsjahre waren für Horst Urban zwischen 1960 und 1985. „Damals trugen die Damen noch Schuhe mit Absätzen“, erzählt er. „Da gab es immer viel zu reparieren und wir haben gut verdient.“ Aus seiner Werkstatt holt er eine Schachtel mit winzigen Pfennigabsätzen aus Messing. „Das waren die berühmten Absätze, die immer das Parkett kaputtgemacht haben. Die mussten mit zwei winzigen Nägeln befestigt werden. Darauf war meine Frau spezialisiert.“
In Breslau geboren
Horst Urban wurde 1933 im Kreis Breslau/Schlesien geboren. Seit 1946 lebt er in Mettmann und beginnt 1948 seine Ausbildung als Schuhmacher.
1952 heiratet er seine Frau Else und wird Vater. 1960 absolviert er die Meisterprüfung und übernimmt die Werkstatt in der Bismarckstraße.
Ehefrau Else Urban hatte viele Fertigkeiten von ihrem Mann gelernt und ihn jahrzehntelang in der Werkstatt tatkräftig unterstützt. „Die gute Ehe mit meiner Frau hat viel zum Erfolg des Geschäfts beigetragen. Früher gab es einmal 25 Schuhmacher in Mettmann, fünf allein hier auf der Bismarckstraße,“ erzählt er. „Inzwischen gibt es nur noch drei in ganz Mettmann.“ In der Familie Urban gehört das Erlernen des Schuhmacherhandwerks vom Ur-Urgroßvater bis zum Enkelsohn zur Familientradition. „Meinem Enkel möchte ich die Übernahme des Geschäfts aber nicht zumuten. Es ist gut, dass er als Orthopädie-Schuhmacher eine Anstellung hat.“
Nach Flucht vor den Russen und der Vertreibung aus Schlesien war Host Urban mit Mutter, Tante und Onkel 1946 als 14-Jähriger in Mettmann gelandet. Ein Pappkarton mit Kleidungsstücken war alles, was von einem gutsituierten Leben im Kreis Breslau geblieben war. „1987 und 1988 war ich noch mal in der alten Heimat. Da haben wir ausgegraben, was wir damals verbuddelt hatten. Das Schuhmacherwerkzeug war noch vollständig erhalten. Nur die Wäsche war verrottet.“ Beim Bauern Langensiepen in der Außenbürgerschaft hatte die Familie Unterkunft und Brot gefunden. Horst Urban denkt allmählich darüber nach, sein Geschäft einmal zu schließen. „Ich möchte schließlich nicht hier rausgetragen werden.“
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