Erkrath: Dobermann läuft vor BMW
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 20.05.2008Düsseldorf (RPO). Prozess: Rund 3000 Euro Sachschaden soll ein Hund verursacht haben, als er unbeaufsichtigt über die Straße lief.
Das Mettmanner Amtsgericht ließ Speichel und Haare an der Beule untersuchen, um die Schuldfrage zu klären.Haftpflicht
Die Besitzer des Hundes gaben an, eine Hundehalter-Haftpflicht-Versicherung abgeschlossen zu haben.
Allerdings behaupten die Halter vor Gericht, ihr Hund wäre nicht in den Unfall am 6. Juni 2006 in Erkrath verwickelt gewesen.
Dobermänner gelten als sehr sensible, aufmerksame Hunde und brauchen viel Bewegung. Etwas zu viel bewegt und womöglich in die falsche Richtung hat sich vor fast zwei Jahren ein Erkrather Dobermann, der auf den schönen Namen Heros (Held) hört. Am 6. Juni 2006 soll der etwa 40 Kilo schwere Großpinscher auf der Sandheider Straße in die Fahrertür eines vorbeifahrenden 3er BMW gelaufen sein.
Tier war unverletzt
Das behauptet zumindest der Besitzer des BMW, der nun vor dem Mettmanner Amtsgericht die Besitzer des Hundes verklagt. Kein Wunder: Der Mann möchte die 3000 Euro Reparaturkosten für die dicke Beule in seiner Tür nicht aus eigener Tasche bezahlen. Der Hund soll nach dem unglücklichen Zusammenstoß in Erkrath sofort das Weite gesucht haben. Also machte sich der BMW-Fahrer in der Sandheide selbst auf die Suche und fragte in der Nachbarschaft nach einem„großen, schwarzen Hund“.
Groß war aber auch das Erstaunen der Hundehalter, als der BMW-Fahrer gemeinsam mit der Polizei auf der Matte stand. Ausgerechnet ihr Heros sollte für den Unfall verantwortlich sein? Erstaunlich: Die Besitzer fanden das Tier nach eigenen Angaben völlig unverletzt in ihrem Garten vor. „Wir haben den abgetastet, der hatte gar nichts, dem ging es prima, der war super drauf“, sagte der Ehemann der Hundehalterin gestern vor Gericht.
Und war der Dobermann „Heros“ überhaupt allein und so ganz ohne Aufsicht auf der Straße? „Nein, der hat die ganze Zeit mit meinem Neufundländer auf der Wiese gespielt“, sagte eine Nachbarin, die als Zeugin geladen war.
Proben heimlich entnommen
Aussage hin, Aussage her – am Ende zählen die Fakten. Ein Gutachter hat zwei Tage nach der Kollision den BMW genau unter die Lupe genommen. In der Beule konnte er Speichel sowie Hundehaare mit einem Ohrenstäbchen vorsichtig entfernen und an ein Labor weiterleiten. Ergebnis: Mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu zwei Millionen stammen der Speichel und die Haare von Heros.
Für die Hundehalter ist das Gutachten aber ein ganz klarer Fall: Der BMW-Fahrer soll sich lange nach dem Unfall heimlich an den Hund „Heros“ herangemacht haben, um an dessen Speichel und Haare heranzukommen. Beides habe der BMW-Fahrer dann später an der Beule seiner Fahrertür aufgetragen, um Hund und Halter des Unfalls zu beschuldigen.
Nicht nur dem Amtsrichter erschien diese Darstellung der Ereignisse jedoch äußerst fragwürdig. Zumal der Gutachter eindeutig die Abdrücke einer Hundeschnauze in der Beule erkannt hatte. Nun sollen noch weitere Zeugen vernommen werden, bis bald ein Urteil gefällt wird.
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