Wülfrath: Dramatische Krimi-Lesung
VON ULLA PANTEL - zuletzt aktualisiert: 28.02.2009Düsseldorf (RPO). Samir Kandil entführt sein Publikum in die Welt verbrecherischer Energie.
Das Multitalent hat eine Schauspielausbildung, erhielt als Videoregisseur einen Preis, schreibt und musiziert.Minikrimi-Wettbewerb
Ausgewählte Beiträge eines Minikrimi-Wettbewerbs der Süddeutschen Zeitung bildete die Grundlage der erfolgreichen Anthologie "Lilly muss sterben".
Darin sind zwei Beiträge von Samir Kandil enthalten.
Im Folgeband "Gefährliche Gewässer" ist er mit vier Geschichten vertreten.
Die Bände sind beim Lerato-Verlag erschienen.
Samir Kandil lebt in Düsseldorf.
Als vor knapp sechs Jahren der erste Neanderländer durch die Städte des Kreises Mettmann zog, hatte er die Rolle eines Wanderers, der unterwegs Geschichten sammelt und sie von Ort zu Ort weiterträgt. Damals war er ein Fremder, der plötzlich auftauchte und wieder verschwand, ohne seine wahre Identität zu verraten. Eine Vorliebe für gute Geschichten hat Samir Kandil, der Neanderländer von damals, auch heute noch und er schreibt sogar selbst welche.
Mona und Klaus Stecher (Klasté), hatten für eine "dramatische Krimi-Lesung" unter dem Motto "Totsicher, Liebling!" ihr Haus zur Verfügung gestellt. Dort entführte Kandil sein Publikum in die Welt der kriminellen Energie hinter bürgerlicher Fassade, umrahmt von fragmenthaften Bildern des Malers.
Sechs Mini-Dramen
Fragmente, die sich wie Puzzleteile zu einem Ganzen fügen, kennzeichneten auch die sechs Minidramen, die Samir Kandil aus den Anthologien "Lilli muss sterben" und "Gefährliche Gewässer" vorstellte. Drei davon stammten aus eigener Feder. Dabei war es für die Zuhörer eher vergnüglich als gruselig, wenn der ausgebildete Schauspieler mit polternder Stimme etwa den windigen Anwalt Krassos mimte.
Fast unmerklich leitete Samir Kandil sein Publikum von anfangs recht bodenständig-kuriosen Geschichten hin zu Geschichten mit zunehmend karikaturhaften und surrealen Zügen. Dazu gehörte etwa das Minidrama von einem chinesischen Teemeister, der seinen Schüler 15 Jahre lang über die Frage meditieren lässt: "Wenn du eins mit allem wärst, wie würdest du den Tee bereiten?"
Viel Gelächter gab es bei Kandils Drama "Beirut" um ein hoffnungslos stümperhaftes Gaunerpärchen. Zwecks Ausbeutung gestresster Manager müht es sich vergeblich, sich in "Fürstin der Finsternis" und "Unerbittlicher Prediger" zu verwandeln. In seiner Geschichte "Poetic Herzblut Nr. 15" lässt er ein Pärchen eine verirrte Romanfigur finden, die die Beiden sorgfältig verschnürt beim zuständigen Verlag abgeben.
"Der Storyteller"
Samir Kandil ist ein Multitalent. 1999, ein Jahr nach Beendigung seiner Schauspielausbildung, schrieb er die Einmanntragikomödie "Der Storyteller", die im Deutschen Theaterverlag erschien. Mit sich selbst in der Hauptrolle brachte er sie mehrfach zur Aufführung. Kandil arbeitet gerne Medien übergreifend.
Als Videoregisseur erhielt er 2008 bei der Verleihung des Kurzfilmpreises der Stadt Mannheim den Spezialpreis der Jury. Als Musiker ging er mit dem "Frankie Schuster Karawanengott Band Projekt auf Tournee.
Demnächst tritt er in der Berliner Brotfabrik mit der Ein-Mann-Show "Ich wär' dann Ihr Gegner, Mr. Bond!" auf, einer Mischung aus Spielshow, Stand-up Act und Literaturseminar.
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