Mettmann: Drogen: Einstieg immer früher
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 04.07.2007Düsseldorf (RPO). Die Szene trifft sich auf dem Mettmanner Jubiläumsplatz und an der Talstraße.
Dirk Drögekamp, Leiter der Caritas-Suchthilfe, warnt vor einer Verharmlosung von Cannabis.mettmann/wülfrath Die Zahl der Alkohol- und Drogenabhängigen in Mettmann und Wülfrath ist in den letzten Jahren nahezu konstant geblieben, sagt Dirk Drögekamp (52), seit fünf Jahren Leiter der Caritas Suchthilfe. 80 Drogenabhängige zählt Streetworker Peter Rieder (58) allein in den beiden Städten, darunter viele, die mischabhängig (Alkohol und illegale Drogen) sind. Die Zahl der Alkoholkranken lässt sich nicht beziffern. Sie ist noch höher.
Geändert hat sich das Alter der Abhängigen: „Immer mehr junge Leute im Alter von 15 und 16 Jahren konsumieren Cannabis “, sagt Drögekamp. Er ärgert sich darüber, wenn Haschisch und Marihuana als „weiche Droge“ bezeichnet werden, die nicht abhängig machen oder keine Nebenwirkungen haben würden. „Das ist gefährlicher Quatsch. Die Merk- und Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Cannabis-Konsumenten sind unruhig, unkonzentriert und Stimmungsschwankungen unterworfen.“ Die heutigen Cannabis-Produkte hätten eine viel höhere Wirkstoffkonzentration als vor 30 Jahren. „Was damals 0,3 Liter Bier waren, sind heute 0,3 Liter Schnaps“, so der Vergleich des Suchthilfeleiters.
Caritas-Suchthilfe
Angebote: Beratung für Betroffene und Angehörige, Prävention, Streetwork, Betriebliche Suchtberatung, Betreutes Wohnen, Vermittlung stationärer Akutbehandlung.
Mitarbeiter: Neun plus Honorarkräfte.
Sprechstunden: mi. 14 -18 Uhr in Wülfrath, fr. 9-11 Uhr Mettmann. Info: Tel. 02058-78020
Sauf- und Flatrate-Partys
Auffallend ist auch, dass Jugendliche heute früher mit Alkohol in Berührung kommen als noch vor zehn Jahren. Alcopops sind schon bei Zwölf- und Dreizehnjährigen „in“, Sauf- und Flatratepartys ebenfalls. Die Caritas versucht in Schulen und in Kneipen vor dem exzessiven Konsum von Alkohol zu warnen. Sie weiß, dass sich ihre Klienten vorzugsweise auf dem Mettmanner Jubiläumsplatz und an der Talstraße aufhalten. Dort wird nicht nur konsumiert, sondern auch gedealt. Drögekamp kann Menschen verstehen, die sich vom Anblick der Saufgelage gestört fühlen. Schlägereien unter Betrunkenen – wie in der letzten Woche am Jubi – sind nichts Ungewöhnliches. „Ordnungsamt und Polizei können Platzverweise aussprechen. Gelöst wird das Problem dadurch freilich nicht. Die Szene verschiebt sich an andere Orte“, sagt Drögekamp. Die Suchthilfe versucht mit den Abhängigen ins Gespräch zu kommen, vermittelt Entzugs- und Therapieplätze in Kliniken und bietet mit Erfolg Betreutes Wohnen in Mettmann und in Wülfrath an.
Die Kooperation mit der Polizei, so Drögekamp, soll ausgebaut und verbessert werden. „Wir bitten die Ordnungshüter, nach Festnahmen an die Betroffenen Flyer zu verteilen, auf denen sie Ansprechpartner der Suchthilfe finden.“ Das funktioniert aber nur, wenn die Abhängigen ihren Rausch ausgeschlafen haben.
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