Erkrath: Ehrenamtler am Steuer
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 21.08.2010Düsseldorf (RPO). Ab dem 30. August verkehrt stündlich ein Mercedes-Sprinter zwischen den hügeligen Alt-Erkrather Stadtteilen. Am Steuer sitzen ausgebildete Ehrenamtler, darunter auch zwei Frauen. Eine Fahrt kostet 1,50 Euro.
Es ist gerade mal zwei Jahre her, da stand der Erkrather Bürgerbusverein kurz vor der Auflösung. Als zähflüssig und langwierig hatte sich die Verwirklichung der 1999 erstmals vorgestellten Idee herausgestellt, die hügeligen Alt-Erkrather Stadtteile im Norden und Süden mit einem Bürgerbus zu verbinden. Politiker zögerten zunächst damit, dass die Stadt Kosten für die Haltestellen und ein eventuelles Defizit des Bürgerbusbetriebs übernimmt.
Doch gestern gab es vor dem Rathaus nur zufriedene und fröhliche Gesichter. Von der Rheinbahn erhielten Jürgen Hampel und Dieter Becker vom Bürgerbusverein offiziell den Schlüssel für den nagelneuen Mercedes-Sprinter. Der schneeweiße Acht-Sitzer mit extrabreiter Tür und Klimaanlage soll ab dem 30. August die nördlichen und südlichen Erkrather Stadtteile mit dem Zentrum verbinden.
Fete am 29. August
Morgen in einer Woche soll den Alt-Erkrathern der Bürgerbus noch einmal ausführlich vorgestellt und erklärt werden. Der Bürgerbusverein lädt nächsten Sonntag zu einer großen Feier an der Bahnstraße ein. Bei leckerem Essen und Getränken ist Gelegenheit zu plaudern.
Bis dahin wird der Bus auch mit vielen bunten Werbeaufklebern vieler Erkrather Firmen verziert sein. Bis auf den Kotflügel sei so gut wie alles vermietet. Der Bus soll mindestens sieben Jahre halten, danach gibt es einen Neuen und der dann Alte kann als Ersatzwagen genutzt werden.
VRR-Tickets gelten nicht
Die Fahrt kostet 1,50 Euro für Erwachsene, Kinder von sechs bis 14 Jahren zahlen einen Euro. "Ganz wichtig, die Fahrscheine des VRR wie Ticket 2000 oder Schokoticket gelten im Bürgerbus nicht", sagt Helmuth Höhn von der Rheinbahn. Das Düsseldorfer Verkehrsunternehmen betritt mit dem Erkrather Bürgerbus absolutes Neuland. Sie hat dafür gesorgt, dass die 17 ehrenamtlichen Fahrer des Busses geschult, geprüft und ärztlich untersucht worden sind. Die Rheinbahn ist Halter des Fahrzeugs und hat für den rund 55 000 Euro teuren Bus 32 000 Euro aus Zuschüssen des Landes NRW erhalten. Die restlichen 23 000 Euro muss in den kommenden Jahren der Bürgerbusverein stemmen. Mit den Mitgliedsbeiträgen der 35 Vereinsmitglieder ist das natürlich nicht möglich.
Der Verein ist darauf angewiesen, dass bei den täglichen Fahrten mindestens drei Fahrgäste mit an Bord sind. Geht das auf die Dauer nicht gut, muss die Stadt Erkrath einspringen. Sie hat eine so genannte Patronatserklärung unterschrieben. Gerät der Bürgerbus in die roten Zahlen, muss die Stadt einspringen und das Defizit übernehmen. Rund 15 000 Euro hat die Stadt sich jetzt schon die neuen Haltestellen kosten lassen.
Der Bürgerbus ist laut Jürgen Hampel vor allem für die vielen älteren Leute sowie Mütter mit Kindern gedacht, die nicht zu Fuß in die Stadt kommen wollen. Ein Rollstuhl oder Kinderwagen kann mitgenommen werden, allerdings darf dort niemand drin sitzen. Auf den acht Sitzen gilt Anschnallpflicht, stehen im Bürgerbus ist verboten. Sollte der Bus mal eine Panne haben, steht man in Kontakt mit den Bürgerbusvereinen in Leichlingen und Velbert-Langenberg, um sich kurzfristig Ersatz zu organisieren.
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