Wülfrath: Ein Armutszeugnis
VON JOCHEN DELPHENDAHL - zuletzt aktualisiert: 21.05.2010Düsseldorf (RPO). DRK-Vorsitzender Wolfgang Peetz berichtet Fachausschüssen des Stadtrats über Wülfrather Kinder in Not.
Allein zur Finanzierung von Mittagessen werden 35 000 Euro an Spenden pro Jahr gebraucht.Über "Wülfrather Kinder in Not" berichtete DRK-Vorsitzender Wolfgang Peetz in einer Sitzung des Jugendhilfe- und des Schulausschusses. Die Initiative, die bedürftigen Kindern das Mittagessen in Kindertagesstätten und Ganztagsgrundschule finanziert, wird am 11. Juni fünf Jahre alt. Die Idee wurde nach einer Sitzung 2004 geboren, in der Jugendhilfeplaner Udo Neumann berichtete, dass in Wülfrath 215 Kinder von Sozialhilfe leben. Die aktuelle Statistik besagt, dass von 3635 Kindern unter 18 Jahren 436 von Hartz IV und 109 von der Grundsicherung leben. "Das sind 15 Prozent, Tendenz ist steigend", sagte Peetz.
Helfer gesucht
Das DRK sucht für die Benefizveranstaltung des Stadtkulturbundes am 12. Juni am Zeittunnel noch ehrenamtliche Helfer als Kassierer.
Wer helfen möchte, meldet sich in der DRK-Geschäftsstelle, % 02058 3390.
DRK-Spendenkonto, "Wülfrather Kinder in Not", bei der Kreissparkasse Düsseldorf, BLZ 30150200, Kto. Nr. 3576774.
Seit fünf Jahren wird gesammelt
Dagmar Peetz, DRK-Schuldnerberaterin, kennt die Not in Familien aus ihrer täglichen Arbeit und war 2004 treibende Kraft bei der Gründung eines Arbeitskreises, der von Bettina Molitor, damals Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses geleitet wurde. Als die Überlegung kam, einen Verein zu gründen, brachte Wolfgang Peetz das DRK ins Spiel, ein eingetragener Verein, der Spendenquittungen ausstellen kann. Bald darauf wurde die Aktion "Armutszeugnis" gestartet und das Sammeln von Spenden begann.
Bei der Hilfevergabe gelten drei Grundsätze: Anträge müssen von Wülfrather Institutionen gestellt werden, es gibt keine Barzahlung an Eltern, und Kinder haften nicht für ihre Eltern. "Kinder sind immer unschuldig", sagte Peetz dazu.
Schwerpunkt ist die Finanzierung des Mittagsessens, zurzeit für 20 Kinder in Tagesstätten und für 85 in Grundschulen und der Hauptschule. Die Kosten betragen 50 000 Euro pro Jahr, wobei das Land jedes Schüleressen mit einem Euro bezuschusst, insgesamt etwa 16 000 Euro. Das Landesprogramm ist bislang bis 2011 befristet. Die Finanzierung ist 2010 bis zum Schuljahrsende gesichert. Für die zweite Jahreshälfte werden Spenden benötigt.
Auf Antrag werden auch Kosten für Kleidung, Schuhe oder eine Ferienfreizeit übernommen. Die Übernahme der Mittagessen--Kosten bezeichnete Peetz als Bildungsinvestition. "Kinder aus Familien, die das Mittagessen nicht bezahlen können, würden auch nicht die Ganztagsförderung erfahren."
"Wülfrather Kinder in Not" ist in den Herzen der Wülfrather angekommen, freut sich der DRK-Vorsitzende und verweist auf drei Benefizveranstaltungen zugunsten der Initiative: Familientag "Natur und Jagd" (6. Juni), Fest des Stadtkulturbundes (12. Juni) sowie ein Fest der Freien aktiven Schule (19. Juni).
Appell an Bürger und Firmen
Ausschussvorsitzender Wolfgang Preuß (SPD) dankte für den beeindruckenden Bericht, der "nachdenklich machte", wie Andreas Seidler (CDU) sagte. Hans-Werner van Hueth, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales, dankte im Namen von Schulen, Tagesstätten und Jugendamt für schnelle und unbürokratische Hilfe. "Sie ist notwendig für viele Kinder. Die Stadt könnte dafür keine Mittel bereitstellen." Van Hueth appellierte an Bürger und Unternehmen, diese Arbeit des DRK durch Spenden zu sichern. KOMMENTAR
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